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18.07.2003 - 

Business Intelligence/Wo im Betriebsalltag die Probleme stecken

Operativer Alptraum Business Intelligence

Erst beim täglichen Einsatz und der Verwaltung von Produkten für Business Intelligence (BI) offenbaren sich die vielen Probleme, mit denen die IT zu kämpfen hat. Nachfolgend sind die wichtigsten von ihnen skizziert. Von Kai Noack*

BI-Projekte haben oft im Anfangsstadium großen Charme und viel Erfolg. Sobald sie aber in den operativen Betrieb übergehen, zeigen sich die Probleme. So bietet beispielsweise nahezu kein Hersteller eine Lösung, die vom Ladeprozess bis zum Endanwender alle Metadaten sichtbar macht und zentral speichert. Dieses Dilemma wird dann schmerzhaft, wenn eine Anzahl kleiner dezentraler BI-Projekte in den zentra-len Betrieb überführt werden müssen. Ebenso versagen in nahezu allen Praxisfällen die schnell zusammengeklickten Proof-of-Concept-Reports der Startup-Phase spätestens dann, wenn es gilt, den Echtbetrieb stabil aufrechtzuhalten. Dieser Aspekt wird in vielen Projekten übersehen, da der Glaube vorherrscht, dass ein BI-System ohne Administrator und Pflege jahrelang vor sich hinarbeitet und die Endanwender mit allen gewünschten Details versorgt.

Ein weiteres Problem ist die Verwaltung der überwiegend auf Abteilungsebene eingesetzten BI-Lösungen. Dieser lokale Ansatz wurde bisher bewusst von den Herstellern forciert, da sich zunächst kleine dezentrale Lösungen schneller (erfolgreich) implementieren und verkaufen lassen. Mittlerweile geht der Trend aber wieder in Richtung zentralisierte BI/Data-Warehousing-Lösung, die von der IT-Abteilung intern entwickelt und vertrieben wird. Mit dem zentraler Ansatz gewinnt aber auch das Dokumentieren der Metadaten und der Systemumgebung an Bedeutung. So sind Informationen über das gesamte BI-System zu vereinheitlichen - von den operativen Quellsystemen bis hin zum Desktop.

Konsolidierung von Insellösungen bereitet Probleme

Ferner muss geprüft werden, welche Felder in welchen Formaten in der Datenbank zur Verfügung stehen und was sie bedeuten, ob das ETL-Werkzeug zur Datentransformation überhaupt schon die Daten aus dem Backend-System bereitgestellt, und wann der letzte Ladevorgang stattgefunden hat. Ferner sind in den BI-Produkten die Informationen über verwendete Attribute, Berechnungen etc. zu prüfen, die Hardware gilt es auf ihre Leistung hin zu überwachen sowie Engpässe rechtzeitig zu erkennen, und Sicherheitsinformationen und Benutzerrechte sind ebenfalls zu verwalten.

In der Praxis zeigt sich somit die ganze Komplexität beim Aufbau und Betrieb einer BI-Anwendung. Entwickler und Administrator stehen dabei allein vor der Aufgabe, die zahlreichen Einzelinformationen zu sammeln und zu bewerten (siehe Kasten "Aus dem Leben eines Administrators"). Der Verwalter des Systems muss zum Beispiel verstehen, welche Ladeprozesse und wann Transformationen durchgelaufen sind und ob es Probleme gab. Andere Fragen betreffen die durchschnittlichen Erstellungszeiten von Cubes, ob sich diese überhaupt über Nacht generieren lassen, ob es möglich ist, täglich neue Daten zu veröffentlichen, und wie es um die Auslastung der Hardware steht. Und eine zentrale Auskunft bei Änderungen: Wie erkenne ich Abhängigkeiten, sprich: welche Tabellen und Attribute sind in welchem Report beziehungsweise in welchem Cube enthalten? Kann ich diesen Informationsfluss automatisieren?

