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14.12.2004

Oracle triumphiert über Peoplesoft

Gegen alle Ankündigungen hat Oracle sein Angebot noch einmal erhöht und damit den Widerstand des Peoplesoft-Managements gebrochen.

Nach 556 Tagen ist Oracle-Chef Lawrence Ellison endlich am Ziel. Für insgesamt 10,3 Milliarden Dollar wird Oracle den Konkurrenten Peoplesoft übernehmen. Die Peoplesoft-Führung unter dem Firmengründer und Interimschef David Duffield hat beim Angebot von 26,50 Dollar je Aktie die Segel gestrichen und ihre Abwehrhaltung aufgegeben. "Diese Fusion wird den Wert unseres Unternehmens weiter steigern", triumphierte Ellison im Kreis der Oracle-Führung. Das Peoplesoft-Management war nicht anwesend und gab sein Einverständnis zur Übernahme lediglich schriftlich bekannt.

Die Verschmelzung mit der Nummer zwei im weltweiten Geschäft mit Business-Applikationen hilft Oracle, Boden auf Branchenprimus SAP gutzumachen. "Wir haben doppelt so viele Kunden und sind die Nummer eins im nordamerikanischen Applikationsmarkt", frohlockt Ellison. Mit der größeren Kundenbasis im Rücken könne er nun mehr Geld in die weitere Produktentwicklung investieren.

Ellison bemühte sich, die Bedenken vieler Peoplesoft-Kunden zu zerstreuen, Oracle könnte den Support und die Wartung der übernommenen Produktlinien schleifen lassen oder gar einstellen. An diesen Befürchtungen ist der Oracle-Lenker jedoch nicht ganz schuldlos. So hatte Ellison kurz nach Bekanntgabe seiner Übernahmeabsichten im Juni vergangenen Jahres getönt, er werde die Peoplesoft-Produkte einstampfen. Als in der Folge klar wurde, dass sich das anvisierte Akquisitionsopfer nicht ohne Gegenwehr in sein Schicksal ergeben würde, bemühte sich der Softwaremilliardär, die Peoplesoft-Klientel zu beruhigen, und versprach langjährigen Support.

Nach Bekanntgabe der Übernahme bekräftigte Ellison nun die Versprechen. Es werde auch in Zukunft Updates für die bestehenden Produktlinien geben. Innerhalb der kommenden zwölf bis 24 Monate könnten die Kunden neue Software-Releases erwarten. Das gelte sowohl für die originären Peoplesoft-Produkte als auch für deren im vergangenen Jahr durch die Akquisition von J.D. Edwards übernommene Produktlinien. Daher würden die Entwicklerteams beider Firmen vorerst getrennt voneinander arbeiten. Erst mit der übernächsten Softwareversion sei ein einheitliches Produktportfolio zu erwarten. Dafür würden höherrangige Entwickler von Oracle und Peoplesoft in ein gemeinsames Team zusammengezogen. "Peoplesoft 10 könnte in 30 bis 36 Monaten herauskommen", spekuliert Ellison.

Allerdings passen zu den vollmundigen Ankündigungen nicht die Sparpläne Oracles. So sei geplant, die gemeinsamen Aufwendungen für Entwicklung und Forschung um 150 bis 200 Millionen Dollar jährlich zu kürzen. Auch im administrativen Bereich will das Unternehmen den Gürtel enger schnallen. Wie hoch das anvisierte Einsparpotenzial hier ist, verriet Ellison nicht. Über die Zahl möglicher Entlassungen gibt es ebenfalls noch keine Informationen. Experten spekulierten jedoch im Vorfeld, dass über die Hälfte der 11600 Peoplesoft-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren könnten.

"Giftpillen" bleiben gefährlich

Ein personeller Kahlschlag könnte Oracle jedoch teuer zu stehen kommen. So hatte das Peoplesoft-Management seinen Mitarbeitern hohe Abfindungen sowie weitreichende Sozialleistungen zugesichert, sollte es nach einer Übernahme zu Entlassungen kommen. Dies war eine der "Giftpillen", die Peoplesoft in seinem Abwehrkampf drehte. Zwar werden beide Seiten angesichts der einvernehmlichen Übernahmelösung versuchen, mögliche Hürden so weit wie möglich auszuräumen. Sind die Konditionen jedoch vertraglich fixiert, wird Oracle um finanzielle Zugeständnisse nicht herumkommen.

