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07.11.2003 - 

Frankfurter Linuxworld 2003 im Aufwind

Open Source hat sich etabliert

FRANKFURT/M. (ls) - Der unverändert auf den IT-Budgets lastende Sparzwang veranlasst immer mehr Anwender, Linux in ihr Kalkül einzubeziehen. Wurde bisher die Verbreitung des Open-Source-Betriebssystems primär von Großunternehmen und der öffentlichen Verwaltung getragen, so steigt jetzt das Interesse des Mittelstands.

Die Linuxworld in Frankfurt am Main hat sich geändert, und zwar nicht nur hinsichtlich der gewachsenen Ausstellungsfläche und der rapiden Zunahme der Aussteller. Von jungen Open-Source-Freaks war so gut wie nichts mehr zu sehen. Anzüge und Krawatten verrieten schon optisch, dass Linux ein wichtiges Thema für IT-Manager geworden ist. Die Aussteller berichten von weniger allgemeinen Auskunftswünschen zu Linux und mehr konkreten Anfragen wegen klar umrissener Migrationsvorhaben.

Große binden Partner ein

Stärker als jemals zuvor boten die Großen der IT-Branche auf ihren Messeständen vielen Softwarepartnern eine Präsentationsmöglichkeit. Es ist inzwischen erklärte Strategie der Marktführer, mit Hilfe der Partner die Zahl der Linux-fähigen Anwendungen schnell zu erhöhen. "In der Open-Source-Community gibt es nicht sehr viele Anwendungsprojekte", konstatiert Curtis Coppersmith, Director of Linux-Strategy bei Hewlett-Packard. Das biete unabhängigen Softwarehäusern eine Chance im Linux-Markt. Gleichzeitig würden Partnerlösungen das Angebot von HP erweitern. Deshalb kündigte Coppersmith eine Ausweitung der Kooperationen an. Ähnlich geht Fujitsu-Siemens vor. In Deutschland soll mit qualifizierten Partnern ein Netzwerk von rund 40 Linux-Competence-Centern entstehen.

Die Anbieter gehen davon aus, dass die Linux-Welle nach einer Hype-Phase jetzt erst richtig anläuft. Noch beobachtet Johannes Loxen, Geschäftsführer der Göttinger Firma Service Network GmbH (Sernet), eine "Zurückhaltung". Immerhin entwickelten sich die Investitionen in Linux und Netzsicherheit entgegen der Konjunktur positiv. Thomas Uhl, Geschäftsführer des Stuttgarter Linux-Mainframe-Spezialisten Millenux und wie Loxen einer der Vorsitzenden des Linux-Verbandes "Live", sieht ebenfalls einen "Investitionsstau". Aber nicht mehr lange, so Uhl: "Wenn die Unix-Maschinen abgeschrieben sind, steht Linux auf dem Plan."

Server sind unverändert der Schwerpunkt des Linux-Trends. Doch längst geht es nicht mehr nur darum, Internet-orientierte Anwendungen wie E-Mail oder Web-Server sowie File-and-Print-Services auf dem quelloffenen Betriebssystem zu betreiben. Zunehmend laufen auf ihm, so die übereinstimmende Ansicht bei SAP und Oracle, auch geschäftskritische Anwendungen. Die Hardware der Wahl sind dabei kostengünstige Intel- oder AMD-basierende Cluster, die eine Domäne von Linux bilden.

Auch im Mainframe-Segment tut sich was. Jörg Ludwig, IBM-Direktor für Linux-Marketing im deutschsprachigen Raum, berichtet, im Jahr 2000 seien elf Prozent der Rechenleistung neu ausgelieferter Mainframes für Linux genutzt worden. Im letzten Jahr betrug der Anteil 17 Prozent. Corina Laudenbach, Managerin für Business-Development Linux bei Fujitsu-Siemens, bestätigt: "Banken und Versicherungen zeigen eine besonders starke Nachfrage. Linux wird die zentrale Plattform."

Starkes Anwenderinteresse

Einigermaßen erstaunt über die Linux-Entwicklung zeigt sich Dave Hilbe, Entwicklungschef von BMC, Houston: "Vor 18 Monaten sind wir zu den Kunden gegangen, um mit ihnen über Linux zu reden. Heute kommen in 70 bis 80 Prozent der Fälle die Kunden mit Linux-Anfragen zu uns." Beim Konkurrenten Computer Associates sieht es Technical Manager Frank Balzer etwas weniger euphorisch: "Eigentlich sind es noch recht wenige Early Adopters; die aber werden von vielen aufmerksam beobachtet."

Im Mittelstand wächst das Interesse an Linux - deutlich zu erkennen am überraschend guten Besuch des ersten Mittelstandsforums im Rahmen der Linuxworld. Frank Pade, Vorstandsmitglied der IBM-Mittelstandsvereinigung Common, berichtet, diese Anwendergruppe habe inzwischen Linux-Erfahrungen gesammelt, allerdings primär auf Intel-basierenden Maschinen. Nur "sehr wenige" der mehrere hundert Common-Mitglieder betrieben Linux auf Partitionen der P- und I-Server. Der Grund: "Never change a running system."

Mehr Standards gefordert

Der Nürnberger Linux-Distributor Suse will hemmende Faktoren aus dem Wege räumen, indem er sein Geschäft um Services im Betriebssystem-nahen Bereich erweitert. Unter dem Slogan "Unbreakable Open Source" sollen über System-Schnittstellen zertifizierte Lösungen von Partnerfirmen für Groupware, Applikations- und Web-Server, Daten-, System- und Content-Management, Anwendungsentwicklung, Java sowie Sicherheit angeboten werden. Suse ist soeben dem auf Open-Source-Middleware konzentrierten Objectweb-Konsortium beigetreten.

Suse-Chef Richard Seibt mahnte die Distributoren in seiner Keynote-Rede mit einer warnenden Erinnerung an die Unix-Geschichte, ihre Linux-Systeme standardkonform zu halten. Nur eine einheitliche Codebasis ("Common Code Base") ihrer Linux-Versionen könne sicherstellen, dass Anwendungen auf allen Linux-Versionen und allen Hardwareumgebungen gleichermaßen laufen.