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27.06.2003 - 

Kartellbehörden sind aufmerksam geworden

Oracle beruhigt Peoplesoft-Kunden

MÜNCHEN (CW) - Im Übernahmepoker zwischen Oracle und Peoplesoft hat der Datenbankanbieter erwartungsgemäß sein Angebot nachgebessert. Genauso vorhersehbar lehnte das Board of Directors von Peoplesoft auch diese Offerte ab. Inzwischen schlägt Oracle-Boss Larry Ellison gegenüber den Peoplesoft-Kunden moderatere Töne an.

Mit dem Versprechen, Peoplesoft-Produkte über Jahre zu pflegen und niemanden zur Migration auf die eigene E-Business-Suite zu zwingen, reagierte Ellison auf die heftige Kritik, die ihm angesichts seiner unverblümt geäußerten Absichten entgegengeschlagen war. Der Oracle-Chef hatte noch zu Beginn der Übernahmeschlacht erklärt, dass Peoplesoft-Anwendungen die Fusion auf Dauer nicht überstehen würden und Anwender auf Oracles E-Business-Suite verpflichtet werden sollten.

Die Warnungen des Peoplesoft-Managements, Oracle wolle die Kunden zur Migration zwingen, bezeichnete man bei Oracle als Lügen und Einschüchterungstaktik. Sein Unternehmen würde nicht 6,3 Milliarden Dollar für diese Kunden ausgeben, um sie anschließend zu verprellen, erklärte Executive Vice President Chuck Phillips. Er revidierte damit eine anders lautende Ankündigung von Oracle-CEO Ellison, die etliche der rund 5100 Peoplesoft-Kunden beunruhigt hatte.

Hart gegen Peoplesoft und JDE

Phillips gab gleichzeitig bekannt, es habe Diskussionen mit einigen IT-Firmen gegeben, Services und Tools für Migrationsprojekte zusammenzustellen. Zwar sei sich der Executive Vice President bewusst, dass die Beratungsgebühren für solche Projekte bereits ein Vielfaches des Softwarepreises betragen könnten. Oracle sei jedoch bemüht, den Migrationsaufwand etwa auf dem Niveau eines größeren Peoplesoft-Release-Wechsels zu halten.

Hat Ellison gegenüber den Kunden offensichtlich Kreide gefressen, blieb er gegenüber dem Management von Peoplesoft und J.D. Edwards hart. Eine Klage der beiden Firmen gegen Oracle, die die feindliche Übernahme verhindern helfen soll, parierte der Datenbankanbieter mit Gegenklagen. Das sei "die Antwort auf die gemeinsamen Bemühungen (von JDE und Peoplesoft, Anm. d. Red.), Peoplesoft-Aktionäre daran zu hindern, Oracles freundliches Übernahmeangebot anzunehmen".

Zudem reagierte Ellison auf Kritik aus der Branche - und natürlich von Peoplesoft -, wonach das ursprüngliche Angebot von 16 Dollar pro Peoplesoft-Aktie viel zu niedrig sei. Mittlerweile liegt eine Offerte über 19,5 Dollar vor. Damit erhöht sich der Wert der feindlichen Übernahme von 5,1 auf 6,3 Milliarden Dollar. Postwendend hat allerdings der Peoplesoft-Verwaltungsrat (Board of Directors) auch diese neuerliche Offerte zurückgewiesen. Bis Redaktionsschluss pendelte der Kurs der Peoplesoft-Anteile um 17,65 Dollar.

Peoplesoft hatte schon zuvor sein Kaufangebot für JDE modifiziert. Der ursprüngliche, am 2. Juni 2003 vorgelegte Vorschlag sah die Zahlung von 1,75 Milliarden Dollar ausschließlich via Aktientausch vor. Pro JDE-Aktie sollten deren Halter 0,86 Peoplesoft-Anteile bekommen. Nun ist Peoplesoft bereit, die Hälfte des Kaufpreises (863 Millionen Dollar) in bar zu entrichten.

Über diese aktienrechtliche Volte umgehen Peoplesoft und JDE die Zustimmung ihrer Aktionäre zur Fusion. Beide Unternehmen erhoffen sich auf diese Weise eine schnellere Abwicklung der Transaktion.

Kartellrechtliche Spitzengespräche

Derweil könnte Oracles Übernahmebegehren noch von einer anderen Seite torpediert werden: Vertreter verschiedener Justizminister von US-Bundesstaaten (unter anderem Texas und Kalifornien) wollen sich zu Beratungen zusammenfinden, um die kartellrechtliche Problematik einer Fusion Oracle/Peoplesoft zu erörtern. Der Justizminister von Connecticut, Richard Blumenthal, hatte bereits vergangene Woche eine Kartellrechtsklage gegen Oracle eingereicht. Blumenthal will damit die feindliche Übernahme stoppen.

Die Initiative zeige, schreibt das "Wall Street Journal", dass Behörden von US-Bundesstaaten - die in einigen Fällen Peoplesoft-Kunden sind - der Angelegenheit hohe Aufmerksamkeit schenkten.

Der Justizminister von Texas, Greg Abbott, hat bei dem Vorstoß der Bundesstaaten offensichtlich eine Vorreiterposition eingenommen. Er kommentierte die Situation mit den Worten: "Wir merken immer dann auf, wenn der Wettbewerb bedroht ist und wenn Kunden, seien dies Privatpersonen oder Unternehmen oder Behörden, Gefahr laufen, höhere Preise für ein bestimmtes Produkt zahlen zu müssen."

Justizminister Blumenthal sagte, er erwarte "intensive und bedeutungsvolle Antitrust-Überlegungen der Bundesstaaten bezüglich der Übernahme von Peoplesoft durch Oracle". Oracle selbst hatte die Möglichkeit von Antitrust-Verfahren immer heruntergespielt. (jm)