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26.03.1982 - 

Philips will Informationsflut der 80er Jahre mit neuen Speichermedien bewältigen:

Optische Speicherplatten packen Datenberge

SEGEN - Die derzeit auf dem Markt befindlichen Speichermedien gelten unter DV-Spezialisten - obwohl noch nicht allzu lange im Einsatz - bereits von ihrer Kapazität her als überfordert. Technologen sind daher schon wieder auf der Suche nach neuen Speichermedien, die eine noch höhere Dichte verkraften können als etwa die heutigen Magnetplattensysteme. Einen großen Schritt in die "Memory-Zukunft" machte die Philips Data Systems, als sie vor einiger Zeit den ersten optischen Plattenspeicher mit Diodenlaser präsentierte. Forschungs- und Entwicklungexperten aus den Siegener Labors berichten hier über ihre Erfahrungen.

Es ist kein Geheimnis, daß die Menschen im Büro unter dem Anwachsen der Informationsflut und dem ständigen Druck, in ihrem Wissensgebiet auf der Höhe der Zeit bleiben zu müssen, leiden. Auch sorgt man sich, ob bei nicht immer vollständigen Informationen die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit getroffen werden. Integrierte Informations- und Kommunikationssysteme sollen und können in den 80er Jahren eine wichtige Unterstützung des kreativen Potentials in unseren Unternehmungen und Verwaltungen sein. Unter solchen Kommunikationssystemen soll hier - ohne eine neue Definition einführen zu wollen - die Gesamtheit aller Elemente und Funktionen verstanden werden, die durch das Zusammenwachsen der Daten- und Textverarbeitung (bisher getrennter Kommunikationsfunktionen) und der unter Büroservice zu verstehenden Dienstleistungsfunktionen sowie der klassischen Nachrichtentechnik entstehen. Dabei kommt - sehr viel stärker noch als in der Vergangenheit - der Informationsspeicherung und -verwaltung steigende Bedeutung zu. Die derzeit auf dem Markt befindlichen Speichermedien sind überfordert.

An die neuen Speichermedien werden deshalb folgende Anforderungen gestellt:

- höhere Speicherkapazität als die heutigen Magnetplattensysteme;

- deutlich verbessertes Preis-/Leistungsverhältnis im Vergleich zu heutigen Massenspeichern;

- Archivfähigkeit des neuen Mediums;

- schneller und wahlfreier Direktzugriff.

Vor einiger Zeit stellte Philips den Prototyp des ersten optischen Plattenspeichers der Welt mit Diodenlaser vor. Das äußerst kompakte Speichergerät kann Daten mit hoher Dichte aufzeichnen und auslesen. Als Speichermedium dient eine rotierende, mit Rillen versehene doppelseitige Kunststoffplatte von 30 Zentimetern Durchmesser. Die Platte speichert eine Informationsmenge von 10¹º Bit, was dem Inhalt von rund einer halben Million maschinengeschriebener Textseiten entspricht. Sie ist damit den größten heute in Computersystemen arbeitenden Speichern mit Magnetplatten weit überlegen.

Begonnen hat die Forschung bereits im Jahre 1972. Seit damals wird bei Philips an optischen Aufzeichnungsmethoden gearbeitet. Das erste Ergebnis war die Video-Long-Play-Platte (VLP), die als Produkt bereits im Dezember 1978 auf dem amerikanischen Markt eingeführt wurde und deren Markteinführung in Europa unmittelbar bevorsteht.

Auf einer Platte 2,5 Tonnen Papier

Aufbauend auf dieser technologischen Grundlagenforschung wurden die Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel weitergeführt, diese Speichertechnologie auch im Bereich der Informationsverarbeitungssysteme einzusetzen. Das Ergebnis ist die optische Speicherplatte, auf der pro 12-Zoll-Einheit bereits jetzt 1,25 Milliarden Bytes gespeichert werden können. Das entspricht etwa 500 000 beschriebenen DIN-A4-Seiten - zirka 215 Tonnen Papier. Es ist möglich, mehrere dieser Platten in einem sogenannten Megadoc-System zu integrieren und im direkten Zugriff zu halten, so daß in einer solchen Wechselplatteneinheit etwa 60 Milliarden Zeichen gespeichert werden können. Auch kleinere Versionen der optischen Speicherplatte mit dann geringeren Speicherkapazitäten sind geplant.