Hinzu kommt, dass die meisten BI-Systeme nur eine eigene, proprietäre Sicherheitslösung haben. Daher liegen die Benutzer- und Anmeldeinformationen meist in verschiedenen Systemen vor - meistens bereits in Altsystemen, mit denen keine Integration möglich ist.

Mangelhafte Unterstützung bei der Benutzerverwaltung

BI-Anbieter schlagen als Lösung vor, diese Informationen zusätzlich zu Vor-, Alt- und Nebensystemen auch im BI-Modell abzulegen. Tatsächlich gibt es am Markt aber kein offenes System, welches Benutzerinformationen beliebig speichern kann, Rollenstrukturen verwaltet und auch noch die BI-Modelle damit beschickt.

Aber nicht nur der Administrator, sondern auch der weniger versierte Endanwender hat im täglichen Betrieb der BI-Lösung einigen Lernaufwand und Verständnisprobleme. Typische Fragen sind: Was bedeuten bestimmte Feldbezeichnungen im Bericht (zum Beispiel "Trägerkostenstelle"), was steht dazu im Glossar? Kann ich zu den Reports eigene Erläuterungen und weitere Berichte anhängen (zum Beispiel Upload aus Excel, Word, andere Dokumente)? Wen kann ich bei Fragen zur Bedienung oder bei Problemen ansprechen? Wo und wie kann ich Anregungen und weitere Berichtsanforderungen aufgeben? Haben mein Kollege in Singapur und ich die gleiche Datenbasis und Grundlage, wenn wir über bestimmte Kennzahlen sprechen?

Zusammengefasst ergeben sich somit eine ganze Reihe von Anforderungen, die beim täglichen Einsatz einer BI-Lösung abzudecken sind. Hierzu gehört die Betriebskontrolle, die eine Überwachung der Ladeprozesse, der Cube-Erzeugung, der Datenbank (in Bezug auf Größe und Verfügbarkeit) und der Speichergrößen beinhaltet sowie den automatischen Versand von Warnungen implementiert, falls Auffälligkeiten eintreten. Eine andere Aufgabe ist der Verwendungsnachweis, der eine umfassende Dokumentation erzeugt und klärt, welche Tabellenspalte in welchem Report und welchem Cube verwendet wird.

Weitere Anforderungen sind die Betriebsdokumentation/Glossar sowie eine Sicherheitsdokumentation, um etwa beim Wechsel des Frontends die Richtlinien einfach auf das Nachfolgesystem übertragen zu können. Wer also BI-Lösungen einsetzt und beim "Echtbetrieb" keine Alpträume fürchten will, muss die angerissenen Fragen ausführlich beantworten und sich um Lösungen mit entsprechendem Weitblick kümmern. Nur so wird der Einsatz von Business Intelligence wirklich erfolgreich und bleibt keine Floskel. (as)

*Kai Noack ist Gesellschafter der NOW Consulting Noack, Otto, Walde GmbH in Bremen und Vorsitzender der Cognos User Group e.V. (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Angeklickt

- BI-Lösungen werden in immer mehr Unternehmen eingesetzt, zeigen aber im operativen Betrieb ihre Tücken

- Die Verwaltung erfolgt zusehends zentral, und die IT-Abteilung übernimmt wieder die Führung bei der Entwicklung der BI-Lösungen.

- Die Dokumentation der Meta-Informationen über das gesamte BI-System wird sträflich vernachlässigt, obwohl sie das Fundament für eine funktionierende und wirtschaftliche BI-Lösung im Unternehmen bildet.

Abb :Hoffnungsträger BI-Plattform

Mit "BI Plattformen" wollen Hersteller nicht nur ihr eigenes Portfolio integrieren. Vielmehr soll die Verwaltung der einzelnen Werkzeuge für Business Intelligence über eine zentrale Konsole auch einfacher werden. Quelle: Forrester Research