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25.09.1998 - 

Ellison: "Client-Server ist tot."

Oracle attackiert NT mit neuer Internet-Datenbank

"Oracle ist nicht mehr nur eine Datenbank, sondern ein Internet-Betriebssystem", tönte der Software-Milliardär anläßlich der weltweiten Vorstellung von Oracle 8i. Offenbar ist dem Chef des weltweit größten Datenbankherstellers klar geworden, daß nach dem Markteinstieg von Microsoft mit dem SQL Server 7 (Auslieferung wahrscheinlich noch 1998) die Preise für herkömmliche Datenbankprodukte im Enterprise-Geschäft ein für allemal verdorben sein werden. Deshalb versuchte Ellison, die neue Entwicklung als Pioniertat zu verkaufen, die das Datenbankgeschäft auf eine neue Entwicklungsstufe hebt.

Eine speziell für das Internet entwickelte Version 8i, die noch bis vor kurzem "Oracle 8.1" hieß, soll dem Softwarehaus neuen Auftrieb geben und gleichzeitig seiner rund zwei Jahre alten Idee des "Network Computing" zum längst prophezeiten Durchbruch verhelfen. Wie bereits 1996 will Ellison die Dominanz von Microsoft brechen - diesmal nicht mit einer Alternative zum PC, sondern mit einer direkten Attacke gegen Windows NT.

Oracle sieht sich als Software-Anbieter, der das Network-Computing in Unternehmen sowohl mit betriebswirtschaftlichen Applikationen als auch mit einer modernisierten Datenbankarchitektur einführen will. "Client-Server ist tot", behauptet Ellison und scheint vergessen zu haben, daß sich Oracle in diesem Geschäft jahrelang eine goldene Nase verdiente. "Das Internet wird Client-Server den Garaus bereiten", tönt der Topmanager weiter. Nach einer durch die IBM dominierten Mainframe-Ära und einer Client-Server-Epoche unter der "Diktatur Microsofts" beginne nun die "letzte DV-Generation" der Computergeschichte, so Ellison wörtlich: das Internet.

Wichtigster Vertreter des zu überwindenden Client-Server-Zeitalters ist für Ellison Microsoft. Doch nicht dem SQL Server, an dem die Microsoft-Programmierer seit Monaten mit Hocheifer stricken, sagt der Manager den Kampf an. Oracle 8i richte sich gegen Windows NT, das gegenwärtig jeglichen Fortschritt in der IT-Branche lähme. Die "irrationale Distribution an Komplexität", erklärt Ellison, die zu Zehntausenden von vernetzten NT-Servern führe, sei einfach absurd. Der immense finanzielle Aufwand sowie die Zeit, die allein mit dem Support der dezentralisierten NT-Rechner verbunden sei, könnten wesentlich besser genutzt werden. Auch die bis dato praktizierte Vorgehensweise heutiger Unternehmen, Datenbanken auf mehrere unterschiedliche Rechner zu verteilen - eine Methoden die außer Microsoft mit SQL Server auch Oracle mit seinen Datenbanken bis heute favorisierte - sei "ein kolossaler Fehler".

Für Ellison lautet die Konsequenz, bestehende Windows-NT-Umgebungen durch zentralisierte Systeme mit Oracle 8i als Softwarebasis auszutauschen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich der Hersteller bei der Entwicklung von 8i weniger um die Verbesserung oder Erweiterung klassischer Datenbank-Features bemüht. Wichtig war neben neuen Internet-Features (siehe CW 38/98, Seite 16) in erster Linie die Integration eines eigenen Dateisystems.

Waren bislang Betriebssysteme wie Windows NT oder Novells Netware für das Datei-Handling in Oracle-Datenbankumgebungen zuständig, soll mit Oracle 8i das in Java programmierte Dateisystem Internet File System (IFS) aus dem eigenen Hause derartige Aufgaben übernehmen. Konkret lassen sich mit 8i, so Ellison weiter, nahezu sämtliche Datentypen - ob in Text-, Video-, Grafik- oder anderen Formaten - mittels eines sogenannten "Parser" in der Datenbank zentral verwalten. Die integrierten Informationen könnten in einem gewöhnlichen Browser abgerufen und bearbeitet werden. Diese Idee ist nicht neu, sie scheiterte aber bislang an Performance-Grenzen der Datenbanken. IFS sticht Ellison zufolge bestehende Dateisysteme moderner Betriebssysteme nicht unbedingt in puncto Funktionalität aus, macht aber den Anwender vom File-System des Betriebssystems unabhängig.

Unterdessen hat Microsoft den Braten aus dem Thin-Client-Lager gerochen: Auf einer Veranstaltung in Las Vegas führte die Gates-Company mit "Storage+" eine Technologie vor, die auf standardmäßigen Application Programming Interfaces (APIs) wie OLE DB aufbaut. Sie vereinfacht die Entwicklung von Anwendungen, die - ähnlich wie Oracles Modell - die Einbindung von Daten aus unterschiedlichen Quellen erlauben. Der Unterschied zu Oracles Ansatz: Während Microsofts Konzept Windows NT zwingend zugrundelegt, unterstützt Oracles Dateisystem sämtliche Betriebssysteme.

Features von Oracle 8i

- Integrierte Java Virtual Machine (JVM).

- Internet File System (IFS) als neue Art der Datenverwaltung für strukturierte und unstrukturierte beziehungsweise relationale und nicht-relationale Daten. IFS unterstützt laut Oracle rund 160 Dateitypen.

- Entwicklungsumgebung Web-DB für den Aufbau dynamischer Web-Seiten.

- Intermedia für die Verarbeitung von Bild-, Audio- und Videodaten sowie Texte. Zusätzliche Dateierweiterungen lassen sich via Application Programming Interface (API) von Drittanbietern hinzufügen.

- Java-basierter XML-Parser, der die Einbindung externer Dateien ermöglicht.

- Unterstützung für SQLJ, Enterprise Java beans 1.0 sowie Corba 2.0.

Abb: Nach einem heftigen Rutsch im Dezember 1997 und monatelangem Abwärtstrend konnte sich Oracles Anteilschein im September 1998 erholen.