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02.11.1984 - 

Heftige Kritik an Gebührenpolitik der Bundespost:

Optimistischer BVR stimmt sich auf Btx ein

KÖLN (CW) - "Die Informationstechnik wird um jährlich sieben bis acht Prozent in diesem Jahrzehnt In Deutschland wachsen." Dies stellte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Bernhard Schramm, in seiner Eröffnungsansprache zur Orgatechnik '84 in Köln fest. Gleichzeitig übte er auch Kritik an der Gebührenpolitik der Deutschen Bundespost. Der Erfolg von Bildschirmtext hänge wesentlich von den Kosten dieses Informationsdienstes für die Wirtschaft ab.

"Die Bundespost selbst bremst die Einführung der auf Dauer wichtigsten Technik im deutschen Bildschirmtext, des Rechnerverbundes, durch sybillinische Verlautbarungen über die zukünftige Datex-P-Gebühr", betonte Schramm. Es sei zu hoffen, daß die Post ihre Gebührenpolitik nochmals überdenke und bald größere Klarheit schaffe. Als reines Werbe- und Informationsmedium ohne Dialogmöglichkeiten werde sich Bildschirmtext bei Privatkunden nur sehr schwer durchsetzen.

Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, insbesondere der Banken seien in den nächsten Jahren wesentlich davon bestimmt ob es gelinge, die Möglichkeiten der Informationstechnik zu nutzen. Die neue Technik sei ein Instrument, das gleichberechtigt neben anderen strategischen Elementen wie etwa Geschäftskonditionen oder Qualität der Mitarbeiter stehen werde.

Es biete den Banken neue Chancen, die Service- und Beratungsqualität zu steigern, sprach Schramm die aktuelle Problematik der BVR-Mitglieder an. Gleichzeitig könnten alle Möglichkeiten zur Rationalisierung genutzt werden. Aus Sicht der Anwender käme es dabei aber nicht darauf an, in einen übertriebenen Modernismus zu verfallen. Es gelte, die Bereiche in Angriff zu nehmen, die unter wirtschaftlichen Maßstäben Leistungen und Verträge verbesserten. "Nicht das technisch Machbare, sondern das ökonomisch Sinnvolle muß Leitbild bleiben", unterstrich der Präsident des BVR. Engagement und Kompetenz bei der Bankautomation und Kundenselbstbedienung werde mehr und mehr zum Maßstab bei der Beurteilung von Leistungsfähigkeit und Modernität.

Die neuen Techniken im Banksektor bringen nach Ansicht Schramms für die einzelnen Kreditinstitutsgruppen unterschiedliche Belastungen. So würden beispielsweise die flächendeckenden Zweigstellennetze der Volksbanken und Raiffeisenbanken und der Sparkassen durch Bildschirmtext Konkurrenz durch filialarme und filiallose Institute bekommen. Ähnliches gelte für den Einsatz von Point of Sale (POS) - der bargeldlosen Zahlung an den Kassen von Handels- und Dienstleistungsunternehmen.

Da der Wunsch nach einem POS-System vom Einzelhandel bis auf wenige Ausnahmen als noch nicht dringend angesehen werde, sprach sich Schramm dafür aus, auf die sogenannte "Chipkarten-Technologie" zu warten. Während die bisherige Magnetstreifentechnik höchstens für große Handels- und Dienstleistungsunternehmen interessant sei, könnten sich auf Chipkartenbasis gerade die mittelländischen Unternehmen zu einem weit größeren Teil beteiligen. Damit könne vermieden werden, daß Unternehmen dieser Größenordnung noch weiter im Wettbewerb gegenüber den Großunternehmen benachteiligt würden.

Trotz der neuen Banktechniken wird es im Bereich der Kreditwirtschaft nach Ansicht Schramms nicht zu einem Abbau der Gesamtbeschäftigungszahl kommen. Zwar sei ein ähnlich hoher Personalzuwachs wie in den letzten Jahren künftig nicht mehr zu erwarten, insgesamt werde die Zahl der Beschäftigten bei den Banken nicht sinken, sondern eher weiter leicht steigen.

Der Produktivitätsfortschritt, gemessen am Geschäftsvolumen je Beschäftigten, werde sich verlangsamen. Es komme zu einer gewissen innerbetrieblichen Personalumschichtung, weg vom Bereich der technischen Abwicklung des Routinegeschäfts hin zu einer verstärkten Beschäftigung im beratungsintensiven Geschäft. Generell werde durch diesen Umschichtungsprozeß eine höhere Qualifikation gefragt sein, die die Mitarbeiter in entsprechenden Schulungen erwerben könnten. "Die Diskussion der Risiken und die Überbetonung der möglichen negativen Auswirkungen und Gefahren einer weiteren Rationalisierung und Technisierung gehen im Bankensektor an der Wirklichkeit vorbei", nannte der Präsident des BVR Bernhard Schramm als Fazit seiner Überlegungen zum Thema neue lnformationstechnik.