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19.07.2007

Oracle 11g: Für Admins wird es leichter

Das neue Release der Datenbank kommt nicht mit aufsehenerregenden Techniksprüngen. Doch die zahlreichen Neuerungen "im Kleinen" versprechen dem Administrator eine deutliche Erleichterung seiner Arbeit.

Von CW-Redakteur Stefan Ueberhorst

Features im Überblick

Real Application Testing: Tools für den Aufbau einer Testumgebung zur Simulation von Produk-tionsbedingungen;

Data-Guard-Erweiterungen: Die Standby-Datenbank lässt sich auch für Reporting und Backup nutzen;

Partitioning erlaubt jetzt beliebige Kombina-tionen der Partitionierungsmethoden;

Oracle Total Recall: Für Change Tracking, Auditing und andere Aufgaben steht die komplette Historie einer Tabelle zur Verfügung;

Flashback Transaction zur Suche und Behebung fehlerhafter Transaktionen;

Paralleles Backup und Restore zur Performance-Steigerung in großen Datenbankumgebungen;

Hot Patching erfordert kein Abschalten der Datenbank;

Oracle Fast Files speichert Large Objects ähnlich schnell wie ein Dateisystem;

Tranparent Encryption erlaubt Verschlüsselung auf Tablespace-Ebene;

Embedded Olap-Cubes lassen sich mit SQL und der Performace einer Olap-Engine abfragen;

Query Result Cache: Performance-Steigerung durch die Ablage von Ergebnissen für häufige und immer gleiche Abfragen im Cache.

Fazit

Wann kann man bei einem Major-Release-Wechsel von einem Technologiesprung reden? Bei IBM war das einfach: Dort wurde bei DB2 Viper die native XML-Unterstützung als vorrangiges Highlight gefeiert, das der Datenbank völlig neue Einsatzgebiete erschließen sollte. Im Fall Oracle ist das offensichtlich schwieriger. Die einen empfanden den Wechsel von Version 8 auf 9i als Techniksprung, die anderen den von 9i auf 10g. Zu 11g will sich noch niemand so recht äußern, denn die eine, alles überragende Neuerung gibt es offensichtlich nicht. Stattdessen konzentrieren sich die Verbesserungen überwiegend auf den Praxisalltag des Admi-nistrators, was die Anwender sicher freuen dürfte. Vielleicht liegt darin das Geheimnis, seine Klientel zu einer schnellen Migration zu bewegen.

Während Themen wie Web 2.0, Software as a Service und Open Source die Schlagzeilen beherrschen, rückt geschäftskritische Infrastruktursoftware, insbesondere Datenbanken, immer mehr als Commodity-Technik in den Hintergrund. Völlig zu Unrecht meinen die Marktforscher von IDC, deren Prognosen in diesem Jahr von neun Prozent Mehrausgaben in diesem Bereich ausgehen, ein größeres Budget-Plus, als es in jeder anderen Softwarekategorie geplant ist.

Kaum Vorabinformationen

In dieses "verschlafene" IT-Segment platzte Oracle vergangene Woche in New York mit der Vorstellung der 11g-Version seiner Datenbank. Dabei hat der Hersteller gezeigt, dass er etwas von effektvollen Produktankündigungen versteht: Während IBMs "Viper" für Linux, Unix und Windows (DB2 LUW) Mitte vergangenen Jahres eher auf leisen Sohlen daherkam, und Microsoft mit seinen Community Technology Previews (CTPs) die technischen Highlights unter anderem des SQL Server 2008 lange vor einer Freigabe veröffentlicht, schwieg sich Oracle zu den neuen 11g-Features bis zum New Yorker Event beharrlich aus. Kleine Appetithäppchen gab es, so zum Beispiel von Oracles Technikchef Mark Townsend, der viele der neuen Funktionen unter dem Sammelbegriff "Change Assurance" zusammenfasste. Damit gemeint sind Features, die es dem Administrator erleichtern, die Datenbank auf neue Hardware zu migrieren oder die Konfiguration zu ändern.

