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10.04.1981 - 

Dunkle Geschäfte im Zusammenhang mit Rockwell eigentliche Auslöser des Debakels:

OPM sieht harte Zeiten auf sich zukommen

MÜNCHEN- Ob OPM Leasing Services Inc., New York, weiterhin Schutz vor seinen Gläubigern unter Chapter 11 der amerikanischen Konkursordnung suchen oder das Handtuch werfen wird, wird der zum Monatswechsel März/April gewählte unabhängige "Trustee" wohl bis Ende April entschieden haben. Dies vermutet Moty Arieli, Chef der Londoner OPM-Schwestergesellschaft. Seinen Angaben zufolge wird der Vertrauensmann zunächst auch darüber zu befinden haben, ob er seine Arbeit mit Philip R. Ryan, dem erst unlängst ernannten OPM-Vorstandsmitglied, anpacken will.

Andere Vertreter der alten Führungsgarde stehen dem Trustee ohnehin nicht mehr zur Verfügung; denn am 19. März stellte auch Mordecai Weissman auf Druck von Gläubigerseite seinen Posten zur Verfügung, nachdem Vorstandskollege Myron S. Goodman bereits vorher retiriert war.

Im alten OPM-Vorstand, merkt Arieli dazu an, kontrollierte Weissman sämtliche Vertriebsaktivitäten; nur Sonderkunde Rockwell wurde von Goodman betreut. (Rockwell war, wie berichtet, der Leasingnehmer, den OPM mit mehr Computeranlagen beliefert zu haben vorgab als in Wirklichkeit, um auf dieser Basis ungerechtfertigt hohe Kredite zu erschleichen.)

Verluste der Kunden noch unbekannt

Auf 20 Millionen Dollar beziffert Arieli die Überfinanzierung des Rockwell DV-Equipments. Neben den institutionellen Geldgebern, die sich um diese Summe geprellt sähen, seien die OPM-Leasingkunden die weiteren Geschädigten, jedenfalls und insoweit sie auf die Kündbarkeit ihrer Vertrage gebaut hatten. Wie hoch der Gesamtschaden auf dieser Seite läge, wollte Arieli nicht sagen, da hier vieles von den Aktionen des Trustee abhänge.

Arieli zeigte sich von den Ereignissen in Amerika betrübt, und zwar sowohl im Rückblick wie auch im Ausblick. OPM, sagte er, sei ein erfolgreiches Unternehmen gewesen - drauf und dran, in den USA marktbeherrschend zu werden. In dieser Situation seien von dritter Seite Versuche gestartet worden, OPM den Makel illegalen Verhaltens anzuhängen. Zwar habe OPM den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft jedesmal standgehalten, dennoch habe es negative Auswirkungen auf das Leasingggeschäft gegeben.

Trotz allem habe OPM eine gute Marktposition halten können, bis es jetzt zu den Unregelmäßigkeiten im Geschäft mit Rockwell gekommen sei, für die es nach Arielis Meinung keine Entschuldigung gibt. Diese Machenschaften, unterstreicht Arieli, haben die Krise ausgelöst, nicht, wie vielfach angenommen, eine steigende Zahl vorzeitig gekündigter Leasingverträge. Diese seien erst die Folge der Rockwell-Vorgänge gewesen.

Wie unerwartet die Entwicklung bei OPM New York ihn traf, belegt Arieli mit dem Hinweis darauf, er sei gerade dabei gewesen, in London einen weiteren Vertriebsprofi einzustellen und in Amsterdam eine neue Niederlassung zu eröffnen. Daran sei jetzt nicht mehr zu denken; im Gegenteil: In den nächsten drei bis sechs Monaten "business in Europe will be hard". Aber - Arieli sagt es mit einem Anflug von Galgenhumor -: "Auf amerikanischen Cent-Münzen steht ,In God we trust', and that's what we do."

Drei Alternativen sieht Arieli für die Zukunft von OPM-Deutschland:

- Alleine weitermachen, kleiner und langsamer, aber profitabel; Unterstützung durch die jetzigen Leasingnehmer, die sich sehr kooperativ zeigten; Beibehalten oder Abänderung des Namens OPM unwichtig.

- Übernahme der Anteile von OPM-Deutschland durch eine andere Leasinggesellschaft oder eine Bank; dadurch gute Reputation für beide Seiten, guter Geschäftsgang und gute Kunden.

- Kein Neugeschäft, kein Support, daher Geschäftsaufgabe.

Keine Frage für Arieli, daß die dritte Alternative unattraktiv ist. Sie ist. jedoch auch nicht sehr wahrscheinlich. "Institutionen", so Arieli, "haben mit uns schon Kontakt aufgenommen, weil das Portfolio von OPM-Deutschland sauber ist und gute Kundenbeziehungen bestehen." Auch Karl-Heinz Kirstein, deutscher OPM-Spitzenmann, wird nicht von Sorgen geplagt: "Ich hatte in den letzten Tagen eine Masse Angebote, anderswo neu anzufangen".