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21.02.2006

Open Source wird zum Geschäft

Matthew Langham
Die Kommerzialisierung von quelloffenen Angeboten sowie die Aktivitäten von Oracle und Microsoft waren die Hauptthemen auf der Open Source Business Conference West 2006.

Mit ihrem Open-Source-Engagement verfolgen immer mehr Anbieter handfeste Geschäftsinteressen. Das zeigte sich auf der diesjährigen Open Source Business Conference (OSBC) vom 13. bis zum 14. Februar in San Francisco. Bereits im letzten Jahr wurde die Konferenz in zwei Ausführungen für die West- und die Ost-Küste der USA aufgeteilt. In diesem Jahr wird es zusätzlich eine OSBC Europe zu vor allem europäischen Themen am 26. und 27. Juni in London geben.

Highlights der OSBC 2006

• 650 Teilnehmer und mehr als 30 Aussteller;

• die Kommerzialisierung von Open Source schreitet voran;

• es gibt immer mehr Open-Source-Applikationen und -Anwendungsgebiete (System- und Dokumenten-Management, Business Intelligence und Reporting);

• neue Open-Source-Firmen arbeiten überwiegend nach dem Dual-License-Prinzip;

• Microsoft und Oracle sorgten für Gesprächsstoff;

• Intermediaries sollen die Lücke zwischen Anwendern und Open-Source-Community beziehungsweise -Firmen schließen;

• US-amerikanische Firmen wollen in den nächsten zwölf Monaten nach Europa drängen.

New kids on the block

Auf der OSBC hatten junge Open-Source-Unternehmen die Möglichkeit, sich in kurzen Präsentationen und im Rahmen der Ausstellung vorzustellen. Hier eine Auswahl:

Alfresco (www.alfresco.com): Dokumenten-Management-System;

Groundwork (www.groundworkopensource.com): System-Monitoring auf der Basis von Nagios und anderen Open-Source-Komponenten;

Scalix (www.scalix.com): E-Mail-Lösung für Browser und Server;

Funambol (www.funambol.com): Synchronisationslösung für Mobil- geräte auf Basis von SyncML;

Jaspersoft (www.jaspersoft.com): Formularanwendung für Business-Intelligence-Lösungen;

Zmanda (www.zmanda.com): System für Datensicherung und Archivierung auf Basis des Open-Source-Projekts Amanda;

LucidEra (www.lucidera.com): Gehostete Lösung für Business Intelligence.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

572440: Oracle wollte MySQL übernehmen;

572212: Zend und Jboss zieren sich vor Übernahme durch Oracle;

572291: Microsoft und SugarCRM;

556055: Venture Capital investiert in Open-Source-Firmen.

Wie Konferenzinitiator Matt Asay ausführte, sind nach seinen Recherchen allein in den letzten sechs Monaten weltweit über 150 Millionen Dollar in Open-Source-Unternehmen investiert worden. In den letzten fünf Jahren waren es seinen Angaben zufolge über 1,3 Milliarden Dollar.

Dass das Geld angekommen ist, zeigte sich in diesem Jahr auf der OSBC am Auftreten vieler neuer Open-Source-Firmen (siehe Kasten "New kids on the block"). Sie bieten quelloffene Applikationen auch in Anwendungsbereichen wie System- und Dokumenten-Management oder Business Intelligence an. Manche Neulinge sehen allerdings offenbar ein Open-Source-Einstiegsangebot lediglich als Möglichkeit, ein vorhandenes kommerzielles Produkt bekannter zu machen, um damit sowie mit Dienstleistungen Geschäfte zu betreiben.

Prompt kritisierte Mike Milinkovich, Geschäftsführer der Eclipse Foundation, dass die Konferenz zu sehr auf Unternehmen fokussiert sei, die mit einer Kombination aus Closed- und Open-Source-Produkten und einer entsprechenden Dual-Licence-Strategie Geschäfte machen wollen. Es fehlten ihm die Unternehmen, die sich stärker an den Communities beteiligen. Beispielsweise im Umfeld der Apache Software Foundation oder der Eclipse Foundation lasse sich mit Open Source ebenfalls Geld verdienen.

Mittelsmänner für Software

Gemeinsam haben die vertretenen Open-Source-Firmen, dass sie fast ausschließlich über Systemintegratoren die Kunden erreichen wollen, da sie unter anderem die Kosten einer eigenen Vertriebsorganisation scheuen. So prägte Kim Polese, Chefin von Spikesource, in ihrer Keynote den Begriff "Open Source Systems Integrator" als Beispiel für den neuen Geschäftszweig, der zwischen Entwicklungsfirmen und Endkunden agiert - die "Intermediaries".

