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13.02.1981

Online-Programmierung frißt Maschinenkapazität

Die Masse der Vorteile überwiegt eindeutig die wenigen Nachteile der Online - Programmierung. Darüber sind sich die von der COMPUTERWOCHE befragten DV-Chefs einig. Indessen klagt Karl Förster: "Der erhöhte Komfort und die erzielte Produktionssteigerung bringen nicht nur eine wesentlich höhere Maschinenlast, sondern führen auch zu einer weniger disziplinierten Arbeitsweise der Programmierer." Der Einsatz eines Online - Programmiersystems brachte bei Hermann Wandelt, Janssen GmbH in Neuß, eine regelrechte "Kostenlawine" ins Rollen. Erst nach der Installierung des Systems stellte sich heraus, daß wesentlich mehr Maschinenkapazität erforderlich war, als dies vom Hersteller angegeben wurde. "Die Bedürfnisse des Kunden", echauffiert sich Wandelt, "werden unter dem Gesichtpunkt des ´Verkaufens unter allen Umständen´ mißachtet und die Konseqenzen, die mit der Online-Programmierung in Verbindung stehen, verschwiegen."

Karl Förster

Abteilungsleiter EDV - Systemtechnik, Nürnberger

Allgemeine Versicherungs-AG, Nürnberg

(IBM 3033,0S/MVS)

Der Begriff "Online - Programmierung" ist, wenn er nur für die Programmierer steht, sicher korrekt. Ich meine aber, daß in zunehmendem Maße auch Organisatoren oder Systemanalytiker den Bildschirm als Werkzeug zur Erfüllung ihrer Aufgaben benutzen werden. Es sollte vielleicht in Zukunft besser von "Online - Systementwicklung" gesprochen werden.

In unserem Hause wird das werkzeug "Bildschirm" für Programmentwicklung, Programmwartung, Test, Dokumentation, Schulung und in der Arbeitsvorbereitung seit 1977 in größerem Umfang mit Erfolg eingesetzt.

Mittels Bildschirm und der entsprechenden Software am Arbeitsplatz kann die Effizienz der Mitarbeiter in der EDV beträchtlich erhöht werden. Man sollte jedoch nicht den Fehler begehen, ohne exakte Planung und Richtlinienvorgabe mit der Einführung zu beginnen.

Es sollte klar sein, daß hardwareseitig neben den Bildschirmen auch Plattenspeicher und Hauptspeicher benötigt werden. Die notwendige Rechnerkapazität hängt ganz davon ab, ob man nur "editieren" will oder auch Debug - Compiler einsetzen möchte - vorausgesetzt, der geplante oder vorhandene Monitor läßt das zu. Der erhöhte Komfort und die ersetzte Produktionssteigerung bringt jedoch nicht nur eine wesentlich höhere Maschinenlast, sondern führt möglicherweise zu einer weniger disziplinierten Arbeitsweise der Programmierer. Fehlersuche wird gern der Maschine überlassen, was nicht unbedingt verwerflich sein muß, aber auch Maschinenlast bringt.

Zur Abwicklung aller Aktivitäten am Bildschirm sollten daher für die jeweiligen Benutzergruppen (Programmierer, Organisatoren, Arbeitsvorbereiter) entsprechende Prozeduren vorhanden sein. Diese Prozeduren regeln und kontrollieren den Online - Betrieb. Das heißt, es werden maschinell diverse Funktionen wie Compile - Läufe, Link -Läufe, Testübergabe, Jobübergabe - um nur einige zu nennen- kontrolliert abgewickelt. Dadurch wird eine Reihe von Fehlern vorzeitig erkannt und von vornherein vermieden.

Ein sehr wichtiger Punkt ist, soweit er überhaupt auf der gleichen Maschine abgewickelt wird, der Online-Betrieb der Fachbereiche. Es müssen unbedingt Vorkehrungen getroffen werden, die den Bildschirmbetrieb der Fachbereiche isolieren oder zumindest vorrangig behandeln, um die dort gewohnten Antwortzeiten zu halten. Außerdem muß dafür gesorgt werden, daß der Benutzer ausschließlich auf seine Dateien und Bibliotheken zugreifen darf. Er sollte keinesfalls autorisiert sein (außer seinen Testdateien), Dateien am Bildschirm zu verändern.

Die Plattenbereiche der "Online - Programmierer" sollten in regelmäßigen Abständen überprüft und "Dateileichen" entfernt werden. Dadurch wirkt man ständigen Plattenplatz - Anforderungen der Programmierer entgegen. Man kann sich kaum vorstellen, was ein Programmierer (er steht hier für alle Benutzer) im Laufe der Zeit alles speichert.

Betrachtet man trotz allem jedoch den Arbeitsmarkt für Programmierer, so wird wohl kein EDV-Leiter an der Möglichkeit einer Produktivitätssteigerung durch Online - Programmierung vorbeikommen. In unserem Unternehmen könnten wir heute jedenfalls nicht mehr darauf verzichten.

