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26.09.1980 - 

Auf der Poseidon fährt ein Mini mit:

Online-Verarbeitung in der Arktis

ESCHBORN (pi) - Im Auftrag des Instituts für Meereskunde an der Universität Kiel fährt die Poseidon, das modernste deutsche Forschungsschiff, in die Gewässer der Nordsee oder des Nordatlantik. Sie kann neben der normalen Besatzung von 16 Seeleuten bis elf Wissenschaftler an Bord nehmen. Zusätzlicher Passagier ist ein Minicomputer der Nova-Serie von Data General.

Aufgabe des mit Spezialgeräten und meßtechnischen Anlagen ausgerüsteten Schiffes ist die ozeanographische, meeresbiologische und -geologische Erforschung der europäischen Schelf- und Randmeere sowie der Kontinentalränder. Die Kosten werden zum größten Teil vom Bundesministerium für Forschung und Technologie getragen. Zusätzliche Mittel speziell für einige Großprojekte und die Grundlagenforschung, werden von der Deutschen . Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt.

Für die Programmentwicklung und das EDV-Systemkonzept zeichnet ein Sonderforschungsbereich der Universität Kiel verantwortlich. Auftragnehmer für die Minicomputer-Konfiguration und den Einsatz auf der Poseidon ist das Frankfurter Systemhaus Data Logic Computer. Eingesetzt als Bordrechner ist ein Nova-Rechner. Er hat sich wegen seines Echtzeitverhaltens und seines geringen Platzbedarfs bei der Verarbeitung der in großer Anzahl anfallenden Meßdaten bewährt.

Erkenntnisse kamen zu spät

Früher wurden erst die einzelnen Informationen gesammelt, vorverarbeitet und schließlich auf Lochstreifen ausgegeben. Danach wurde dieser Datenträger auf Magnetband konvertiert und an Land einem Rechenzentrum zur Verarbeitung und Auswertung übergeben. Mit dieser Zeitverzögerung erhielten die Wissenschaftler häufig wichtige Erkenntnisse viel zu spät. Jetzt werden im Online-Verarbeitungsmodus die anfallenden Daten direkt in den Minicomputer eingegeben oder über vorgeschaltete Meßinstrumente erfaßt.

Die so gewonnenen Schlüsselparameter können unter anderem den genauen Verlauf einer Expedition optimieren, weil wichtige Basisdaten bereits an Bord über den Minicomputer zur Verfügung stehen.

Arbeiten für "Icesmona"

Das Forschungsschiff wird vorwiegend für die folgenden meereskundlichen Aufgaben eingesetzt: physikalische Ozeanographie, marine Planktologie und Mikrobiologie, Fischereibiologie und Meereszoologie sowie marine Geophysik. Um das Schiff rentabel zu nutzen, gehen bei jeder Fahrt Forscher mehrerer nationaler und internationaler Programme an Bord.

Besonders viele Aufgaben und Messungen fallen bei den Projekten der physikalischen Ozeanographie an. Gemessen werden hierbei Wellenschwankungen, Meeres- und Meeresbodenströmungen, Klima, Wassertiefen, Fließgeschwindigkeiten sowie Salzgehalte.

Ein Teil dieser Arbeiten wird für das internationale Projekt Icesmona (Monotoring the Overflow in the North Atlantic) verwendet. Ziel der Untersuchungen ist der Übergang von kaltem arktischem Tiefwasser in das Seegebiet zwischen den Färöer- und Shetlandinseln. Für die Messungen werden automatische Strömungsmesser ausgelegt. Diese Vielstellenmeßanlage erfordert relativ viele Kanäle, um die Datenerfassung durchzuführen.

Hoher Zeitgewinn

Weitere Werte erhalten die Wissenschaftler durch das Versenken einer Multisonde. Sie wird als rechnergesteuertes Profilmeßsystem für den Einsatz in großen Tiefen eingesetzt. Über Sensoren werden Werte über die Messung von Tiefe, Temperatur, elektrische Leitfähigkeit, Lichtdämpfung, Schallgeschwindigkeit sowie weiterer gewünschter Kriterien aufgenommen.

Die Verbindung zum Bordgerät mit Sonderstromversorgung, Filtersatz zur Kanaltrennung für jeden Meßkanal und den Nova-Rechner besteht aus einem gepanzerten Koaxialkabel. Die gemessenen Werte werden mit hoher Abfragegeschwindigkeit auf die Platten- und Bandperipherie der Nova gespeichert.

Die Profilmessungen ergeben Schlüsselparameter von verschiedenen Wasserschichten. Fortran V-Programme verarbeiten die erfaßten Werte und geben sie in Form von Isolinien- oder Isoflächenzeichnungen aus.

Wie groß der Zeitgewinn eines computergesteuerten Meßsystems gegenüber konventionellen Verfahren ist zeigt folgender Vergleich: Die Isofläche einer bestimmten Wassertemperatur in Abhängigkeit von der Tiefe belegt auf der Nova je eine halbe Stunde Rechen- und Plotzeit im Spoolingbetrieb. Manuell erstellte Isoflächenzeichnungen erfordern dagegen wochenlange Arbeiten und zeigen nicht so viele Details.