Als interessante Konferenzsession stellte sich "Pitching the CxO" heraus. Hier mussten die Unternehmen Zmanda, Alfresco und LucidEra ihr Produkt und ihr Geschäftsmodell mit einem kurzen Vortrag potenziellen Käufern (darunter der oberste Linux-Stratege der Bank of America) vorstellen und deren Fragen beantworten. Dabei steckten sie teilweise harsche Kritik ein, die zu Ernüchterung geführt haben dürfte.

Die Keynotes auf der OSBC konnten nur teilweise überzeugen. Der Harvard-Jurist Lawrence Lessig referierte mehr über die drohende Regulierung des Breitband-Internets in den USA als über Open Source. Und Mitch Kapor, Gründer von Lotus und jetzt President der Open Source Applications Foundation, brach eine Lanze für die offenen selbstregulierenden Eigenschaften von Wikipedia. Peter Graf, Executive Vice President Solution Marketing der SAP, stellte in seiner Keynote die Ideen hinter der Netweaver-Plattform vor. Interessanter waren seine Ausführungen, denen zufolge nur wenige Open-Source-Lösungen (Linux, Eclipse und Mozilla) die notwendige Reife hätten, die bevorstehende Konsolidierungswelle in der Softwarebranche zu überstehen. Andere seien noch nicht weit genug entwickelt und bei Anwendern zu wenig etabliert, um zu überleben.

Hier open - da closed

John Roberts, CEO von Sugar- CRM, stellte in einer Keynote seine Überlegungen bei der Gründung und Führung des Open-Source-CRM-Anbieters vor. So habe SugarCRM sich von Beginn an als Anbieter von "Commercial Open Source" gesehen und nie versucht, sich als etwas anderes auszugeben. Er wies auf die gewollte klare Trennung zwischen der SugarCRM-Open-Source-Community auf Sugarforge.net und dem kommerziellen Angebot der Firma SugarCRM hin. Sein Unternehmen unterstütze die Community finanziell, ohne beispielsweise im Gegenzug auf den Web-Seiten der Community für sein kommerzielles Angebot zu werben.

Der Kauf von Sleepycat durch Oracle sowie die Gerüchte um eine bevorstehende Übernahme von Jboss und Zend durch den Datenbankhersteller wurden zwischen den Vorträgen am häufigsten diskutiert. Schließlich erzählte der CEO von MySQL, Marten Mickos, von Oracles Versuch, sein Unternehmen zu kaufen. Er gab sich betont lässig: "Oracle versucht, einen Delphin umzubringen, indem es den Ozean leer trinkt." Doch Oracles Vorgehen dürfte auch in Uppsala für Unruhe gesorgt haben. Inzwischen ist bekannt geworden, dass auch die IBM schon mit einer Übernahme von Jboss liebäugelte, bevor sie sich für Gluecode entschied.

Doch die Open-Source-Unternehmen werden nicht nur von alten IT-Größen gefressen, sondern konsolidieren sich auch untereinander. Ein erstes Anzeichen: Spikesource, SugarCRM und MySQL offerieren ein gemeinsames Software- und Serviceangebot im CRM-Umfeld. Der Kunde erhält einen Software-Stack aus abgestimmten Open-Source-Komponenten und die Supportverträge aus einer Hand. Weitere Angebote zu Dokumenten-Management und Business Intelligence sollen in den nächsten Wochen folgen.

Bewegung in Redmond

Bill Hilf, Leiter der Linux und Open Source Technology Group bei Microsoft, ließ erkennen, dass Open Source inzwischen in Redmond doch einige Bewegung ausgelöst hat. Neben der bereits vor einigen Wochen mitgeteilten technischen Partnerschaft mit Jboss kündigte Hilf auf der OSBC auch eine technische Partnerschaft mit SugarCRM an. Zusätzlich wird SugarCRM künftig eine Version seines Produkts unter der Microsoft Community License herausgeben.

Open Source stehe inzwischen in den Entscheidungsebenen US-amerikanischer Unternehmen auf der Agenda, waren sich die vertretenen Firmen einig. Europa hinke hingegen um etwa ein Jahr hinterher. Gleichwohl kündigten die meisten Aussteller an, in den kommenden zwölf Monaten auch auf dieser Seite des großen Teichs stärker agieren zu wollen. (ls)