Zum Marktführer gekrönt

Auch zeitlich war die 11g-Präsentation geschickt gewählt: Erst kurz zuvor hatte Gartner seine Zahlen für den weltweiten Datenbankmarkt 2006 veröffentlicht und die dort erzielte Umsatzsteigerung mit 14,2 Prozent auf insgesamt 15,2 Milliarden Dollar beziffert. Oracle wird knapp die Hälfte des Marktanteils (47,1 Prozent) zugeschrieben mehr als das Doppelte im Vergleich zur zweitplatzierten IBM (21,1 Prozent).

Gestärkt mit solchen Zahlen übernahm Oracle-President Charles Phillips die Präsentation des 11g-Release, das nach rund vier Jahren Version 10g ablösen soll. Besser, schneller und billiger sei die Datenbank, 1800 Entwickler hätten an über 400 neuen Features gearbeitet, die sowohl die Standardaufgaben der Administration erleichtern als auch neue Anwendungsbereiche erschließen. Genau das wird laut Phillips dazu beitragen, dass viele der weltweit 275 000 Datenbankkunden von Oracle das neue Release relativ schnell annehmen werden. Kritiker hatten im Vorfeld des 11g-Events geäußert, dass der Bedarf an einer neuen Datenbankversion gering sei und die Migrationswelle deshalb eher flach und schleichend ausfallen dürfte.

Die wichtigen Neuerungen

Den klassischen Oracle-Anwender dürften einige Neuerungen besonders interessieren. Der Her-steller hat nach eigenen Angaben viel Arbeit in die Erleichterung der Systemverwaltung gesteckt, so etwa in Mechanismen, die ein schnelleres und somit günstigeres Ausrollen von Datenbankanwendungen ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist das Feature "Real Application Testing", das den Aufbau einer Testumgebung und die Simulation realer Produktionsbedingungen erlaubt. Ein typischer Testzyklus für eine Datenbankapplikation soll sich damit von rund 150 Tagen auf etwa elf Tage reduzieren lassen.

Ferner kommt 11g mit verbesserten Partitionierungs- und Kompressionsfähigkeiten, was sich den Marketiers zufolge kostensenkend im Bereich Information-Lifecycle- und Storage-Management auswirkt. Wichtig hier sind vor allem die neu eingeführten Partitionierungsdefinitionen "Interval", "Reference" und "Virtual Column", die bisherige, zum Teil aufwändige Handarbeit ersetzen, sowie die Möglichkeit, die Parti-tionierungsmethoden Range, Hash und List ohne Restriktionen miteinander zu kombinieren.

Als "Oracle Total Recall" bezeichnet der Hersteller den Umstand, dass Administratoren in ausgewählten Tabellen nach Datenveränderungen suchen können, ohne dass eine solche Rückverfolgung wie etwa beim "Flashback" einer zeitlichen Limitierung unterliegt. Flashback selbst bietet jetzt die Möglichkeit, fehlerhafte sowie davon abhängige Transaktionen zu isolieren und auf schnellem Weg rückgängig zu machen. Unter dem Begriff "maximale Verfügbarkeit" summiert Oracle auch das zeitsparende parallele Backup und Restore sehr großer Datenbanken. "Hot Patching" erlaube es, Patches aufzuspielen, ohne die Datenbank herunterfahren zu müssen Kritiker bezweifeln allerdings, dass dies bei einer Online-Datenbank derzeit funktioniert.

Ein weiteres Highlight kommt mit der erweiterten "Data-Guard"-Option, die bislang nur den Aufbau eines Standby-Servers erlaubte, der permanent von der Produktivdatenbank aktualisiert wurde. Ohne weitere Einsatzfunktionen bot Data Guard bislang jedoch wenig Anreiz, dafür eine eigene Lizenz zu erwerben. Das soll sich ändern, denn nun ist es laut Oracle mit Data Guard auch möglich, Reports und Backups zu fahren, Tests vorzunehmen und Updates auf das Produktivsystem zu spielen.

