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25.06.1999 - 

AOL setzt auf Juristen statt innovativer Zugangstechniken

Online-Rabatte gelten auch für die Konkurrenz von T-Online

BONN (CW) - Im Streit mit der Telekom um die Einwahltarife zum Internet hat der Online-Dienst AOL einen Pyrrhussieg errungen. Zwar muß die Telekom ihren Wettbewerbern die gleichen Konditionen wie T-Online einräumen, darf aber ihren T-Online-Kunden weiterhin einen günstigen Pauschaltarif offerieren.

Stein des Anstoßes war ein Pauschalangebot, das die Telekom-Tochter T-Online zum 1. April 1999 einführte: T-Online-Nutzer können sich zum Pauschaltarif von sechs Pfennig, damit sind Telefongebühren und Internet-Nutzungskosten abgegolten, ins globale Netz einklinken. Ein Preis, den Bertelsmann AOL, hierzulande die Nummer zwei in Sachen Online-Dienste, als nicht kostendeckend empfand. Wegen des Verdachts der unzulässigen Quersubventionierung rief AOL den Regulierer an und reichte zugleich Klage in Brüssel ein.

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post verpflichtete jetzt die Telekom dazu, anderen Online-Providern den Zugang zu ihrer Internet-Infrastruktur zum selben Preis anzubieten, den sie auch ihrer Tochter T-Online gewährt. Das Entgelt legte die Bonner Behörde mit 2,6 Pfennig pro Minute fest.

Kleine Provider profitieren stärker

Diese Entscheidung wird AOL eventuell noch Kopfschmerzen bereiten. Von den niedrigeren Tarifen profitieren nämlich vor allem die rund 1000 kleinen Internet-Provider, die kein eigenes Netz haben und daher die Internet-Plattform der Telekom nutzen. Sie sind nun ebenfalls in der Lage günstige Angebote zu offerieren, womit AOL neue Konkurrenten erwachsen. Diese könnten AOL zudem aus einem anderen Grund gefährlich werden: Selbst in der neuesten Version 4.0 seiner Zugangssoftware setzt AOL auf ein proprietäres Verfahren, daß nicht mit gängiger Internet-Software funktioniert. So läßt sich AOL beispielsweise unter Windows 95 und 98 nicht als DFÜ-Netzwerkverbindung einrichten und verweigert etwa den Mail-Abruf mit populären Tools wie Microsofts "Outlook".

Statt die eigenen proprietären Altlasten zu beseitigen, wettert Andreas Schmidt, President und CEO von AOL Europe, weiter gegen die Telekom. Sein Vorwurf zielt gegen den Pauschaltarif von sechs Pfennig, an dem die Telekom für T-Online festhält. Dem Wettbewerber bleiben laut Schmidt nach Abzug der Verbindungskosten nur 3,4 Pfennig pro Minute für die Internet-Nutzung, ein Betrag, der keinesfalls kostendeckend sei. Laut Schmidt ist es nun Aufgabe der EU-Kommission, zu prüfen, ob T-Online gegen Kartellrecht verstoße. Ob er bei der EU-Kommission Erfolg hat, ist noch offen, bei der Regulierungsbehörde jedenfalls holte sich Schmidt einen Korb. Diese erklärte schlicht, daß die Preise für die Online-Nutzung nicht der Regulierung unterlägen.