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Schlagzeilenträchtige Ankündigungen vermitteln falsches Bild:

Optische Computer sind noch in weiter Ferne

06.02.1987

FRAMNGHAM (CWN) - In den Laboratorien wird heftig daran gearbeitet, aber die Produktionsreife ist noch in weiter Ferne. Gemeint ist optisches Rechnen, die Technik optisch geschalteter Computerchips. Das lockende Ziel sind massiv parallel arbeitende Supercomputer.

Die neueste Entwicklung auf diesem Gebiet markiert die Ankündigung des Physikers Desmond Smith und seiner Mitarbeiter an der Heriot-Watt-Universität in Schottland, es sei ihnen gelungen, Logikschaltungen auf optischer Basis zu verwirklichen. Das Ereignis wurde in den Medien als Durchbruch gefeiert, aber Experten im Feld des optischen Computing raten zu vorsichtiger Beurteilung. Sie vertreten die Ansicht, daß bis zur Realisierung eines eigenständigen optischen Rechners noch mindestens eine Dekade ins Land gehen wird und daß Smiths Projekt nur einen von vielen Wegen zum gleichen Ziel repräsentiert.

Aber Smiths Entwicklung konfrontiert die Forscher an renommierten Instituten mit dem Sachverhalt, daß in etwa zehn Jahren eine neue Technologie verfügbar sein wird. "Optical Computing ist eher eine Tendenz als ein fest umrissener Begriff", beobachtet John Caulfield, Direktor des Zentrums für angewandte Optik an der Universität von Alabama in Huntsville. "Einige der hellsten Köpfe in der ganzen Welt nehmen die Sache sehr ernst." Caulfield hat festgestellt, daß die Forscher in den USA, Europa, Japan und der Sowjetunion das Thema unter sehr unterschiedlichen Ansätzen angehen, wobei bisher noch niemand beweisen konnte, daß seine Technologie besser geeignet ist als die der anderen. Nach Caulfield liegen "grandiose Durchbrüche" noch 15 Jahre in der Zukunft. Spezialisierte Hybridsysteme seien jedoch schon viel früher zu erwarten; Caulfield sieht die ersten Entwürfe bereits in einigen Jahren in Produktion gehen.

Professionelle Analysten teilen diese Ansicht. Drew Peck vom Marktforschungsinstitut Gartner Group beispielsweise hielte es für einen "echten Durchbruch", wenn die Schaltkreise in Smiths Laboratorium rein optisch arbeiteten - ohne elektronische Bestandteile. Er teilte mit, andere Entwickler arbeiteten an elektronisch-optischen Hybridlösungen.

Einig waren sich die Beobachter darin, daß sich die Forscher mit weiteren Problemen konfrontiert sehen werden, wenn sie einst einmal arbeitsfähige Baugruppen verwirklicht haben werden. Caulfield meinte, viele Forschungsgruppen erachteten bei ihrer Arbeit Detailfragen als unwichtig, wie zum Beispiel Ausfallsicherheit. Solche "Nebensächlichkeiten" müßten aber erforscht sein, bevor eine Technologie reif sei für den kommerziellen Markt. Auch hänge noch viel davon ab, wie leicht und preiswert sich eine derartige Technologie in die Fertigungsphase einpassen ließe.

Vorläufig wird daher die optische Technologie noch ein Phänomen bleiben, das Universitäten und Forschungslabors beschäftigt. Bis zur kommerziellen Verwirklichung bleibt ein weiter Weg.