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20.12.2005

Oracle verliert gegenüber SAP an Boden

Die starke Konkurrenz durch SAP, das zähe Geschäft mit Datenbanken und ein schwächelnder Markt in Europa machen dem Softwarekonzern zu schaffen.
Zwar legten die Applikationsumsätze von Oracle nach den Übernahmen im vergangen Jahr deutlich zu. Das Datenbankgeschäft, das nach wie vor den Löwenanteil ausmacht, läuft jedoch eher zäh.
Zwar legten die Applikationsumsätze von Oracle nach den Übernahmen im vergangen Jahr deutlich zu. Das Datenbankgeschäft, das nach wie vor den Löwenanteil ausmacht, läuft jedoch eher zäh.

Sie sind glücklich und wir sind glücklich", beschrieb Oracle-CEO Lawrence Ellison die angebliche Gemütslage seiner Kunden. Vor allem die Anwender des vor einem Jahr aufgekauften Softwarekonkurrenten Peoplesoft hätten sich mit dem neuen Eigentümer arrangiert und würden mehr Wartungsverträge erneuern als vor der Übernahme.

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www.computerwoche.de/go/

570012: Rückläufiger Gewinn bei Oracle;

568762: Oracles Hausaufgaben;

567489: SAP umwirbt Oracle-Kunden;

566630: Oracles Datenbankgeschäft lahmt.

Die Zufriedenheit der Oracle-Kunden reichte indes nicht ganz aus, um die Finanzziele für das jüngst abgelaufene zweite Finanzquartal des Geschäftsjahres 2006 zu erreichen. Mit einem Umsatz von 3,3 Milliarden und einem Gewinn von 798 Millionen Dollar lag der Datenbankspezialist hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Dabei legten die Einnahmen gegenüber dem Vorjahresquartal um 19 Prozent zu, und der Profit blieb lediglich um zwei Prozent unter dem des Vergleichszeitraums.

Schwierigkeiten in Deutschland

Die Oracle-Verantwortlichen machten vor allem Währungseffekte dafür verantwortlich, dass die hoch gesteckten Ziele knapp verpasst wurden. Zudem sei es besonders in Deutschland schwierig, gegen den Konkurrenten SAP aufzuholen, betonte Oracle-President Charles Phillips. Oracle hatte in den beiden vergangenen Jahren für fast 20 Milliarden Dollar konkurrierende Softwarehersteller aufgekauft, um das eigene Applikations- und Middleware-Geschäft zu stärken sowie die Abhängigkeit vom Datenbankmarkt zu mindern.

Noch machen Datenbanken und Middleware-Produkte mit Einnahmen in Höhe von fast 1,85 Milliarden Dollar den Löwenanteil des Produktumsatzes von 2,72 Milliarden Dollar aus. Der Anwendungsanteil beträgt mit 0,87 Milliarden Dollar nicht einmal ein Drittel. Problematisch ist dabei für Oracle, dass Infrastruktur längst nicht die von der Börse geforderten Wachstumschancen bietet. Im zweiten Quartal betrug das Plus fünf Prozent. Rechnet man zudem die um 17 Prozent geringeren Serviceeinnahmen mit ein, legte das Geschäft mit Datenbanken und Middleware im Vergleich zum Vorjahresquartal lediglich um zwei Prozent auf 2,11 Milliarden Dollar zu.

Dagegen gelang es der Anwendungssparte von Oracle, den Produktumsatz um 85 Prozent von 469 auf 870 Millionen Dollar zu hieven. Den größten Anteil daran hatten die um 138 Prozent auf 604 Millionen Dollar gestiegenen Wartungs- und Supporteinnahmen. Die Lizenzumsätze legten mit 266 Millionen Dollar im Jahresvergleich immerhin noch um 24 Prozent zu.

Angesichts des stagnierenden Datenbankgeschäfts wird es für Oracle künftig darum gehen, die Applikationskunden bei der Stange zu halten. Zwar pocht Oracle-President Safra Catz inklusive der Peoplesoft-Klientel auf rund 300 000 Softwareverträge, die insgesamt 7,3 Milliarden Dollar jährlich in die Kassen spülten. Trotzdem dürfte es auch in den kommenden Monaten turbulent zugehen.

Erste Hausaufgabe: Integration

So steht im ersten Halbjahr 2006 die Integration des CRM-Spezialisten Siebel Systems an, für den Oracle im September 2005 ein Übernahmeangebot in Höhe von 5,85 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt hat. Zudem arbeitet der Softwareanbieter mit Hochdruck an "Project Fusion", um bis 2008 die nächste Service-orientierte Anwendungsgeneration auf den Markt zu bringen.

Von den Schwierigkeiten des Konkurrenten will in erster Linie SAP profitieren. Der Branchenprimus im weltweiten Anwendungsgeschäft umwirbt seit Monaten verunsicherte Oracle-Kunden. Offenbar mit Erfolg. So konnten die Walldorfer während der zurückliegenden Quartale vor allem im US-amerikanischen Heimatmarkt des Wettbewerbers hohe Zuwachsraten verbuchen was Umsatz und Profit anbelangt. Dagegen fällt es Oracle zunehmend schwerer, auswärts zu punkten. Lizenzeinahmen in Höhe von 357 Millionen Dollar in Europa bedeuten für das zweite Quartal einen Rückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

SAP steht besser da

David Mitchell, Analyst von Ovum, bezeichnete Oracles Ergebnis in Europa als enttäuschend. Die Entschuldigung, der europäische Markt sei generell schwach, lässt er nicht gelten und verweist auf gute Zahlen des Konkurrenten SAP.

Nachdem die Oracle-Verantwortlichen in den vergangenen Monaten immer wieder damit geprahlt hatten, SAP die Marktführerschaft streitig machen zu können, dürften die jüngsten Zahlen beim Datenbankspezialisten für Ernüchterung sorgen. SAP-Chef Henning Kagermann konnte sich nach den zurückliegenden Attacken einen Seitenhieb auf den Konkurrenten nicht verkneifen. "Die erzählen alles Mögliche", höhnte er gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Zu viele nehmen es noch ernst." (ba)