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17.06.1994

Oracle-Datenbank stellt Anwender vor Probleme Client-Server-Flop bringt Europcar ins Schwitzen

MUENCHEN (jm) - Eine der groessten Client-Server-Installationen weltweit unter Projektverantwortung des Outsourcing-Anbieters Perot Systems ist ins Gerede gekommen: Die Europcar International S.A. hatte im Fruehjahr dieses Jahres rund 3000 Anwender europaweit an ihre Sequent-Rechner in der Pariser Zentrale angeschlossen. Seitdem ging bei 1600 Mitarbeitern in Deutschland fast nichts mehr.

Zu erheblichen Lastproblemen bei den intern als "Greenway"-System bezeichneten Unix-Servern kam es, als am 15. April 1994 alle deutschen Niederlassungen an die zu einem Cluster zusammengeschlossenen zwei Multiprozessor-Maschinen der Sequent- Linie "Symmetry 2000" andockten. "Da brach eine Welt zusammen", formulierte ein Europcar-Mitarbeiter in Hamburg drastisch. Genau eine Woche spaeter musste das alte, auf einem IBM-Host und Nixdorf- 8860-Rechnern basierende Counter-System reaktiviert werden.

Die Crux lag laut Robert Verasdonck, Europcars Top-DV- Verantwortlichem in Villepinte bei Paris, vor allem bei der Oracle-Datenbank. Hier sei es zu Problemen bei der Zuordnung von Speicherplatz gekommen: "Bis zu den ersten 2000 Anwendern, die auf den Cluster-Server zugriffen, war das Antwortzeitverhalten noch linear", erklaert der Hollaender. Als sich jedoch mehr Mitarbeiter mit Transaktionsjobs zuschalteten, ging das System in die Knie. Erklaerung: Die Oracle-Datenbank weist neu einkommenden Transaktionen bestimmte Speichersegmente zu. Sind diese fuer neue Jobs nicht gross genug, muss das Datenbanksystem den Speicher erheblich umorganisieren.

Ein Wettkampf mit der Zeit, den das Zentralsystem denn auch prompt in dem Moment verlor, als das Personal aus Deutschland ans Netz ging.

Bei Oracle bestreitet man die Probleme nicht. Uwe Ritter, Leiter des Technischen Marketings bei der Oracle Deutschland GmbH, macht jedoch indirekt den Systemintegrator Perot Systems verantwortlich. Meist resultierten naemlich die Probleme der Speicherverwaltung und -allokierung aus einer nicht optimalen Feinabstimmung des Gesamtsystems. Erhebliches Systemverstaendnis, so Ritter, sei vonnoeten, um ein Client-Server-System der Groessenordnung von Villepinte zu tunen. Gesamtprojekt-Verantwortlicher fuer das Europcar-System ist Perot Systems in Heathrow, England, der zu den Problemen keinen Kommentar abgeben wollte.

Perot schloss mit dem Autoverleiher einen Zehnjahresvertrag, der insgesamt 440 Millionen Dollar schwer ist. Darin verpflichtete sich der Dienstleister laut Andre Marbler, Geschaeftsfuehrer der deutschen Europcar-Tochter, die gesamte Hard- und Software zu stellen. Darueber hinaus tragen sie im kommenden Jahrzehnt alle Kosten fuer die Nutzung oeffentlicher Kommunikationsleitungen.

Verasdonck hat mittlerweile einen dritten Sequent-Rechner in den Testbetrieb genommen. Ausserdem tauschte der Hollaender die Symmetry-2000- gegen leistungsstaerkere Symmetry-5000-Modelle und baute den Arbeitsspeicher erheblich aus.

Europcar-Chef Marbler beziffert den Schaden bei Europcar auf rund zwei Millionen Mark. Er dementiert damit einen Bericht der "Bild"- Zeitung, wonach Perot 770 Millionen Mark in den Sand gesetzt haben soll.