Messen statt schätzen

Äußerst nützlich erscheint auch das neu eingeführte "SQL Plan Management". Hier geht es um die Ausführungspläne für SQL-Abfragen, die sich dynamisch ändern können. Bislang schätzte ein "Optimizer" im Vorfeld ab, welcher der Ausführungspläne der kostengünstigste ist. Diese theoretische Berechnung erwies sich in der Praxis jedoch öfter als falsch, der empfohlene Ausführungsplan war teurer als ein zuvor verwendeter. SQL Plan Management bietet nun die Möglichkeit, dass Ausführungspläne etwa in einem nächtlichen Batch-Lauf hinsichtlich ihrer effektiven Kosten validiert werden können.

Umfassende Verschlüsselung

Schließlich sei noch das Feature "Transparent Encryption" erwähnt, mit dem der Hersteller dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis seiner Anwender Rechnung tragen will. Es erlaubt die Verschlüsselung nicht mehr nur wie bisher auf Spaltenebene, sondern über einen gesamten Tablespace, also über komplette Tabellen, Indizes und andere Speicherbereiche.

Bei vielen anderen 11g-Neuerungen handelt es sich meist um Detailverbesserungen wie etwa in der Applikationsentwicklung. Die von Oracle auf 11g abgestimmten Tools umfassen Client Side Caching, binäres XML und XML-Processing. Außerdem ist ein neuer Java-JIT-Compiler enthalten, der Java-Datenbankprozeduren schneller als bisher ausführt und deshalb den Rückgriff auf Produkte von Drittanbietern überflüssig machen soll. Es gibt eine native Integration mit Visual Studio 2005 von Microsoft zur Entwicklung von .NET-Applikationen für die Datenbank. Der SQL Developer soll ein schnelles Coding von SQL- und PL/SQL-Routinen erlauben.

Content und Analyse

Auf seine Kosten kommt auch, wer Oracle zur Speicherung unstrukturierter Daten oder im Bereich Data Warehousing einsetzt. So ist die Performance von "Oracle Fast Files", die Speicherfunktion für Large Objects (LOBs) wie Bilder, Dokumente oder XML-Dateien, nun mit der eines Dateisystems vergleichbar. Die integrierte XML DB zur nativen Speicherung und Manipulation von XML-Daten ist laut Hersteller ebenfalls schneller geworden. Und mit "Embedded Olap Cubes" sehen Entwickler die Datenwürfel wie Tabellen, auf denen sie SQL-Abfragen vornehmen können, ohne dabei auf die Leistung der Olap-Engine verzichten zu müssen.

Oracle-Kenner und 11g-Betatester Christian Antognini, Principal Consultant Partner bei der Trivadis AG in Glattbrugg/Zürich, ist insgesamt zufrieden mit der neuen Datenbankversion. Neben einigen komplett neuen Features sei eine Reihe der in Version 10g vorhandenen Restriktionen abgebaut worden. Den Aufwand für manuelle Tätigkeiten habe Oracle an mehreren Stellen durch Automatismen reduziert. Der Berater befürchtet jedoch, dass einige der vorgestellten Features in der produktionsreifen Version nicht auftauchen werden.

Auch Torsten Schlautmann, ebenfalls Betatester und Bereichsleiter bei Opitz Consulting in Gummersbach, ist von 11g positiv beeindruckt. Er schätzt die vielen Detailverbesserungen, die zwar nicht für jeden Anwender gleichermaßen wichtig sind, aber für jeden sei etwas dabei. Insbesondere die neuen Funk-tionen im Bereich Real Appli-cation Testing beurteilt er als wichtigen Schritt zur Unterstützung der Anwender bei Migrationen und Architekturänderungen.

An der Paketierung der Datenbank wird sich aller Voraussicht nach nicht viel ändern. Geplant ist eine kostenlose "Express Edition" für Entwickler, eine "Standard Edition One" für Einstiegs-Server, eine "Standard Edition" für den Midrange-Bereich sowie eine "Enterprise Edition". Zu-mindest für die Komponenten der Kerndatenbank sollen sich die Preise nicht ändern. Wann diese allerdings für Unix, Windows und den Mainframe marktreif zur Verfügung stehen, dazu mochte sich Oracle bislang nicht äußern. Fest steht nur, dass die Linux-Version im August kommt. Dann gibt es auch detaillierte Preisangaben etwa darüber, ob einige der neuen Features nur für gesonderte Lizenzgebühren zu haben sind.