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09.08.2005 - 

Kolumne

Oracle geht in die Vertikalen

Als Oracle das auf den Handel fokussierte Softwarehaus Retek der SAP vor der Nase wegschnappte haben sich die Analysten noch gefragt, was Larry Ellison mit dem Unternehmen vorhat. Als sich der Datenbankspezialist kurze Zeit später die ebenfalls auf den Handel spezialisierte Profit Logic einverleibte, war klar, auf welchem Kurs Ellison steuert: Nach den Übernahmen der eher horizontal ausgerichteten ERP-Anbieter J.D. Edwards und Peoplesoft will Oracle jetzt offenbar die vertikale Achse verstärken. Dazu passt auch die geplante Übernahme der indischen i-Flex (siehe Seite 1). Das Unternehmen, ursprünglich als preiswerte Softwareschmiede der Citygroup gegründet, ist heute mit über 570 Kunden, 5500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 262 Millionen Dollar ein profitabler Bankenspezialist reinsten Wassers. Neben individuellen Lösungen bietet i-Flex ein Core-Banking-System namens "Flexcube" an.

Oracles Interesse am Bankenmarkt kommt nicht von ungefähr. Noch setzen die meisten Banken in ihrem Kerngeschäft Individuallösungen ein. Die sind oft noch in Cobol oder sogar Assembler geschrieben und nicht selten 20 Jahre alt und älter. Sie gelten als nur noch sehr schwer zu pflegen und zu warten. Weiterentwicklungen geraten nicht selten zu Abenteuern mit schwer kalkulierbarem Ausgang. Branchenexperten gehen deshalb davon aus, dass sich die Banken - so wie sie es bei der kaufmännischen Software schon getan haben - auch in ihren Kernapplikationen Richtung Standard bewegen werden. Wann und in welchem Zeitraum das passiert, kann aber niemand genau vorhersagen. Allerdings rechnen Beobachter nicht mit einem Erdrutschszenario, sondern mit einer kontinuierlichen Entwicklung.

Noch ist dieses viel versprechende Marktsegment recht zersplittert. In Deutschland beispielsweise ist die Kordoba GmbH mit etwa 60 Kunden Marktführerin im Bereich Core-Banking-Systeme. Und obwohl sich auch die SAP inzwischen im Retail-Banking zusammen mit der Postbank engagiert, steht der Bankenmarkt noch am Anfang seiner Entwicklung.

Von daher stehen Oracles Chancen im Bankensektor sicher nicht schlecht. Die Frage stellt sich allerdings, ob die vielen Zukäufe der vergangenen zwölf Monate zu einer zu starken Selbstbeschäftigung führen - zumal President Charles Phillips noch mehr davon angedroht hat. Die Integration von vier Unternehmen ist sicher kein Pappenstiel. Auch wenn bei Retek oder i-Flex die Produkte nicht so integriert werden müssen, wie das bei J.D.Edwards und Peoplesoft der Fall ist.

Diese Kolumne finden Sie auch im Blog der CW unter http://blog.computerwoche.de. Dort können Sie Ihre Meinung abgeben und sofort veröffentlichen. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.