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04.09.1992 - 

Umgang mit Systemen unterschiedlicher Hersteller lernen

Open Education: Das Mittel der Wahl sind Multivendor-Seminare

Richtig eingesetzte Weiterbildung in bezug auf offene Systeme soll unter anderem helfen, Entscheidungsgrundlagen zu schaffen und das Vertrauen in offene Systeme zu stärken, damit das Umstellungsrisiko kalkulierbar wird. Helmut Plickert * erklärt, worauf es bei einer Schulung zu diesem Thema ankommt und erläutert sein Multivendor-Konzept.

Die Verheißungen klingen Verlockend:

- Open Systems haben das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

- Open Systems arbeiten über Herstellergrenzen hinweg zusammen.

- Open Systems erlauben portable Anwendungen.

Risiken der Umstellung sind kaum kalkulierbar

X/Open hat 250 Executives nach den Gründen befragt, warum sie nicht das "Paradies der Open Systems" betreten? Die DV-Chefs führten folgende Gründe an:

- Organisatorische Hindernisse:

- kein kundiges Personal,

- Angst vor Neuem;

- Verwirrung über Hersteller, Produkte, Standards,

- Vielfalt neuer Architekturen;

- Kluft zwischen Bedürfnissen und Qualität der verfügbaren Produkte;

- damit Verbundenes Risiko für die vorhandenen Informationsbestände.

In der Tat sind heute die Risiken für die Informationsbestände und -infrastrukturen, die mit einer Umstellung auf offene Systeme verbunden sind, kaum kalkulierbar. Soll man also lieber die Finger davon lassen? Helfen da schon ein paar Unix-Kurse, etwas Motif-Kenntnisse, OSI-Seminare oder was sonst noch die heute nahezu 100 Anbieter auf dem Bildungsmarkt für offene Systeme anbieten?

Unix, C, Motif etc. sind nur Einzelaspekte von offenen Systemen. Andererseits wird Unix als wichtiger Schritt, geradezu als Tor zur offenen Systemwelt angesehen. Aber: Jeder, der heute schon Unix im Einsatz hat weiß: Unix ist nicht gleich Unix. Es stimmt zwar, daß die Systemschnittstelle Posix (IEEE 1003.1) normiert ist. Aber wie sieht es mit der Benutzerschnittstelle aus? Wie installiere ich ein Unix-System, und wie verwalte ich User bei AIX, HP-OS, Sun-OS, Ultrix oder System V?

Selbst am einfachen Beispiel Home-Directory-Aufruf (siehe Abbildung 1) zeigen sich erhebliche Unterschiede. Und je tiefer man in Unix einsteigt, desto schwieriger wird es, sich einen Überblick zu verschaffen.

Dies macht deutlich, daß die Angst der Anwender nicht unbegründet ist. Hier bedarf es einer Spezialschulung, die davon ausgeht, daß offene vernetzte Systemumgebungen - welcher Anwender hat das nicht schon heute - trotz Standardisierungsbestrebungen sehr heterogen sind und damit zum Teil erhebliche Unterschiede in der Benutzung, in der Administration und in der Programmierung aufweisen.

ES kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Ein Blick auf moderne offene Technologien wie DCE oder DME zeigt, daß viele unterschiedliche Einzeltechnologien zusammenwirken müssen, wenn man echten Nutzen aus vernetzten offenen Systemen ziehen will. Die Entwicklung moderner verteilter, portabler Anwendungen (Client-Server-Anwendungen) erfordert etwa die Einhaltung von Benutzer-, Kommunikations-, Datenhaltungs- und Systemschnittstellen etc. Die Folge ist, daß das Training von offenen Einzeltechniken (C, Motif, SQL usw.) nicht ausreicht. sondern um Integrationskurse über Technologiegrenzen hinweg ergänzt werden muß.

Es ist also nicht trivial, die Inhalte einer geeigneten "offenen" Aus- und Weiterbildung zu definieren. Aber wenigstens die Ziele müßten klar definierbar sein. Hierzu ist es vielleicht hilfreich, die IEEE-Definition von "Open Systems" in Erinnerung zu rufen: "Open systems ... enable properly engineered applications to be ported with minimal changes across a wide range of systems to interoperate with other applications on local and remote systems to interact with users in a style that facilitates user portability."

In Analogie hierzu könnte man "Open Education" definieren: Open Education vermittelt Wissen und Fähigkeiten, die auf ein weites Spektrum von Systemen unterschiedlicher Hersteller anwendbar und die zur Entwicklung von interoperablen Anwendungen erforderlich sind.

Etwas griffiger formuliert: Open Education vermittelt Wissen, das sich über Herstellergrenzen hinweg portieren läßt. Darüber hinaus ist es ein Wissen, das "jung" bleibt und steigenden Marktwert hat, Das bietet gute Chancen für die Wissensträger, birgt aber die Gefahr, austauschbar zu werden.

Ein Schlüsselbegriff für Open Education ist sicher das Schlagwort "Multivendor". Der Umgang mit Systemen unterschiedlicher Hersteller ist nicht prinzipiell, sondern nur im Detail ein mühsames Geschäft. In der Regel hat ein Unix-System-Manager eine Grundausbildung für dasjenige Unix-Derivat erhalten, das als erstes zu betreuen war.

Kommen weitere Unix-Derivate hinzu, hat der Anwender die Wahl, weitere Kurse zu besuchen oder sich mühsam durch die Dokumentation des neuen Systems durchzuarbeiten. Beides ist wenig effizient. Hier muß ein Open-Education-Anbieter eine echte Multivendor-Ausbildung anbieten (siehe Abbildung 2).

Diese Ausbildung umfaßt folgende Inhalte: Vergleich der wichtigsten Unix-Derivate hinsichtlich Filesystem, Geräteverwaltung, Shutdown und Boot, Installation und Konfiguration, Backup und Recovery, Benutzerverwaltung, Sicherheitsmerkmale, Netzwerkfähigkeiten etc. Dazu muß es Übungsmöglichkeiten an allen Systemen geben.

Aber wie sieht es in den Bereichen aus, in denen die Standardisierung noch weit entfernt ist, zum Beispiel bei Datenbanken. Zwar kommt man der Standardisierung beim Datenzugriff mit SQL einen großen Schritt näher, aber es bleiben die Unterschiede in der DB-Administration sowie in der Verwendung und Funktionalität der DB-basierten 4GL-Tools. Ein Anbieter von Open Education müßte auch hier die unterschiedlichen DB-Systeme in die Themenpalette aufnehmen und - wo es sinnvoll und möglich ist - echte Multivendor-Schulung anbieten.

* Dr. Helmut Plickert ist Leiter des Programms Open Education bei der Digital Equipment GmbH Bildungszentrum München.