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06.02.2007

OpenOffice: Community statt Featuritis

Erwin Tenhumberg 
OpenOffice bemüht sich um ein schlankes und modulares Kernprodukt. Zusätzliche Features wie Kalender, Diagrammfunktionen und intelligente Textfelder verbessern den Komfort.

Sobald eine Software quelloffen verfügbar ist, gewinnt sie eine ganz eigene Dynamik. Die Community von OpenOffice.org treibt nun die Entwicklung beständig in eine sinnvolle Vielfalt von Formaten, Sprachversionen und nützlichen Erweiterungen voran. Das Projekt denkt dabei nicht nur an sich: Das OpenDocument-Format, das bereits vor einigen Monaten von ISO als Standard anerkannt wurde, soll eine Hersteller-, Plattform- und Produktunabhängigkeit für Office-Dokumente erreichen.

Daten und Fakten über OpenOffice.org

• Unterstützte Plattformen: Microsoft Windows, Linux, Sun Solaris OS, Mac OS X, FreeBSD

• Unterstützte Sprachen: derzeit zirka 100 verschiedene Lokalisierungsprojekte

• Preis: kostenloser Download sowie kommerzielle Varianten bzw. Distributionen

• Verbreitung: mehr als 80 Millionen Downloads, mehrere Millionen verteilte CDs (zum Beispiel in Indien)

• Große Installationen: Landeshauptstadt München, Stadt Wien, mehrere französische Ministerien, viele Schulen und Behörden in der Estremadura in Spanien etc.

• An der Entwicklung bisher beteiligte Unternehmen: Sun Microsystems, Novell, Red Hat, Intel, Google und andere.

Hier lesen Sie ...

• wie sich die Freigabe von Star Office als Open Source auf das Konzept der Software ausgewirkt hat;

• welche neuen Module für das Kernprodukt geplant sind;

• wie der Funktionsumfang von OpenOffice zukünftig erweitert wird;

• welche Hersteller und Open-Source-Projekte OpenOffice in ihre Software integrieren.

Radikale Umbrüche gibt es im Kernprojekt nur mehr selten, sie werden eher im Rahmen von separat installierbaren Erweiterungen oder unabhängigen Testprojekten (quasi temporäre "spin offs") ausprobiert. Die Schlagzahl der neuen Versionen hat sich allerdings erhöht. Alle sechs Monate kommt ein neues Release von OpenOffice.org. Die Zeiten der "Featuritis" sind jedoch vorbei. Der einzelne Anwender will eine einfache Software, die ihm Produktivität bringt. Der CIO legt Wert auf die Interoperabilität über den XML-Standard, um beispielsweise Daten leichter in das Frontend der User zu bringen. Die Entscheider in Unternehmen und vor allem in Regierungen und Behörden wollen Hersteller- und Produktunabhängigkeit, wie sie ODF bringt.

Mozilla als Vorbild

Während die Community danach strebt, OpenOffice.org im Kern zu vereinfachen, auf ODF auszurichten und zahlreiche Sprachversionen (derzeit über 100 Lokalisierungen) zu erzeugen, kommen dennoch neue Features dazu. Wie Mozilla Firefox und Mozilla Thunderbird erfolgreich zeigen, können über Erweiterungen ("Extensions") schnell neue Funktionen hinzugefügt werden. Der Benutzer hat dann die Wahl, ob er nur mit dem leichtgewichtigen Standardprodukt oder mit einem stark erweiterten Allround-Produkt arbeiten möchte, indem er einfach die gewünschten Erweiterungen hinzuinstalliert. Die neue Infrastruktur für Erweiterungen innerhalb von OpenOffice.org sowie das schnell wachsende Extension-Projekt auf OpenOffice.org werden sowohl das Ausprobieren von neuen Ideen als auch die Entwicklung von neuer Funktionalität deutlich beschleunigen.

Neuerungen für das Kernprodukt

OpenOffice.org hatte bisher keinen eigenen Mail- und Kalender-Client. Auf der Linux- und Unix-Seite lässt sich die Bürosuite zwar durch den Outlook-ähnlichen Groupware-Client "Evolution" ergänzen, aber für Windows gab es bisher dafür keine Entsprechung. Diese Lücke wird in Kürze "Mozilla Lightning" schließen. Es handelt sich dabei um eine Kalender-Erweiterung für das bekannte Mail-Frontend "Mozilla Thunderbird". Um die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kalender-Servern zu ermöglichen, unterstützt das neue Tool unterschiedlichste Protokolle und Standards wie zum Beispiel iCal, CalDAV und WCAP.

