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21.12.1990 - 

Anwender fordern eine nationaIe Version ihres Datenbanksystems

Oracle verläßt sich nicht mehr nur auf die Datenbank

FELLBACH (gs) - 400 Besucher bei der 3. Jahreskonferenz der Deutschen Oracle Anwendergruppe (DOAG) in Fellbach bei Stuttgart: Der Datenbank-Primus präsentierte sich ihnen als Kämpfer für die Freiheit der Anwender. Das Ziel sei es, sie unabhängig zu machen von Betriebssystemen, Benutzeroberflächen, Netzwerken, kurz: unabhängig von jeglichen Standards.

"Die Schlüsselaufgabe der 90er Jahre ist die Steuerung komplexer heterogener unternehmensweiter Informationssysteme. Kooperatives Processing, Client-Server-Architektur und Netzwerk-weiter transparenter Zugriff auf alle Verarbeitungs- und Informationsressourcen ist zu realisieren, das heißt zusammenfassend: Netzwerk-Computing". So umriß Franz Niedermaier Geschäftsführer der Oracle Deutschland GmbH, seine Sicht von der Zukunft der Datenverarbeitung.

Jetzt ist die Diversifikation angesagt

Für die Realisierung der entsprechenden Systeme beim Anwender will der weltweit drittgrößte unabhängige Softwarehersteller ein umfassendes Produkt- und Leistungsangebot bereitstellen.

Während die Strategie bisher vor allem darin bestanden habe, mit größtmöglicher Portabilität des Datenbankproduktes Marktanteile zu erringen gehe es jetzt um Diversifikation.

Allein für den Bereich Büroanwendungen, den bisher nur das Mauerblümchen SQL-Calc abdeckte, wurden in Fellbach drei neue Produkte gezeigt:: SQL Graphics Oracle Mail und ein Text-Retrieval-System; 1991 soll ein Textverarbeitungsprogramm folgen (Gerüchten zufolge wird Wordperfect für die Oracle-Umgebung angepaßt).

Sehr viel verspricht sich Oracle von der Entwicklung echter Anwendungssoftware. Geplant sind Applikationen für die Fertigung sowie für den Finanz- und Verwaltungsbereich die zusammen mit der Muttergesellschaft entwickelt werden. Am weitesten gediehen ist "Oracle-Financials", ein Paket für das betriebliche Rechnungswesen, das in den englischsprachigen Ländern bereits 200mal installiert wurde und dessen Finanzbuchhaltung derzeit für die deutschen Verhältnisse angepaßt wird.

Parallel wird ein eigener Consulting-Bereich aufgebaut, der umfassende Dienstleistungen,

von der strategischen Beratung über Projekt-Management, Tuning, Datenbank-Design bis

zur kompletten Realisierung Kundenanwendungen, anbieten soll.

Das Ziel all dieser Aktivitäten ist, wie Claus Gehner, Leiter des Anwender-Supports im kalifornischen Hauptquartier, es formulierte, "die Kunden von der Umklammerung durch

ihre zum Teil sehr alten Anwendungen zu befreien". Die nämlich zwingen sie, weil sie lebenswichtig für die Unternehmen sind, mit längst überholter Hard- und Software zu arbeiten.

Natürlich läßt sich mit der edlen Tat auch Geld verdienen. Schon heute, so Niedermaier , wird ein großer Teil des Umsatzes in Datenbank-benachbarten Gebieten erzielt. Zunehmend wandle sich damit die herkömmliche Lieferantenrolle zu einer eher

strategischen Partnerschaft.

Sorgen, daß über all diesen Aktivitäten das Hauptprodukt, die "Datenbankmaschine", vergessen wird und technisch gegenüber der Konkurrenz ins

Hintertreffen gerät, wehrt Niedermaier vehement ab: Noch würde Oracle jeden Benchmark gewinnen. Weil aber Performance nicht das einzige Leistungsmerkmal einer Datenbank ist und in anderen Bereichen Konkurrenzprodukte durchaus schon die Nase von haben, gab er in Fellbach einen Ausblick auf die Version 7 - "keine Produktankündigung aber mehr als ein 'Statement of Direction '".

Die wichtigsten Neuerungen der Version 7 für die es noch keinerlei Freigabetermine gibt, bestehen in der Realisierung referentieller Integrität gemäß ANSI-Norm sowie der Implementierung eines echten Zwei Phasen-Commits. "Stored Procedures", die nicht immer wieder neu interpretiert und optimiert werden müssen, sollen helfen, die Performance zu verbessern und mit erweiterten Sicherheits-Features will man das C2-Level der im "Orange Book" der National Security Agency festgeschriebenen DV-

Sicherheitsklassen erreichen.

Eine weitere und längst überfällige Neuerung vollzieht sich unabhängig von Produkt-Releases: Ab der Version 6.0 für Unix System V/386 gibt es einen "National Language Support". Das heißt fürs erste daß es die Meldungstexte in acht verschiedenen Sprachen gibt darunter auch in Deutsch. Im lauf des nächsten Jahres soll dann zusätzlich die gesamte Dokumentation in deutscher Übersetzung erscheinen.

Vielen Anwendern reicht das noch immer nicht: Sie warten mit wachsender Ungeduld darauf, daß ihre Datenbank endlich auch die deutschen Umlaute verarbeiten kann. "Wenn das Ding, Säge' heißt, dann muß in die Datenbank, Säge ' rein", schimpfte ein Entwickler und erntete dafür lautstarken Beifall. "Ich kann meinen Kunden nicht sagen, das müßt ihr mit 'ae' schreiben, das geht nicht. Da mußt eine Lösung her, und zwar schnell, nicht erst in ein oder zwei Jahren. Da sollte die DOAG endlich mal Druck machen".

50 Prozent des Gesamtumsatzes macht Oracle mittlerweile in Europa, zirka zehn Prozent allein in Deutschland. Doch bei der Produktplanung haben außeramerikanische Anwender offenbar noch immer Mühe Gehör zu finden.

Offiziell verweist die DOAG auf die EOUG, die "European Oracle Users Group", die eine europäische "Wunschliste" erstellt und dem Hersteller gegenüber vertritt. Unter der Hand aber wird zugestanden: "Die Kommunikation könnte schon besser sein".

Daß sie auch im eigenen Bereich noch nicht perfekt klappt, räumt DOAG-Vorsitzender Jochen Frickel freimütig ein: "Was wir noch in den Griff bekommen müssen, ist ein konkretes Procedere, um die Anwenderbedürfnisse und Anwenderbeschwerden zu erfahren und in geeigneter Form weiterleiten zu können."

Ein erster Schritt dazu soll eine rechnergestützte Informationsbörse sein. Wann es damit losgeht , hängt von der Post ab: Es fehlt nur noch der Datex-P-Anschluß.