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08.05.2009

Open Text stürzt sich auf Vignette

Open Text kämpft verbissen um die Führung im ECM-Markt. Der Kauf des Konkurrenten Vignette für 310 Millionen Dollar soll dabei helfen. Doch massive Produktüberschneidungen stellen den Nutzen der Übernahme in Frage.

Mit knappen Worten hatten Manager von Open Text und Vignette die Übernahme kommentiert. So erklärte John Shackleton, President und Chief Executive Officer von Open Text, die Kombination der Angebote verbessere die eigene Position im ECM-Markt, da Vignette vor allem im Web-Content-Management (WCM) seine Stärken habe. Zudem gewinne man prominente Kunden hinzu. Der 310 Millionen Dollar teure Abschluss soll überwiegend in Bargeld, zu einem kleinen Teil in Aktien bezahlt werden. Stimmen Aktionäre und Börsenaufsicht zu, soll der Deal bereits in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen sein.

Analysten können die angeblichen Synergien überwiegend nicht erkennen. Open Text habe sich durch die Übernahme des WCM-Spezialisten Reddot Solutions und dessen Integration in die eigene Organisation bereits ein umfängliches Portfolio geschaffen und dieses im Oktober in einer "Web Solutions Suite" vereint, erinnert die Butler Group. Der Kauf von Vignette bringe trotz mancher Unterschiede im Detail derart viele Überschneidungen mit sich, dass eine Übernahme und Kombination der WCM-Produkte aus technischer Sicht keinen Sinn habe. Das gleiche Problem ergibt sich laut anderen Marktkennern bei Records-Management, Collaboration und der Verwaltung digitaler Medien (Digital-Asset- Management).

Die Butler-Analysten vermuten daher in erster Linie wirtschaftliche Motive hinter dem Deal. Open Text wolle damit den Umsatz und die Kundenbasis erhöhen. Der Anbieter mit Zentrale im kanadischen Waterloo hatte für das zweite Quartal 2009 trotz gestiegener Einnahmen mit Lizenzen, Support und Services einen heftigen Einbruch beim Nettoertrag von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal bekannt geben müssen. Aufsummiert ergab sich für das erste Halbjahr 2009 ein Minus bei den Nettoeinnahmen von 17 Prozent. Nach Ansicht des Experten Alan Perez-Shape von CMS Watch zielt Open Text nicht darauf ab, die Techniken beider Hersteller zu integrieren, sondern mit den vorhandenen Produkten möglichst lange Geld zu machen.

Wirtschaftliche und strategische Probleme plagen auch Vignette, das 2008 tiefrote Zahlen schrieb. Das Unternehmen aus Austin, Texas, hatte sich lange auf das Großkundengeschäft und den Aufbau mächtiger portalbasierender WCM- und E-Business-Lösungen konzentriert. In Fachkreisen galten Vignette-Projekte als komplex und aufwändig, was offenbar immer mehr Anwender abschreckte. Hinzu kamen offenbar Probleme bei der Produktentwicklung und im Support. Laut Insidern war das Management schon länger auf Käufersuche und soll beispielsweise Gespräche mit HewlettPackard geführt haben.

Einzelkämpfer Open Text

Nach Stellent (gekauft von Oracle) und Interwoven (gekauft von Autonomy) verliert mit Vignette einer der letzten internationalen ECM-Hersteller seine Unabhängigkeit. Open Text hingegen kann sich nach Meinung des ECM-Experten Ulrich Kampffmeyer mit der Übernahme noch einmal in die Oberliga zurückspielen und weiter mit EMC, IBM und Oracle konkurrieren. Allerdings sei Open Text der einziger reine Softwareanbieter unter den Großen und habe eigentlich keine Chance mehr, von einem größeren Anbieter übernommen zu werden: "Die setzen auf Durchmarsch."

Zweimal WCM

Die deutsche Reddot User Group, die Anwender der Open-Text-Produkte für Web-Content-Managment (WCM) vertritt, ist bislang nicht beunruhigt von der Ankündigung. Ihr Vorsitzender Dirk Langenheim kann sich sogar eine Vermarktung von Vignettes portalbasierender WCM-Plattform parallel zum bisherigen Angebot vorstellen, da sich die Produktansätze unterschieden: "Die Frage ist aber, ob sich die Entwicklung einer zweiten WCM-Produktlinie lohnt."