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11.07.2003 - 

Erweiterungen für neue E-Business-Suite 11i.9

Oracle bekennt sich zu Linux und Intel

Oracle hat auf seiner Hausmesse Appsworld ein ungewöhnlich klares Bekenntnis zu Linux abgelegt. Neben dem Open-Source-Betriebssystem spielten Ergänzungen zum anstehenden Release 11i.9 der E-Business-Suite eine wesentliche Rolle. Von Jan Schulze*

Auf der Appsworld in London stand neben der geplanten Übernahme des Konkurrenten Peoplesoft das Thema IT-Kostenreduzierung im Vordergrund. Das auffälligste Symbol für budgetschonende IT war das Linux-Maskottchen Tux. Der omnipräsente Pinguin ließ keinen Zweifel aufkommen: Oracle setzt voll auf Linux als Betriebssystem und preiswerte Intel-Hardware. In seiner Keynote brachte Oracle-Chef Lawrence Ellison die Festlegung auf Linux mit einem Seitenhieb Richtung Microsoft auf den Punkt: "Linux ist wesentlich schneller und sehr viel sicherer als Windows."

Doch auch die Unix-Fraktion kam kaum besser weg. Interne Benchmarks mit 251 simultanen Anwendern hätten ergeben, dass ein Zwei-Wege-Server auf Intel/Linux-Basis bessere Leistungen erbringe als ein Unix-System mit zwei Risc-Prozessoren. Die Kosten für die Hardware fielen laut Oracle beim Intel-System drastisch niedriger aus. Ellison sprach dann auch eine klare Hardwareempfehlung für die Kunden aus: Zwei-Wege-Intel-Server seien im Mid-Tier-Einsatz und für Datenbanken moderater Größe optimal. Durch Clustering und ähnliche Techniken sollen die Oracle-Kunden Workloads bewältigen, die einen einzelnen Lowend-Server überfordern.

Um diese Marschrichtung zu bestätigen, hat Oracle auf der Appsworld angekündigt, in Kürze ein Migrations-Tool für die hauseigene E-Business-Suite bereitzustellen, das den Kunden den Umstieg auf Linux erleichtern soll. "Ziel ist es, unter Linux schnell dieselbe Codebasis zu etablieren, wie sie auf der aktuellen Plattform vorhanden ist", fasst Cliff Godwin, Senior Vice President Applications Technology, den Ansatz zusammen. Denn aus Sicht Oracles ist das Problem beim Umstieg von Unix oder Windows auf Linux der aktuelle Softwarestand der Applikationen: Eingespielte Patches und Updates ergeben bei jedem Anwender eine individuelle Konfiguration mit teilweise divergierendem Code. Liebäugelt ein Unternehmen nun damit, die ERP-Applikationen unter Linux zu betreiben, müssten dort auch alle Patches eingespielt werden, die auf den bisherigen Systemen zu finden sind.

Tool wertet Patch-Historie aus

Mit dem "Linux Platform Migration Utility" soll diese Hürde beseitigt werden. Der größte Teil des Programmcodes kann laut Godwin einfach von der ursprünglichen Plattform auf die Linux-Server kopiert werden. Ein Teil der Software müsse neu für die spezielle Situation beim Anwender gebaut werden. Dazu sammelt das Migrationswerkzeug die Patch-Historie ein, die in der dem System zugrunde liegenden Datenbank gespeichert wird. Diese Historie enthalte genaue Informationen darüber, welche Dateien auf den Ursprungs-Servern installiert seien, erläutert Godwin. Die Angaben werden dann von dem Linux-Migrations-Tool an ein Patch-Management-System bei Oracle geschickt, das daraus einen individuellen, an das Kundensystem angepassten Patch fertigt. Der lässt sich vom Anwender über das Internet laden und installieren. Dadurch könne sich ein Kunde die mühsame Arbeit ersparen, alle notwendigen Updates manuell und einzeln zusammenzusuchen und zu installieren.

Ob das starke Linux-Engagement Früchte trägt, bleibt abzuwarten. Bislang beziffert der Hersteller die Zahl der Linux-Anwender, die ihre Oracle-Applikationen auf dem offenen Betriebssystem betreiben, auf rund 700. Dabei bewertet Rüdiger Spies, Vice President Enterprise Applications der Meta Group, die Linux-Strategie von Oracle als durchaus schlüssig. Die Hauptmotivation sieht Spies auf der Kostenseite: Wenn der Anteil der Kosten für Hardware und Betriebssystem bei einem Projekt sinke, sei es für den Applikationshersteller wesentlich einfacher, seine eigene Marge zu halten.

"Natürlich möchte Oracle auch Microsoft etwas das Wasser abgraben", sieht der Marktbeobachter einen weiteren Grund für Ellisons Linux-Strategie. Besonders "Unbreakable Linux" (siehe Kasten), das von Oracle propagierte Linux auf Basis der verbreiteten Red-Hat-Distribution, hat das Interesse des Analysten geweckt. Er schätzt den darauf basierenden "Real Application Server" (RAS) als interessant ein, weil es Oracle hier gelingt, Teile des Betriebssystems in die Datenbank zu integrieren. In diesem Szenario werden für Spies Hardware und Betriebssystem Commodity-Produkte: "Das schießt eindeutig gegen Microsoft, wird aber auch die Unix-Hersteller treffen."

