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26.04.2002 - 

Interview mit Brian Behlendorf, President der Apache Software Foundation

"Open Source ist ein Perpetuum mobile"

Brian Behlendorf ist Mitbegründer des Apache-Projekts. Er gilt als einer der wichtigsten Entwickler des freien Web-Servers. CW-Redakteur Wolfgang Sommergut sprach mit ihm über die Erfolgsaussichten freier Software gegen Microsoft und das Scheitern von Open-Source-Firmen.

CW: Vor drei bis vier Jahren konnte sich die Open-Source-Gemeinde wegen Suns restriktiver Politik nicht besonders mit Java anfreunden. Sprechen die zahlreichen Java-Aktivitäten bei Apache dafür, dass sich das Verhältnis zur Unix-Company deutlich verbessert hat?

Behlendorf: Sun hat eine sehr zwiespältige Position gegenüber offenen Standards. Zum einen unterstützt die Company Institutionen wie die Internet Engineering Task Force (IETF), zum anderen hat sie Angst, dass große Hersteller wie Microsoft zu viel Offenheit ausnutzen könnten. Deshalb wollte Sun besonders am Anfang Java schützen. Wer die Java-Spezifikationen umsetzen wollte, unterlag einer Reihe von Auflagen, darunter auch teuren Konformitätstests. Aus rechtlichen Gründen war es nicht möglich, eine Java-Implementierung als Open Source freizugeben.

Bei der Servlet-Spezifikation machte Sun für uns eine Ausnahme. Deshalb konnten wir überhaupt erst den "Tomcat"-Server entwickeln. Wir erhielten darüber hinaus vor mehr als einem Jahr einen Sitz im Java Community Process (JCP). Diese Öffnung führe ich darauf zurück, dass sich die Position von Java inzwischen gefestigt hat. Auf der Java One Ende März ging Sun einen Schritt weiter und stellte in Aussicht, dass weitere Spezifikationen für Open Source zugänglich gemacht werden. Wir haben der Firma für die Umsetzung dieses Versprechens zwei Monate Zeit gegeben. Danach sehen wir uns gezwungen, einige unserer internen Java-Projekte abzubrechen.

CW: Welche Bedeutung hat nach Ihrer Meinung Apaches Tomcat für den Erfolg von Java? Immerhin gehört er zu den meistgenutzten Servlet-Engines.

Behlendorf: Open-Source-Implementierungen sind entscheidend dafür, ob eine bestimmte Technologie weite Verbreitung findet. Damit Java ein Standard wird, den jeder nutzt, und damit es sich als fester Bestandteil der Internet-Infrastruktur etabliert, sind quelloffene Ausführungen erforderlich. Nur so wird es hochwertige Java-Implementierungen für die vielen unterschiedlichen Systeme geben.

CW: Ein Projekt names "Mono" hat sich sogar zum Ziel gesetzt, eine freie Version von Microsofts .NET-Framework zu entwickeln. Wie beurteilen Sie dessen Erfolgsaussichten, nachdem Redmond nur einen Teil seines Systems zur Standardisierung bei der ECMA einreichte?

Behlendorf: Ich kann das .NET-Framework aus technischer Sicht nicht beurteilen. Aus einer etwas naiven Perspektive sieht es ziemlich genauso aus wie Java. Ich glaube, dass die Mono-Entwickler etwas sehr Wichtiges tun. Immerhin erhalten sie auch Unterstützung von Intel und HP, seit sie neben der GNU Public Licence auch eine BSD-artige Lizenz anbieten. Dennoch bleiben Bedenken, wie die Weiterentwicklung des Standards erfolgen soll und ob außer Microsoft überhaupt jemand darauf Einfluss hat. Außerdem lässt sich noch nicht absehen, ob Mono mit lizenz- und patentrechtlichen Problemen konfrontiert wird. Aber zumindest bietet das Open-Source-Projekt eine Alternative zur Microsoft-Implementierung. Ich begrüße das, weil ich an die Evolution von Software nach dem Muster des Darwinismus glaube. Und wenn Microsoft .NET zukünftig gegen die Konkurrenz abschotten will, könnte der Schuss nach hinten losgehen: Vielleicht ist Mono dann so weit verbreitet, dass sich Anwender entschließen, damit zu arbeiten und nicht mit der Microsoft-Version. Die offene Version würde dann zum Standard. Aber vielleicht ist das nur Wunschdenken.

CW: Glauben Sie tatsächlich, dass Microsofts Marktausdehnung durch freie Implementierungen der Redmond-Technologie gebremst werden kann?

Behlendorf: Microsoft erzielte seine Erfolge meist durch rohe Gewalt, also unter Einsatz seiner enormen Ressourcen. Wenn das Unternehmen irgendwo einen Technologievorsprung von zwei Jahren gewinnt, dann ist der kaum noch wettzumachen. Das ist auch der Grund, warum wir am Desktop mit KDE und Gnome so lange gebraucht haben. Ich glaube, dass beide nun gegenüber Windows enorm aufgeholt haben.

CW: Sie sprechen von technischen Leistungen. Meinen Sie wirklich, die Open-Source-Desktops werden Microsofts Monopol gefährden können?

