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08.03.1985 - 

Eine selektive Anlagepolitik bleibt weiterhin angebracht:

Optionsindikatoren spiegeln Optimismus wider

MÜNCHEN (aw) - Nach dem rasanten Aufschwung seit Beginn dieses Jahres verschnaufen die Weltbörsen jetzt. Die Markttechnik an Wall Street gibt kein klares Bild. Die Leerverkäufe der Börsenmitglieder notieren mit einem Anteil von 80,14 Prozent von den gesamten Leerverkäufen an der Kaufzone.

In der vergangenen Woche nahmen die Shorts an der New York Stock Exchange um 20 Prozent zu. Ein neuer Rekord. Dies zeigt wenig Pessimismus bei den Börsenmitgliedern (die in der Regel recht behalten), aber auch gehörige Skepsis bei den Börsenlaien. Diese Skeptiker sind jedoch die Käufer von morgen.

Auf der anderen Seite spiegeln die Optionsindikatoren (Put/Call-Ratio, Trade Level Puts, Trade Level Calls) zu viel Optimismus wider, als daß der Markt in nächster Zeit nachhaltig steigen könnte. Man muß sich immer wieder vor Augen halten, daß die Markttechnik Hinweise auf das Anlegerverhalten der Vergangenheit gibt.

Markttechnik: Hinweise auf Anlage verhalten

Zeigen Investoren zu viel Optimismus, kann man davon ausgehen, daß diese, da sie schon gekauft haben, für weitere Käufe nicht in Frage kommen. In diesem Fall können die Kurse nicht weiter steigen.

Bei starkem Pessimismus hingegen haben sich die meisten Anleger von ihren Wertpapieren getrennt. Neuer Verkaufsdruck kann nicht mehr entstehen, ein Börsentiefpunkt ist erreicht.

Widersprechen sich die verschiedenen Indikatoren, kann davon ausgegangen werden, daß Wall Street auf dem hohen Niveau konsolidiert. Eine Seitwärtsbewegung, ähnlich der des zweiten Halbjahres 1984, steht bevor.

Bei den High-Tech-Werten gab es einige herbe Enttäuschungen. IBM versetzte dem Markt am 1. Februar den ersten Stoß. Die Gewinnerwartung für das erste Quartal wurde revidiert. Eine Verbesserung der sehr guten Vorjahresergebnisse konnte nicht in Aussicht gestellt werden. Data General verkündete ebenfalls schlechtere Ergebnisse. Die Aktie fiel um nahezu 20 Prozent. Ebenfalls in Mitleidenschaft wurde DEC gezogen. Die Ankündigung, die Produktion der Rainbow-Serie einzufrieren, drückte die Kurse.

Diskussion um Rainbow druckte DEC-Kurse

Gute Ergebnisse konnte dagegen Texas Instruments vorweisen. 1984 wurde ein Reingewinn von 316 Millionen Dollar erzielt, was pro Aktie 13,04 Dollar ausmacht. Dies entspricht einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 10. Texas Instruments konnte bei wesentlich verbesserter Ertragslage den Umsatz um 25 Prozent auf nun 5,74 Milliarden Dollar steigern. Dabei wurde die Position als weltweit größter Halbleiterlieferant weiter ausgebaut.

Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung wurden um 20 Prozent auf 365 Millionen Dollar gesteigert. In 1985 wird jedoch mit einer anhaltenden Schwäche des Halbleitermarktes gerechnet. Umsatz und Gewinnmargen könnten dadurch gedrückt werden.

Auf den ersten Blick wirkt der Dollarrückgang für den deutschen Aktienmarkt und für Zinswerte positiv. Der Mittelrückfluß aus dem Dollarraum könnte dafür sorgen, daß Anleihen, Bankaktien und Konsumtitel freundlich tendieren. Es sollte jedoch nicht übersehen werden, daß der hohe Dollar das beste Konjunkturprogramm ist.

Auch auf heutiger Basis ist der Dollar immer noch so hoch, daß die Gewinnverbesserung bei Exportwerten höher ausfällt als bei allen inlandsabhängigen Titeln. Die Bundesbank hat keinerlei Zinssenkungsspielraum, so daß auch von dieser Seite keine neuen Argumente für einen wieder steigenden Dollar vorgebracht werden können. Fazit: Es ist besser, an preiswerten Exporttiteln festzuhalten, als jetzt zu sehr auf eine Zinssenkung zu hoffen und auf rein inlandsabhängige Titel umzusteigen. Eine selektive Anlagepolitik bleibt angebracht.

Die DeTeWe-Werte sprangen in Berlin auf 628 Mark. Diese Aktie sollte jetzt in Bergmann (450 Mark) getauscht werden. Bergmann gehört wie DeTeWe zur Siemens-Gruppe und ist im Vergleich zu anderen Nachrichtentechniktiteln niedrig bewertet. Handelsplatz Berlin.

Ebenfalls hochgeschnellt ist die Empfehlung der COMPUTERWOCHE Nummer 6/85, Drägerwerke. Die Vorzüge kletterten in der Spitze auf 284 Mark.

Aus einem jahrelangen Dornröschenschlaf erwachte die Wiener Börse. Interessanter Elektroniktitel ist hier die Philips-Tochter AKG Holding (930 österreichische Schillinge). Der Hersteller von Studioanlagen, Tonabnehmersystemen und Mikrophonen wurde 1984 an die Börse gebracht und erscheint weiter aussichtsreich. In Österreich werden die Aktien noch als Prozentnotiz gehandelt. Ordert ein Anleger 100 Prozent nominal, so erhält er "ein Stück" zu 251 Schillingen.

Die beste Performance im neuen Jahr bot die Börse Mailand. Der Index stieg in sechs Wochen um 27 Prozent. Fest ist auch Olivetti, die in D-Mark gerechnet von 7,80 Mark zum Jahreswechsel auf 9,70 Mark Anfang Februar stieg. Letzte Meldung zu Olivetti: Der italienische Konzern wird sich am britischen Minicomputerhersteller Acorn Computer im Rahmen einer Bezugsrechtsemission zu 49,3 Prozent beteiligen.

Starker Partner war für Acorn einzige Lösung

Dieser Anschluß an einen starken Partner war für Acorn der einzig gangbare Weg, um sich aus finanziellen Nöten zu befreien. Hohe Lagerhaltung, unglückliche Produktpolitik und sinkende Nachfrage an den Märkten hatten zu den Kalamitäten geführt. Durch den Anschluß an Olivetti hat Acorn die Möglichkeit der Präsenz auf nichtbritischen Märkten. Frühere Versuche, in den USA oder in der Bundesrepublik Fuß zu fassen, waren gescheitert.

Die Schwierigkeiten von Acorn sind symptomatisch für den Heimcomputermarkt. Nach Jahren hoher Umsatz- und Gewinnsteigerungen mußten sich die Hersteller auf einen schrumpfenden Markt in Großbritannien einstellen. Vor allem Sinclair und Commodore brachen in die Gefilde von Acorn ein.