Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.08.2001 - 

Kunden kritisieren Herstellerstrategie

Oracle kämpft mit Problemen bei 11i

MÜNCHEN (CW) - Oracle-Boss Larry Ellison will seiner Software-Division mit dem Unternehmenspaket "11i" ordentlich Dampf machen. Doch viele seiner Aussagen haben sich als Marketing-Blasen erwiesen. Anwender schimpfen über Probleme bei der Migration und protestieren gegen die Ankündigung Oracles, den Support für die Vorgängerversion 10.7 einzustellen, um die Kunden zum Kauf von 11i zu drängen.

Der Applications-Bereich von Oracle läuft nach einem Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ) längst nicht so reibungslos, wie Larry Ellison sich das wünscht. Die vollmundige Ankündigung, Anwender könnten mit der Unternehmens-Suite 11i alle Belange innerhalb der Firma verwalten, von der Lagerhaltung bis zur Gehaltsabrechnung, scheint bei den Kunden noch nicht angekommen zu sein.

Ellisons Behauptung, in den vergangenen zwölf Monaten 450 große Kunden gewonnen zu haben, die 11i bereits als Unternehmenslösung einsetzen, lässt sich laut dem Bericht nicht halten. Vielmehr implementieren die meisten Firmen die Oracle-Lösung vorerst in einem eng begrenzten Umfang. General Electric (GE), von Ellison als Beispiel angeführt, arbeite lediglich in einem kleinen Werk in Ungarn mit Oracle 11i, erklärt ein Sprecher des US-Konzerns.

Auf ein wachsendes Geschäft mit betriebswirtschaftlicher Software ist Oracle jedoch angewiesen. Angesichts der mit IBM und Microsoft stärker werdenden Konkurrenz im Datenbankmarkt muss das Unternehmen weitere Geschäftsgebiete erschließen, um schwindende Erträge auszugleichen. Ob es den Kaliforniern jedoch gelingt, renommierte Unternehmen wie SAP, Peoplesoft oder Siebel auszustechen, scheint derzeit fraglich.

Vor allem Probleme mit der Einführung von 11i könnten das Vertrauen nachhaltig erschüttern. Insider bemängeln, dass die Suite letztes Jahr übereilt auf den Markt geworfen wurde. Auch Ellison muss einräumen, dass die ersten Versionen Fehler enthielten und kompliziert zu benutzen waren. Das Paket sei aber ein sehr komplexes Produkt, und man könne nicht alle Fehler in der Testphase beseitigen, argumentiert der Boss des Softwarekonzerns.

Die über 100 Ingenieure, die in den Nasa-Labors das Update auf 11i betreuen, werden diese Meinung kaum teilen. Erst nachdem zahlreiche Bugs beseitigt waren, konnten die Softwareexperten mit der eigentlichen Migration beginnen, schimpft ein Projektleiter. Außerdem hinke die US-Weltraumbehörde dem Zeitplan um Monate hinterher.

Um die Migration von Version 10.7 auf 11i streiten sich im Augenblick Hersteller und Anwenderorganisationen. Die US-amerikanische Oracle Applications Users Group (OAUG) fordert, von der für Ende nächsten Jahres geplanten Einstellung des Supports für die Version 10.7 abzusehen. Kunden wie Nike, Wells Fargo und Goodyear Dunlop seien nicht bereit, drei Jahre nach der Einführung von 10.7 weitere zwei Millionen Dollar für die Implementierung von 11i auszugeben.

Die Oracle-Verantwortlichen scheinen in dieser Frage einzulenken. Das ursprünglich für Mitte nächsten Jahres geplante Auslaufen des Supports werde voraussichtlich um sechs Monate nach hinten verschoben. Das geht der OAUG jedoch nicht weit genug. In einer von etwa 50 Firmen unterschriebenen Petition fordert die Vereinigung Hilfestellung bis 2004. Oracle stehe im Augenblick mit den Kunden in Verhandlungen, erklärt eine Oracle-Sprecherin. Man wolle so viel wie möglich tun, um den Kunden zu helfen.

In Deutschland ist der Applications-Markt etwas differenzierter zu sehen, erklärt Andreas Fritsch von der Deutschen Oracle Anwendergruppe (DOAG). So sei in den USA die Notwendigkeit für einen Release-Wechsel längst nicht so groß wie in Europa. In der Alten Welt hätten viele Oracle-Anwender die Euro-Einführung zum Anlass für ein Update auf 11i genommen. Zwar könne auch Version 10.7 Euro-fähig gemacht werden, der Aufwand dafür sei jedoch nicht zu unterschätzen.

Von Problemen mit der Einführung von 11i kann allerdings auch Fritsch ein Lied singen. So habe Oracle zwar Werbung gemacht, 11i sei das am besten getestete Release. Diesen Eindruck habe man am Anfang auch gehabt. Inzwischen müsse die Aussage jedoch relativiert werden. So kann es zum Beispiel beim Einsatz von Order-Management zu Problemen kommen, da hier Eingriffe in die dahinter liegende Datenbankstruktur notwendig werden.

Funktionen für EuropaLaut Fritsch steigen jedoch die Chancen Oracles mit jedem weiteren Release. Fortschritte seien vor allem in der Funktionalität und besseren Abstimmung der einzelnen Module zu erkennen. Auch europäische Anforderungen wie zum Beispiel das Datumsformat würden in den aktuellen Varianten verstärkt berücksichtigt.

Dennoch tut sich Oracle unter diesen Vorzeichen schwer, Referenzkunden für seine Software zu finden. Die Strategie, das eigene Unternehmen als Profiteur vom Einsatz der Standardsoftware darzustellen, scheint sich als Eigentor zu erweisen. Die in Werbekampagnen genannten Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Dollar werden von Analysten offen angezweifelt. Darin seien auch andere Kostensenkungsmaßnahmen wie Entlassungen und Standortschließungen enthalten.