Behlendorf: Ich habe Kontakt zu vielen CIOs und CTOs. Wenn ich meine Gesprächspartner frage, ob sie die Lizenzbedingungen für Windows XP gelesen haben, verzerrt sich ihr Gesicht vor Schmerz. Microsoft wechselt zu einem Mietmodell für Software und verlangt sehr viel Geld für einen ziemlich kurzen Nutzungszeitraum. Außerdem sehen viele die Bedrohung, dass sie aufgrund ihrer Abhängigkeit von der Software gegenüber Microsoft als Unternehmen in eine schwache Position kommen. Viele Firmen untersuchen daher sehr genau, für welche Arbeitsplätze sie tatsächlich eine Microsoft-Umgebung benötigen. Dort, wo etwa ein Web-Browser und ein Mail-Client ausreichen, beginnen sie mit der Umstellung auf Linux. Schwerer fällt der Wechsel, wo Microsoft Office benötigt wird. Aber freie Alternativen wie "Open Office" und "K Office" werden immer interessanter, weil sie den technischen Rückstand zunehmend aufholen. Ich glaube, bei Office handelt es sich um eine Festung, die nach und nach geschleift wird.

CW: Ein Problem für die Akzeptanz freier Software könnte darin bestehen, dass professionelle Anwender verlässlichen und kompetenten Support benötigen. Aber die meisten Startups, die mit Service und Support für freie Software Geld verdienen wollten, sind mittlerweile pleite. Ist das Geschäftsmodell für Open Source am Ende?

Behlendorf: Ich glaube, das Problem für die meisten dieser Firmen bestand darin, dass sie die Balance zwischen dem herkömmlichen Lizenzgeschäft und dem Verschenken nicht gefunden haben. Die Vorstellung, man könne seine gesamte Software gratis herausgeben und nur von ergänzenden Dienstleistungen leben, erwies sich als Irrtum. Firmen mit einer riesigen Serviceabteilung wie IBM tun sich da von Haus aus leichter. Trotzdem verlangen sie aber noch stattliche Preise für die geheimen Bits in ihrer Software, auch wenn sie wie bei Websphere viel freien Code verwenden.

CW: Es sieht so aus, als ließe sich das Scheitern der Open-Source-Firmen mit dem Niedergang der Dotcoms vergleichen. In beiden Fällen haben sich traditionelle Unternehmen den Ansatz der jungen Herausforderer zu eigen gemacht und ihr bestehendes Modell integriert. Stimmt dieser Vergleich?

Behlendorf: Nicht ganz. Viele Dotcoms haben Unmengen von Geld mit unsinnigen Geschäftsmodellen verheizt. Von ihnen ist nichts übrig geblieben. Demgegenüber haben Open-Source-Firmen Software hervorgebracht, deren Code in vielen Projekten weiterlebt. Open Source funktioniert wie ein Perpetuum mobile.

CW: Ihre eigene Firma Collabnet (http://www.collab.net) versucht ebenfalls auf Basis freier Software Geld zu verdienen. Wie vermeiden Sie die Fehler der zugrunde gegangenen Startups?

Behlendorf: Wir bieten Hosting-Dienstleistungen für Softwareprojekte. Wir sprechen etwa große Unternehmen an, die interne Anwendungen an mehreren Standorten programmieren. Über unser zentrales Code-Repository sowie zusätzliche Services können die verteilten Teams kooperieren, ganz im Stil von Open-Source-Projekten. Wir bauten dabei auf freie Software, beispielsweise "Bugzilla" oder das "Concurrent Version System" (CVS), und natürlich auf jede Menge Apache-Code. Hinsichtlich CVS kamen wir schnell zur Überzeugung, dass wir für professionelle Dienste eine weiterentwickelte Version des Tools benötigten. Wir begannen daher mit einem Projekt namens "Subversion" (http://subversion.tigris. org), das quasi die Version 2 von CVS hervorbringt. Unsere Firma finanzierte die Programmierer und wir geben die Software als Open Source frei. Gleichzeitig schrieben wir auch Software, die wesentliche Aufgaben für unser Hosting erbringt und von uns nicht verschenkt wird.

CW: Ihr Name wird aber weiterhin vor allem mit der Apache Software Foundation (ASF) in Verbindung gebracht. Kürzlich wurde die lange erwartete Version 2.0 des Web-Servers fertig gestellt. Welche Bedeutung messen Sie diesem Update bei?

Behlendorf: Die Version 2.0 bedeutet für uns einen wichtigen Schritt vorwärts. Sie befand sich seit etwa fünf Jahren in der Entwicklung. Alle möglichen Features, die wir uns vorgenommen hatten und von denen wir wussten, dass wir sie nicht in die Version 1 integrieren konnten, haben wir uns dafür aufgehoben. Gleichzeitig haben wir laufend Apache 1.x verbessert, so dass dieser seine Aufgaben auch für sehr große Websites erfüllen konnte. Vielleicht besteht darin ein Grund, warum wir es mit der Version 2.0 nicht so eilig hatten.