Überschreiben noch am Reißbrett

Die optische Speicherplatte besteht aus einem transparenten und unzerbrechlichen Träger, auf dem eine dünne Speicherschicht aufgebracht ist. Die zu speichernden Informationen werden mit einem Laserstrahl in diese Speicherschicht eingebrannt und können beliebig oft gelesen oder aber für ungültig erklärt werden. Ein Überschreiben der Information - ähnlich wie beim heutigen Magnetplattenspeicher - ist aus technologischen Gründen noch nicht durchführbar. Leistungsfähige Datenbanksysteme werden es jedoch ermöglichen, geänderte, das heißt fortgeschriebene oder weiterentwickelte Informationen an einer anderen, wieder auffindbaren Stelle dieser Platte erneut zu schreiben. Damit konnten in einem gewissen Rahmen heutige Dateibearbeitungsmethoden realisiert werden.

Die Leistung der Philips-Forscher und -Entwickler wird an dem folgenden Beispiel besonders deutlich:

Aus einer vor etwa zehn Jahren zwanzig Meter großen Gaslaserapparatur wurde in der Zwischenzeit ein Halbleiterlaser in der Größe einer Streichholzschachtel entwickelt. Das war der eigentliche Durchbruch für die Verwendung dieser neuen Technologie in Verbindung mit zukünftigen Informationsverarbeitungssystemen.

Das Thema lautet "Zehnjahresplan". Deshalb hier einige Meilensteine der gesamten Zeitplanung:

- Derzeit sind fünf Vorserienmodelle im praktischen Einsatz in verschiedenen Forschungs- und Anwendungsprojekten.

- In 1982 und 1983 werden in der Bundesrepublik Deutschland fünf Pilotprojekte realisiert, um im Rahmen der Anwendererprobung des Gesamtsystems zusätzliche Hinweise für die Verbesserungsmöglichkeiten an den Benutzerschnittstellen und Peripheriegeräten zu erhalten. Bei den Partnern für die Pilotprojekte muß man ein hohes EDV-Know-how und die für eine solche Technologie notwendige Investitionsbereitschaft voraussetzen.

- Laufende Installationen geschlossener Kommunikationssysteme mit der optischen Speicherplatte als Informationsspeicherungs- und Auskunftssysteme sind ab 1984 einschließlich eines umfassenden Datenbanksystems geplant.

Hier nun einige kommerzielle Daten, die in einem solchen Kurzbericht nicht fehlen sollten

- Bis zum Beginn der Vorserie sind weit mehr als 100 Millionen Mark in dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt investiert worden.

- Momentan rechnet man bei Philips mit noch weiteren 50 bis 100 Mannjahren, um alle restlichen Softwareentwicklungen investieren zu können.

- Der voraussichtliche Preis des Datenträgers, der eigentlichen Speicherplatte also, wird in 1984 bei etwa 800 Mark liegen und ist damit den heutigen Magnetplattenpreisen für etwa 40 MB Speicherkapazität vergleichbar.

- Der Preis einer Lese-/Schreibstation wird 1984 voraussichtlich bei 250 000 bis 300 000 Mark liegen und sich im Laufe der Serienproduktion auf eine Größenordnung um 100 000 Mark reduzieren.

An einigen potentiellen Anwendungsbeispielen soll aufgezeigt werden, wie sich das neue Speichermedium einsetzen läßt, wobei heute noch nicht alle denkbaren Anwendungen übersehen werden können.

Kein Ersatz - aber Ergänzung

Großverlage wollen mit dem leistungsfähigen Massenmedium ihre bislang kaum automatisierbaren Archive völlig neu organisieren. In den Büroverwaltungen heutiger Großunternehmen wird die optische Speicherplatte die gesamte Briefkorrespondenz und Aktenbearbeitung revolutionieren. Banken, Versicherungen, Bausparkassen, Patentabteilungen, Entwicklungsabteilungen oder Großrechenzentren planen, enorme Datenmengen aus Archiven, Bibliotheken und Dokumentationen auf die optische Speicherplatte zu übernehmen. Im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung wird es möglich sein, mit Hilfe der optischen Speicherplatte Datenauswertungen durchzuführen, die bisher aus Kapazitätsgründen undenkbar waren. Weitere Anwendungen werden im Bereich medizinischer Datenbanken - bis hin zu Röntgenbildarchiven - und Rechtsdatenbanken liegen.

Der wohl wichtigste Einsatzschwerpunkt wird bei integrierten Informations- und Kommunikationssystemen für Wirtschaft und Verwaltung liegen, wobei darauf hingewiesen werden muß, daß mit der optischen Speicherplatte kein Ersatz der heutigen Speichermedien möglich ist, sondern daß sie eine wichtige Ergänzung darstellen wird.