Linux entdeckt Applikations-Server

Mit der auf der Appsworld verbreiteten Botschaft, sämtliche E-Business-Suite-Kunden sollten auf Linux umsteigen, mag sich der Analyst jedoch nicht anfreunden - schon alleine, weil ein erheblicher Teil der Datenbanken des Herstellers unter Windows betrieben werde. Seine Marktprognose für das Open-Source-System fällt dennoch optimistisch aus: Hatte Linux im vergangenen Jahr bei neu installierten Midrange-Applikations-Servern aller Hersteller noch einen Anteil von 5,3 Prozent, erwartet die Meta Group für 2003 einen Anstieg auf neun bis zehn Prozent. "Wenn dieser Trend anhält, könnten in zwei bis drei Jahren knapp die Hälfte aller neu installierten Applikations-Server im Midrange-Segment unter Linux laufen", spekuliert Spies. Für ihn rückt eine zweigeteilte IT-Welt - hier Windows, dort Linux - in den Bereich des Möglichen. Unix-Systeme sieht Spies künftig eher als Nischenprodukte mit einem Anteil von rund fünf Prozent.

Neben dem Linux-Migrations-Tool wurden auf der Appsworld noch einige weitere Produkte angekündigt, die meist Erweiterungen bestehender Funktionen darstellen. So gab zum Beispiel Ron Wohl, Executive Vice President des Unternehmens, bekannt, dass das neueste Release der E-Business-Suite in wenigen Wochen zur Verfügung stehen werde. Dem Hersteller zufolge wird es rund 2000 neue Features enthalten, die je zur Hälfte horizontale und vertikale Marktanforderungen erfüllen sollen. Details zu neuen Funktionen und Merkmalen der Version 11i.9 wurden noch nicht erwähnt. Allerdings stimmte auch Wohl in das allgemeine Kosten-Mantra ein und kündigte an, sie werde in Sachen Installation, Upgrade und Betrieb die niedrigsten Kosten aller 11i-Versionen verursachen. So versprach er, dass im Vergleich zu 11i.8 ein Upgrade nur halb so viele manuelle Schritte erfordere.

Weitere Ankündigungen betrafen funktionale Erweiterungen der E-Business-Suite. So sind nun drei Anwendungen zur Collaboration und eine Ergänzung des Product-Lifecycle-Management-Moduls verfügbar. Für eine bessere Zusammenarbeit in verteilten Projekten können die Anwender künftig auf "Project Management", "Project Collaboration" und "Project Intelligence" zurückgreifen. Während die Project-Management-Anwendung in erster Linie die Projektleiter bei der Planung unterstützen soll, richtet sich das Collaboration-Tool an das ganze Team: Oracle will damit den Informationsaustausch in Projektgruppen fördern. Die Intelligence-Lösung wird laut der Ankündigung unter anderem Projektanalysen und -metriken ermöglichen.

Produktdaten zentral vorhalten

Manager Wohl zufolge bildet die neue Version der Enterprise Suite eine Plattform für Oracles "Daily Business Intelligence" (BI), Version 5. Mit der Integration von BI-Funktionen versucht Oracle, seinen Kunden eine Alternative zu Spezialanbietern aus dem BI-Bereich zu bieten. Da die Lösung Daten für Analysen auf Basis der bestehenden Oracle-Datenbank verarbeitet und kein separates Data Warehouse aufgebaut werden muss, verspricht Oracle eine deutliche Kostenersparnis.

Mit dem erweiterten Product-Lifecycle-Management führt Oracle als Neuerung den "Advanced Product Catalog" ein - ein Tool, das alle Produktdaten zentralisiert im Unternehmen vorhalten soll. Der Hersteller verspricht seinen Kunden dadurch geringere Kosten sowie verbesserte Möglichkeiten in der Produktentwicklung. Zudem soll der zentrale Katalog allen Anwendungen der E-Business-Suite, die Produktinformationen benötigen, als Datenbank dienen.

Applikationsgeschäft ohne Biss

Außerdem kündigte Oracle die "Special Edition" für kleine Unternehmen mit maximal 25 Mitarbeitern an. Das vorkonfigurierte Applikationspaket, das Basisanforderungen der Firmen abdeckt, soll zu einem Fixpreis angeboten werden, der laut Oracle Vice President Sergio Giacoletto niedriger sein wird "als die monatliche Telefonrechnung seiner Tochter".

Insgesamt fielen die Ankündigungen der Konferenz nach Einschätzung von Spies relativ "unspektakulär" aus. Der Analyst attestiert Oracle eine fehlende Begeisterung für das Applikationsgeschäft. Zudem sei es im ERP-Umfeld inzwischen Standard geworden, regelmäßig Erweiterungen des Produktportfolios zu präsentieren: "Die Suiten wachsen, es sind jedoch meist nur graduelle Erweiterungen und keine grundsätzlich neuen Technologien oder Ansätze", kritisiert Spies die Gepflogenheit der gesamten Branche. (pg)

*Jan Schulze ist freier Journalist in Erding.

Unbreakable Linux

Die Linux-Bemühungen von Oracle sind eng an die beiden dominierenden Distributionen United Linux und Red Hat geknüpft. Die im vergangenen Jahr gestartete "Unbreakable Linux"-Initiave von Dell, Oracle und Red Hat hat zum Ziel, Linux auf Intel-Plattformen für den unternehmenskritischen Einsatz fit zu machen. Das Herzstück bilden der Red Hat Linux Advanced Server und das Cluster-Modell "Real Application Server" (RAS) von Oracle. Auf der diesjährigen CeBIT kündigte Oracle an, auch United Linux, eine gemeinsame Entwicklung der Linux-Distributoren Suse, Turbolinux, Conectiva und SCO, zu unterstützen. Im Rahmen der Initiative übernimmt Oracle unter anderem den Support für die zertifizierten Linux-Versionen, auf denen die Produkte des Herstellers betrieben werden.