Das gilt auch für die "Produktversicherung", die Peoplesoft seiner Klientel bereits seit dem vergangenen Jahr bietet. So sichert der Softwareanbieter die Rückerstattung eines Mehrfachen des Kaufpreises zu, sollte das Produkt nach einer Übernahme nicht mehr unterstützt und weiterentwickelt werden. Auch diese Klauseln wird Oracle nicht ohne weiteres rückgängig machen können. Insider schätzen das finanzielle Risiko auf rund zwei Milliarden Dollar.

Diese Zusicherungen geben den Kunden zumindest ein gewisses Maß an Sicherheit, meint Karin Henkel, Analystin von Strategy Partners. Peoplesoft-Kunden rät sie, mit weiteren Investitionen in Produkte des Anbieters vorerst zu warten. Man müsse zunächst sehen, wie Oracle die zugesagte Maintenance und Produktentwicklung handhabt. Auf keinen Fall sollten die Anwender blindlings den Softwarelieferanten wechseln und ins Lager der SAP eilen, warnt Henkel. Das könnte die Kunden teuer zu stehen kommen.

Trotz aller Beteuerungen von Oracle, die rund 12700 Peoplesoft-Kunden weiter betreuen zu wollen, waren zuletzt erste Abwanderungstendenzen zu spüren. Einer Umfrage der Marktforscher von AMR Research zufolge beurteilt die Mehrheit der Kunden die Oracle-Versprechen skeptisch. Viele Anwender, vor allem aus dem J.D. Edwards-Lager, spielten bereits mit dem Gedanken, ihre Wartungsverträge zu kündigen und Drittanbieter mit dem Support ihrer Systeme zu betrauen.

Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, stände für Oracle der Erfolg der Akquisition auf dem Spiel. So legten gerade Peoplesofts Wartungsumsätze in den zurückliegenden Quartalen deutlich zu, von 200 Millionen Dollar im ersten Quartal 2003 auf 320 Millionen Dollar im dritten Quartal 2004. Experten bezeichneten die Wartungseinnahmen als das Kronjuwel Peoplesofts.

Für die Kunden kam die schnelle Einigung überraschend. Zwar sei nach dem Aktionärsvotum Mitte November, bei dem Oracle knapp 61 Prozent der Anteile zum Kauf angeboten worden waren, mit einer Einigung zu rechnen gewesen, berichtet André Birrenbach, IT-Leiter der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH. Er habe jedoch geglaubt, dass sich die Übernahme noch bis zum Frühjahr 2005 hinziehe. Änderungen seiner aktuellen Softwarestrategie plant Birrenbach nicht. "Man muss abwarten, wie Oracle sich die Zukunft vorstellt."

Überrascht wurden offenbar auch die Peoplesoft-Mitarbeiter. Der deutsche Marketing-Direktor Dieter Roskoni lehnt jede Stellungnahme mit dem Hinweis ab, er wisse auch nicht mehr als die Presse. Die ersten Nachrichten aus der Firmenzentrale im US-amerikanischen Pleasanton klingen wenig zuversichtlich. "Das ist ein trauriger Tag für mich und sicher auch für Sie", zitiert das "Wall Street Journal" aus einer Mail Duffields an seine Mitarbeiter. Auch der Dank des Managements an die Belegschaft, sie habe in einer schwierigen Zeit ihr Möglichstes getan, hört sich nach Abschied an.

Ellison denkt an weitere Käufe

Dagegen scheint Oracle auf die Übernahme vorbereitet. So habe es in den zurückliegenden Monaten bereits Planungen für den Tag X gegeben, bestätigt eine Sprecherin des Unternehmens. Genaue Details dürfe sie jedoch noch nicht nennen. Auch Ellison scheint schon präzise Vorstellungen darüber zu haben, wie die weitere Akquisitionsstrategie Oracles aussehen könnte. Zwar seien keine Großeinkäufe über 200 Millionen Dollar geplant, bis die Peoplesoft-Übernahme verdaut sei. Oracle werde jedoch ein Treiber der weiteren Konsolidierung innerhalb der Softwarebranche bleiben, beteuert der Oracle-Chef. Auch ein Ziel hat der passionierte Segler bereits gesichtet. Kürzlich bezeichnete er Bea Systems als "sehr attraktiv".