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18.02.2000 - 

Grundsatzbeiträge zu freien Projekten

Open Source verändert die Softwarebranche

18.02.2000
MÜNCHEN (CW) - Mit seinem programmatischen Beitrag "The Cathedral and the Bazaar" beschrieb Eric Raymond umfassend die Prinzipien freier Softwareprojekte. Unter dem Titel dieses vielbeachteten Aufsatzes erschien nun ein Buch, das weitere grundlegende Analysen des Open-Source-Theoretikers enthält.

Der über das Internet schnell populär gewordene Aufsatz "The Cathedral and the Bazaar" basiert auf den eigenen Erfahrungen des Autors als Programmierer freier Software. Überrascht und erstaunt vom Erfolg des Linux-Projekts versuchte er anhand eines kleineren Vorhabens nachzuvollziehen, wie dezentral über das Internet kooperierende Programmierer eine derart komplexe Aufgabe bewältigen können. Nach seiner Auffassung produzieren derart lose organisierte Teams nicht nur höherwertige Programme als ihre kommerziell arbeitenden Kollegen. Ausschlaggebend dafür sei die allgemeine Zugänglichkeit des Quellcodes, die einen breit angelegten Revisionsprozess möglich mache. Sie widerlegen damit auch, so Raymond, bisher scheinbar unumstößliche Gesetze der Softwareentwicklung. Er bezieht sich damit auf "Brooks''s Law" (das Frederick Brooks vor über 20 Jahren in "The Mythical Man Month" formulierte), wonach mit der Zahl der beteiligten Programmierer die Effizienz von Projekten stetig abnehme.

Weniger öffentliche Aufmerksamkeit erregten die zwei Folgepublikationen, "Homesteading The Noosphere" und "The Magic Cauldron". Erstere dreht sich mehr um die persönlichen Antriebe von Open-Source-Programmierern und versucht, diese über das Konzept einer Schenkkultur ("Gift Culture") zu begreifen. Demgegenüber setzt sich "The Magic Cauldron" mit der Bedeutung von freier Software für die Zukunft der Branche insgesamt auseinander.

In diesem Zuge will Raymond mit einem gängigen Selbstmissverständnis der Softwareindustrie und damit verbundenen Einwänden gegen Open Source aufräumen. Er wendet sich gegen die Vorstellung, bei Computerprogrammen handle es sich um Güter wie Automobile oder andere Fabrikerzeugnisse. Diese Illusion werde durch die Verpackung und das Preisetikett geschürt. Sie werde aber augenblicklich zerstört, wenn ein Hersteller die Weiterentwicklung für ein Produkt einstelle. Dann finden sich Programme, die vorher Hunderte Mark oder mehr gekostet haben, binnen kürzester Zeit für fünf Mark im Wühltisch wieder - und das, obwohl ihr Gebrauchswert unverändert geblieben ist. Raymond schließt daraus, dass der Preis, den Anwender für Software bezahlen, den Gegenwert für erwartete, zukünftige Serviceleistungen repräsentiert, unter anderem auch die Pflege und Weiterentwicklung. Allerdings produziere dieses Geschäftsmodell Widersprüche auf Kosten des Anwenders, weil der Service darin nur als Kostenfaktor auftauche und entsprechend stiefmütterlich behandelt werde. Demgegenüber widmen Firmen, die sich auf freie Software stützen, ihre Energie ganz dem Service, weil sie mit Lizenzeinnahmen kein Geld verdienen können.

Insgesamt ist Raymonds Buch ein Muss für alle, die sich für Open Source und die Zukunft der Softwarebrache interessieren. Dagegen spricht eigentlich nur, dass alle Aufsätze kostenlos aus dem Internet (http://www.tuxedo.org) heruntergeladen werden können.

Eric Raymond: The Cathedral & The Bazaar. Sebastopol: O''Reilly 1999. 288 Seiten, 40 Mark.