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17.01.2008

Open-Source-Szene begrüßt MySQL-Übernahme durch Sun

Es handelt sich um den bislang größten Open-Source-Deal: Für eine Milliarde Dollar ergänzt Sun Microsystems seine Open-Source-Assets um MySQL, dem Marktführer bei quelloffenen Datenbanken.

Mangelndes Open-Source-Engagement kann man Sun nicht vorwerfen: Prominente Projekte der in Santa Clara ansässigen Kalifornier sind die freie Office-Lösung OpenOffice.org, der Java-Applikations-Server "GlassFish", die integrierte Entwicklungsumgebung "NetBeans", die Java-Entwicklungsumgebung "OpenJDK" sowie "OpenSolaris", die quelloffene Version des proprietären Unix-Derivats. Erst im vergangenen Monat hat Sun den Start des "Open Source Community Innovation Awards Program" bekannt gegeben, bei dem Open-Source-Communities gefördert und die besten Initiativen mit Preisen von insgesamt einer Million Dollar belohnt werden sollten.

Nun bringt der Hersteller mit der gestern verkündeten MySQL-Übernahme erneut kräftig Bewegung in die Open-Source-Szene. Eine Milliarde Dollar lässt sich Sun die Akquisition kosten, um seine Position im Bereich Enterprise-IT zu verbessern und in einen auf 15 Milliarden Dollar geschätzten Datenbankmarkt einzusteigen. 800 Millionen Dollar zahlt Sun in bar, 200 Millionen Dollar kommen in Form von Optionsscheinen. Im Juni, wenn die Kalifornier ihr Geschäftsjahr 2008 abschließen, soll der Kauf unter Dach und Fach sein. Damit erübrigt sich auch die seit längerem im Raum schwebende Frage, wann MySQL seine Pläne wahr machen und selbst an die Börse gehen könnte.

Starke Kundenbasis

MySQL-Chef Marten Mickos (links) und Sun-CEO Jonathan Schwartz besiegeln die Übernahme.
MySQL-Chef Marten Mickos (links) und Sun-CEO Jonathan Schwartz besiegeln die Übernahme.

Die führende quelloffene Datenbank soll den Open-Source-Stack von Sun komplettieren. In jedem Fall reichert der Deal die künftige Kundenbasis an, denn große Web-2.0-Sites etwa von Facebook, Google, Nokia, Baidu und China Mobile nutzen MySQL. Insofern ergeben sich aus der Akquisition durchaus Synergien zu den Sun-eigenen Internet-Aktivitäten, meint Ian Howells, Chefmarketier bei Alfresco, Anbieter eines quelloffenen Systems für Enterprise-Content-Management. Er begrüßt den Zusammenschluss ebenso wie andere Open-Source-Anbieter, darunter SugarCRM, Zend Technologies und SpringSource.

Doch auch in Richtung unternehmenskritischer Infrastruktur gibt die Übernahme möglicherweise Sinn. Bereits seit Jahren bemüht sich MySQL, die mit neuen Engines und Enterprise-Services ausgestattete Datenbank im Backend der Unternehmen zu etablieren. Allerdings hieß es unter Experten immer wieder, dass die Open-Source-Plattform keine Alternative zu ihren kommerziellen Pendants wie Oracle sei. Allenfalls ließen sich unkritische Aufgaben dorthin auslagern, um die teuren Systeme zu entlasten. Ovum-Analyst Laurent Lachal formuliert es auf seine Weise: "Mit MySQL rückt Sun etwas mehr in Richtung des weniger anspruchsvollen Massenmarkts".

Wie erfolgreich die jahrelang verkündete Enterprise-Strategie von MySQL neben dem Embedded-Bereich und den OEM-Geschäften tatsächlich war, ist umstritten. Tatsache ist jedoch, dass CEO Marten Mickos kürzlich im Interview mit COMPUTERWOCHE das "moderne Enterprise 2.0" und damit das Web 2.0 als einen "absolut strategischen Markt" in den Vordergrund rückte und damit wieder auf angestammtes Terrain setzte. Mit Sun im Rücken könnte der Vorstoß ins transaktionsorientierte Backend allerdings neuen Schwung erhalten, da der Systemanbieter sicher versuchen wird, die Datenbank auch verstärkt bei seiner eigenen Klientel unterzubringen ? beispielsweise in der Finanz- und Telekommunikationsbranche. Ob man dort jedoch das Highend erreicht, wie MySQL es ursprünglich vorhatte, daran hat Ovum-Mann Lachal seine Zweifel. Simon Phipps, Chief Open Source Officer bei Sun und bekannt als Open-Source-Verfechter, erklärt dazu lediglich: "Mit den nun weltweit verfügbaren Ressourcen für Vertrieb und Support werde MySQL seine Ziele im Datenbankmarkt deutlich schneller erreichen."

Lamp oder Samp?

Zweifel gibt es allerdings auch, wie Suns weitere Open-Source-Strategie aussehen könnte. Hat der Hersteller schon die Aufsicht über Java, erhält er sie nun auch über den De-facto-Standard unter den quelloffenen Datenbanken. Insider äußerten schon die Vermutung, Sun könne diese Rolle missbrauchen, um den Lamp-Stack (Linux, Apache, MySQL und PHP/Perl) in Richtung einer Samp-Plattform zu rücken, bei der Linux durch das "S" von OpenSolaris ersetzt wird. Diesen Bedenken tritt Phipps vehement entgegen. "Wenn wir Open-Source-Anwender in Richtung Solaris drängen würden, wären wir verrückt", so der Sun-Manager. "MySQL ist bei uns in sicheren Händen, möglicherweise sogar in den sichersten."

Unterstützung erhält Phipps von namhaften Open-Source-Aktivisten wie Jon "Maddog" Hall. Ähnliche Übernahmen von Open-Source-Companies durch große kommerzielle Hersteller hätten bislang weitgehend positive Ergebnisse für die Communities gebracht. Als Beispiel nennt Hall Oracles Datenbank-Akquisitionen wie etwa die von SleepyCat Software. Auch Eben Moglen, Executive Director im New Yorker Free Software Law Center, sieht im Sun-MySQL-Deal einen Trend, für den er in den kommenden Monaten noch mehre Beispiele erwartet. Wenn solche Fusionen dazu führen, dass die Community-gestützte Entwicklung von Software forciert abläuft, sei das positiv zu bewerten. (ue)

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