Egon Hendricks

DV-Leiter, SDV Schreiner GmbH, Kevelaer

(IBM /34)

In vielen Fällen versteht man unter Online - Programmierung erst einmal nur die Source - Code - Verwaltung. Hier wird der Programmierer zum reinen Datenerfasser. Es tritt die Frage auf, ob die Antwort - Zeiten des Bildschirms nicht wesentlich länger sind, als die von Papier und Bleistift. Außerdem, ob eine Codierzeile mindestens so leicht und sicher änderbar ist wie mit dem Radiergummi oder ob ein plötzlicher Systemzusammenbruch nicht mehr Daten zerstört und viel zeitaufwendiger zu beheben ist als das Abbrechen der Bleistiftspitze .

Die Bezeichnung Online - Programmierung ist nur dann gerechtfertigt, wenn sich dahinter eine Methodik verbirgt, die schon bei der Organisation beginnt und bei der Dokumentation eines erstellten Programmkomplexes endet. Die Entwicklung der Hardware im Hinblick auf Massenspeicher und große Hauptspeicherkapazitäten bietet Freiheitsgrade, die methodisches Vorgehen bei der Programmentwicklung sinnvoll machen. Zwei aufwandsmäßig große Brocken sind neben der eigentlichen Programmierung der Systementwurf und die Dokumentation. Bei dem Systementwurf kann schon ein Großteil der Unterlagen erstellt werden, aus denen sich nachher die Dokumentation zusammensetzt. Bei der Erstellung des Systementwurfs und der Dokumentation handelt es sich ebenso wie bei der Programmentwicklung um schreib- und pflegeintensives Arbeiten, und es ist die Frage, warum geht es nicht auch über Computerverwaltung.

Erst ein geschlossenes Online - System für die methodische Projektentwicklung bringt die Effizienz, der Online - Programmierung, und die mittelfristigen Aufgaben der Software - Entwicklung können mit vertretbarem Aufwand gelöst werden.

Man benötigt für eine Online - Dokumentation nicht unbedingt teure Komplexe, Programmpakete oder Datenbanken. Ein standardmäßiges Programmiersystem bietet vielfach schon die Möglichkeit

- Projektbeschreibung

- Programmbeschreibung

- Dateibeschreibung

- Satzaufbau mit Feld- definitionen

- Benutzerbeschreibung

- Schlüsselverzeichnisse einzugeben und zu pflegen.

Einige kleinere Programme sollten für die maschinelle Dokumentation aus der Source - Bibliothek erstellt werden, die unter anderem

- Programmverzeichnisse

- Dateiverknüpfungen

- Fehlernachrichten erstellen.

Wenn diese Informationen Online - nutzbar gemacht werden und eine methodische Verbindung zur Programmierung hergestellt wird, läßt sich die steigende Tendenz der Software - Entwicklungskosten effektiv reduzieren.

Hermann Wandelt

DV-Leiter, Janssen GmbH, Neuß

(IBM 4331, DOS/VSE)

Im August vergangenen Jahres sind wir von einem IBM-System 13-12 auf eine IBM 4331 umgestiegen. In Verbindung mit diesem Systemwechsel haben wir erstmalig mit Online - Programmierung begonnen.

Positiv beeindruckt sind wir von dem Komfort, den uns ein Online - Programmiersystem bietet. Daß sich jedoch dahinter eine Masse verbrauchter Maschinenkapazität versteckt, hat uns weniger erfreut. Vor allem unsere Parallelanwendungen leiden in starkem Maße darunter.

Durch den Einsatz von Online - Programmierung ist in unserem Unternehmen eine Kostenlawine ins Rollen gekommen, weil wir mehr Kapazität benötigen, als uns dies zuvor vom Hersteller erzählt wurde. Dieses rein verkaufsstrategisch orientierte Verhalten muß ich ganz entschieden verurteilen. Die Bedürfnisse des Kunden werden unter dem Gesichtspunkt des "Verkaufens unter allen Umständen" mißachtet und die Konsequenzen, die mit der Online - Programmierung in Verbindung stehen verschwiegen. In unserem Falle stellte sich, erst nach der Installierung heraus, daß noch wesentlich mehr Kapazität erforderlich war, als wir zuvor einplanten.

Anfangs hieß es von Herstellerseite, wir benötigen nur eine Platte für das Programmier - System und den Rest für Dateien. Schon bald stellte sich heraus, daß wir nicht eine, sondern drei Platten benötigten. Per Eilauftrag mußten dann noch zwei Platten geordert werden, damit wir überhaupt unsere Produktion laufen lassen konnten.

Die Einführung unseres Online - Programmier - Systems erwies sich bei uns als völlig problemlos. Die Programmierer konnten bereits nach kurzer Einarbeitungszeit am Bildschirm arbeiten. Allerdings kann man anfangs den Katalog der Möglichkeiten noch gar nicht nutzen. Erst nach und nach stößt man auf die tatsächlichen Vorteile und lernt sie schrittweise anzuwenden.

Ein Nachteil stellte sich speziell bei unserem System heraus: Änderungen, die am Bildschirm vorgenommen werden, können wir nicht documentieren. Informationen werden überschrieben, und die Originaleintragung fehlt. So mit kann man auch nicht aus den Umwandlungslisten erkennen, daß Veränderungen stattgefunden haben.

Trotzdem sehen wir die Online - Programmierung als eine phantastische Hilfe an. Die Masse der Vorteile überwiegt eindeutig die wenigen Nachteile. Es wäre jedoch zu begrüßen, der Hersteller würde hier gelegentlich mit offenen Karten spielen.