Eine weitere in Arbeit befindliche Verbesserung von OpenOffice.org ist die Diagrammfunktion. Diese wird innerhalb des OpenOffice.org-Projekts meist als "Chart2" bezeichnet. Es wird deutlich mehr Diagrammtypen zur Verfügung stellen, einfacher zu bedienen und vor allem besser zu erweitern sein. Ferner unterstützt OpenOffice.org seit Version 2.1 mehrere Monitore für Präsentationen und eine "Smart-Tag"-Funktion, quasi intelligente Textfelder. Darüber hinaus arbeiten die Entwickler an einer besseren Unterstützung für Makros, die in Microsofts "Visual Basic for Applications" geschrieben wurden. Damit sollte OpenOffice.org auch die Gunst von Anwendern gewinnen, die ihre Office-Anwendungen durch eigene Programmierung erweitern und anpassen möchten.

Die fortschreitende Modularisierung von OpenOffice.org hat zweierlei Folgen. Einerseits wird es für neue Entwickler immer einfacher, sich an dem Projekt zu beteiligen und neue Funktionalität hinzuzufügen. Andererseits können Teile des Office-Paketes leichter für völlig neue Lösungen wiederverwendet werden. Hierzu zählen zum Beispiel, dass Dokumente auf dem Server erzeugt und konvertiert oder innerhalb eines Browsers angezeigt werden können. Die Aufteilung in Komponentenerlaubt auch auf Anwendergruppen angepasste Benutzeroberflächen.

Integration freier Software

Die Open-Source-Entwicklergemeinde integriert darüber hinaus eine zunehmende Anzahl von Anwendungen mit OpenOffice.org. Hierzu zählen zum Beispiel der Mind-Map-Editor "FreeMind", das Desktop-Publishing-Programm "Scribus", das freie Statistikpaket "R" sowie "O3Spaces", das mit Microsoft Sharepoint vergleichbar ist und eine Zusammenarbeit an Dokumenten ermöglicht. Mobile Geräte wie etwa die Smartphones decken Anwendungen wie "Mobile Office" von Odendahl Sept-Solutions ab. Somit hilft das OpenDocument-Format, dass immer mehr Lösungen rund um OpenOffice.org entstehen. Um diesen Prozess zu unterstützen und zu beschleunigen, beginnt Sun Microsystems auf OpenOffice.org gerade ein neues Projekt zur Entwicklung eines ODF-Toolkits.

Zahlreiche Dateiformate

Insgesamt versucht OpenOffice .org, viele Dateiformate zu unterstützen, und konzentriert sich dabei vor allem auf offene Standards und Formate. Da OpenOffice.org unter anderem im schulischen und universitären Bereich sehr beliebt ist, hat die OpenOffice.org-Gemeinde eine Unterstützung für das im technischen Umfeld gerne verwendete TeX beziehungsweise LaTeX entwickelt. OpenOffice hat außerdem stetig die bereits seit Version 1.0 vorhandene PDF-Funktionalität erweitert. So bietet nun der Export zahlreiche Sicherheitsoptionen zur Verschlüsselung von PDF-Dateien. Auch die Unterstützung von HTML und verschiedenen MS-Office-Formaten wurde ständig verbessert. Ein wichtiger Trend dabei ist die Server-seitige, automatische Dokumentengenerierung.

Integration in Drittanwendungen

Aufgrund der zunehmenden Anzahl größerer Installationen von OpenOffice.org insbesondere im öffentlichen Bereich gibt es auch ein wachsendes Interesse von Softwareherstellern, OpenOffice.org als Alternative zu integrieren. So unterstützt zum Beispiel die Datev seit dem letzten Jahr OpenOffice.org und die kommerzielle Variante Star Office innerhalb ihrer Produkte. Insbesondere für die Märkte in Asien, Lateinamerika und Afrika ist es für viele Softwarehersteller wichtig, auch Open-Source-Alternativen wie OpenOffice.org zu unterstützen.

Die Weiterentwicklung des OpenDocument-Formats wird auch die Perspektive für die Open Office.org-Software beeinflussen, da der Standard von einer Vielzahl von unterschiedlichen Herstellern und Organisationen definiert wird. Die Version 1.2, die in Kürze vom technischen Komitee bei der Oasis fertig gestellt wird, bringt die bessere Unterstützung für Metadaten. So werden die verschiedenen ODF-Anwendungen wie zum Beispiel OpenOffice.org, Star Office, Google Docs & Spreadsheet, IBM Workplace, Corel Wordperfect und KOffice besser in automatisierte Abläufe integriert und mit anderen XML-Anwendungen verknüpft. (ws)