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21.06.1991 - 

200-Millionen-Dollar-Beteiligung angestrebt

Oracle erhält Finanzspritze von japanischem Stahlkonzern

MÜNCHEN (CW) - Die Nippon Steel Corp., Tokio, wird sich voraussichtlich noch in diesem Sommer durch den Erwerb von Stamm- und Vorzugsaktien im Wert von insgesamt 200 Millionen Dollar an der Oracle Systems Corps., Redwood/Kalifornien, beteiligen. Kommt das Geschäft zustande, so gehen fast zehn Prozent des US-Datenbankherstellers in die Hände des japanische Konzerns über.

Der Stahlriese will außerdem mit 49 Prozent in eine Holding einsteigen, die gemeinsam mit Oracle Japan gegründet werden soll. Wie der Informationsdienst "vwd" mitteilt, plant das japanische Unternehmen, fünf Millionen Dollar in diese neue Tochtergesellschaft, die Nihon Oracle KK, zu investieren, deren Mehrheit (51 Prozent) die japanische Oracle-Niederlassung halten würde.

Für die Oracle Corp., die nach einer wirtschaftlichen Flaute bei einem aus 13 Banken bestehenden internationalen Konsortium tief in der Kreide steht, käme der Zusammenschluß mit einem finanzkräftigen Partner wie Nippon Steel sehr gelegen. Der Großteil des Geldes wurde für die Tilgung der Schulden benötigt, die vom englischen Branchendienst "Computergram" auf mehr als 160 Millionen Dollar beziffert werden.

Darüber hinaus könnte Oracle seine Präsenz am japanischen Markt deutlich verbessern: Dort generiert das Unternehmen derzeit nämlich nicht mehr als ein Prozent seines Umsatzes.

Nippon Steel wird nach Informationen der CW-Schwesterpublikation "Infoworld" bei Vertragsabschluß die Vertriebsrechte für sämtliche Oracle-Produkte in Japan erhalten. Das Unternehmen, dessen jährlicher Umsatz sich auf 19,3 Milliarden Dollar beläuft, lebt nicht nur vom Stahl: Die Japaner betreiben ebenfalls ein Systemintegrations-Geschäft, in dem derzeit mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Künftig soll diese Tochtergesellschaft, deren Geschäftsvolumen von "Computergram" auf etwa 740 Millionen Dollar geschätzt wird, eng mit der japanischen Oracle-Niederlassung zusammenarbeiten.

Anwender des Datenbanksystems sehen die amerikanische japanische Kooperation mit Wohlwollen, scheint doch die finanzielle Stabilität des Datenbankherstellers auf diese Weise wiederhergestellt werden zu können. Dazu Tony Ziemba, Vorsitzender der New Yorker Oracle User Group, gegenüber der amerikanischen "Computerworld": "Wir wollen die Sicherheit haben, daß Oracle auch in Zukunft für uns da sein wird und daß die finanzielle Situation dem Unternehmen weiterhin gestattet, seine Produktentwicklungs-Pläne fortzusetzen und den Kundenservice zu verbessern."

Oracle war im letzten Herbst ins Gerede gekommen, nachdem im ersten Finanzquartal der Aktienwert von 28 auf sechs Dollar gefallen war und das Unternehmen einen Verlust von 36 Millionen Dollar hinnehmen mußte.

Zu Beginn dieses Jahres war der Cash-flow so weit geschrumpft, daß die 970-Millionen-Dollar-Company im Januar nicht mehr als 50 Millionen Dollar cash zur Verfügung hatte. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt noch Rechnungen übe insgesamt 300 Millionen Dollar offen, von denen Oracle inzwischen einen Teil als uneinbringbar abgeschrieben hat.

Die Banken reagierten angesichts dieser kritischen Geschäftslage, die nach Analystenmeinung auf Mißmanagement und ein fehlerhaftes Berichtswesen zurückzuführen ist, zuletzt reichlich nervös - so zumindest berichtet die "Computerworld". Inzwischen hat sich der Datenbankhersteller aber wieder leidlich erholt: Der Aktienwert liegt stabil bei zehn Dollar, und zum März dieses Jahres verzeichnete Oracle einen Cash-Flow von 72 Millionen Dollar.