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21.08.1998 - 

Thema der Woche

Oracle im Urteil der Meta Group

CW: Steckt Oracle in einer existentiellen Krise?

Leamus: Oracle steht vor einigen Problemen, aber langfristig befindet sich das Unternehmen auf dem richtigen Weg. Daß sie jetzt Schwierigkeiten bekommen, überrascht nicht. Mit Datenbanken ist weniger Geld zu verdienen, sie entwickeln sich zu Commodity-Produkten.

CW: Welchen Einfluß hat Microsoft mit dem SQL Server auf Oracles Geschäft?

Leamus: Microsoft zielt auf den Low-end-Markt, und der wird für die Anbieter immer wichtiger. Windows NT und SQL Server werden mittelfristig zu einer vernünftigen Alternative zur traditionellen Unix- und Oracle-Welt.

Gegenwärtig ist der Unix-Markt von Shake-up und Preiserosion gekennzeichnet, weil erwartet wird, daß Microsoft eine wichtigere Position einnimmt als bisher. Heute ist der SQL Server mit den High-end-Datenbanken der Konkurrenz nicht vergleichbar, aber mit Version 7 wird sich das ändern. Und der Preis wird viel niedriger sein.

CW: Hat sich in den Unternehmen das Kaufverhalten verändert?

Leamus: Es werden immer weniger neue Datenbankanwendungen selbstentwickelt. Wenn Firmen Standardsoftware wie die von SAP kaufen, beziehen sie die Datenbank sozusagen embedded mit. Sie halten Kontakt zum Applikationsanbieter, nicht aber zum Datenbanklieferanten. Das verringert für Firmen wie Oracle die Möglichkeit, mit Lizenzen und Services Geschäft zu machen.

CW: Welchen Ausweg gibt es für die Datenbankanbieter?

Leamus: Hersteller wie Informix und Sybase konzentrieren sich auf zusätzliche Produkte und Märkte. Sie haben nicht die Größe und den Marktanteil, um gegen Oracle im Datenbankgeschäft zu bestehen. Damit wird Oracle über kurz oder lang zum alleinigen Standard im Unix-Markt - allerdings bei sinkenden Erlösen.

CW: Ist Oracle im Applikations- und Servicegeschäft gut genug positioniert, um Einbußen im Datenbanksegment auszugleichen?

Leamus: Die installierte Basis im Datenbankumfeld gibt dem Unternehmen eine gute Ausgangsposition. Obwohl sie etablierte Wettbewerber im Applikationsmarkt haben, können sie eine wichtige Rolle spielen. Sie werden hier nicht die Nummer eins, aber sie könnten eine größere Umsatzquelle erschließen.

Die Einnahmen sollten hier trotz einiger Schwierigkeiten, die das Jahr 2000 betreffen, allmählich steigen - wahrscheinlich nach der Jahrtausendwende. Allerdings gibt es Handicaps: Besonders im Finanzsegment hinkt Oracle funktional hinter SAP, Baan und Peoplesoft her. Das Produkt wird aber langsam besser, und allein mit der installierten Basis an Anwendungen hat Oracle die Chance, weiter zu wachsen.

CW: Wie ist die Perspektive im Servicemarkt?

Leamus: Auch dieser Markt entwickelt sich besser. High-end-Datenbanken und Anwendungen erzeugen Bedarf an Services. Nur wenige Firmen sind wirklich imstande, solche Dienstleistungen anzubieten. Oracle baut diese Kapazitäten aus und hat gute Chancen, hier Gewinne zu erzielen. Der Hersteller wird künftig einen Produktmix anbieten und versuchen, eher service- als lizenzorientiert zu agieren.

CW: Das klingt positiver, als es die gegenwärtige Verfassung des Datenbankmarktführers vermuten läßt ...

Leamus: Zunächst wird die Krise noch andauern. Wir glauben, die Oracle-Aktie wird sich bis zum Jahr 2000 relativ schleppend entwickeln. Das Umsatzwachstum dürfte sich im Vergleich zur Geschichte des Unternehmens weiter verlangsamen.

Skeptisch sind wir auch, was die dritte Produktlinie angeht, die Middleware. Dieser Markt wächst weltweit sehr stark. Oracle hat versucht, sich mit der Network Computing Architecture entsprechend zu positionieren. Doch bisher sind zu wenige Produkte da, Oracle hinkt seinem Fahrplan hinterher. Wir sehen den Hersteller hier keine wichtige Rolle spielen - und das ist ungünstig. Firmen wie Bea, IBM oder auch Sybase sind da viel besser positioniert, wenngleich Sybase andere Probleme hat.

CW: Wie sieht Ihre Bilanz für Oracle unter dem Strich aus?

Leamus: Die Schwäche von Oracle kam für uns nicht überraschend - im Gegenteil, sie ist erwartet worden. Das hängt mit dem Abklingen des Datenbankgeschäfts insgesamt zusammen. Es wird vorerst auch nicht besser werden. Oracle weiß das und verfolgt die Strategie eines ausgewogeneren Produktportfolios.

Das Paradox: Je schwieriger das Datenbank-Business wird, desto besser für Oracle, denn die Konkurrenten Sybase und Informix sind auf diese Umsätze viel stärker angewiesen.

Was der Hersteller richtig macht, ist, das Produktangebot in Richtung Services zu bewegen. Sie wissen, daß sie ihren hohen Level bei Lizenzkosten auf Dauer nicht halten können. Microsoft wird Oracle zwar bei den Lizenzkosten unterbieten, aber in puncto Services wird es schwer, Oracle anzugreifen.

Außerdem wird auch Microsoft noch Probleme mit Windows NT und SQL Server bekommen. Vielleicht kann Oracle das ausnutzen. Aufgrund der starken Präsenz im Datenbankmarkt wird Oracle auch im Geschäft mit Anwendungssoftware eine stabile Position als dritt- oder viertgrößter Anbieter behalten.

CW: SAP, Baan und Peoplesoft haben sich das Front-office-Geschäft vorgenommen. Ist Oracle hier wettbewerbsfähig?

Leamus: Wir glauben, daß sie hier weit hinter ihrem Zeitplan herhängen. Oracle spielt im Applikationsgeschäft die Rolle eines Herstellers, der den Anschluß sucht. Der Markt ist von SAP, Peoplesoft und Baan definiert worden. Oracle versucht aufzuholen, ist hier also kein Innovator.