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18.04.2006

Oracle verschärft den Kampf um die Branchen

Mit der Übernahme des Abrechnungsprogramm-Spezialisten Portal Software stärkt Oracle sein Know-how im Telekommunikationssektor.

Oracle hat wieder zugeschlagen und für rund 220 Millionen Dollar Portal Software gekauft. Der Softwareanbieter hat sich auf Billing- und Umsatz-Management-Lösungen für die Kommunikations- und Medienbranche spezialisiert. "Wir beliefern mehr als 90 Prozent aller Kommunikationsfirmen weltweit mit Technik und Applikationen", begründete Oracle-President Charles Phillips die Übernahme. Billing sei eine logische Ergänzung für diese Kunden. "Das ist genau die Kombination, nach der die Kunden immer gefragt haben", wirbt auch Dave Labuda, Gründer und CEO von Portal Software, für die Verbindung beider Softwareunternehmen. Labuda soll künftig als Chief Technology Officer (CTO) einer speziell auf die Telekommunika- tionsbranche ausgerichteten Geschäftssparte innerhalb der Oracle-Organisation fungieren. Leiten soll diese Einheit als General Manager Bhaskar Gorti, bislang zuständig für Vertrieb, Service und Marketing bei Portal Software.

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Allerdings dürften bei Portal Software rein wirtschaftliche Gründe den Ausschlag für den Verkauf gegeben haben. Experten zufolge galt der im kalifornischen Cupertino beheimatete Hersteller seit geraumer Zeit als Übernahmekandidat. In den zurückliegenden Quartalen war der Billing-Experte mit seinen Bilanzen ins Straucheln geraten. Für das Geschäftsjahr 2005, das am 28. Januar vergangenen Jahres endete, konnten die Verantwortlichen erst im Sommer 2005 eine Bilanz vorlegen. Offiziell begründete das Management die Verzögerungen damit, dass die Buchungsmethoden überprüft werden müssten. Allerdings riss den Behörden Ende Juli 2005 der Geduldsfaden. Sie verweigerten einen weiteren Aufschub und schlossen die Aktie vom Handel an der Nasdaq aus.

Auch die letzten Ergebnisse gaben wenig Anlass zur Hoffnung. 2005 wies Portal Software laut vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 104,7 Millionen Dollar aus nach 126,8 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2004. Der Verlust wuchs von 40,2 auf 75,4 Millionen Dollar.

Angesichts dieser Situation dürfte den Verantwortlichen das Übernahmeangebot durch Oracle gerade recht gekommen sein. Mit den zugekauften Billing-Lösungen will Oracle sein Softwareangebot für Telekommunikationsunternehmen komplettieren. Man sei nun in der Lage, den gesamten Softwarebedarf dieser Branche zu bedienen, warb die Konzernzentrale in Redwood Shores.

Die Oracle-Verantwortlichen bemühen sich seit geraumer Zeit, ihre Branchenkompetenz zu schärfen. President Phillips hatte Mitte vergangenen Jahres angekündigt, Oracle werde sich auf acht Kernbranchen konzentrieren. Welche Märkte der Softwareanbieter dabei ins Visier nimmt, ist bislang allerdings unklar. Fest steht, dass mit den Übernahmen von Retek und iFlex im Jahr 2005 Handelsunternehmen und Finanzdienstleister adressiert werden sollen. Mit der Akquisition von Portal Software dürfte nun der Telekommunikationsbereich als dritter Branchenfokus feststehen.

Anbieter schnüren Branchenpakete

TK-Unternehmen ständen weltweit unter einem starken Druck, meint Sergio Giacoletto, Executive Vice President von Oracle in Europa. Der immer härtere Wettbewerb sowie zunehmend komplexere Services würden die Anbieter dazu zwingen, schnell auf Veränderungen im Markt zu reagieren und neue Serviceangebote zusammenzustellen.

Mit der jüngsten Akquisition Oracles könnte sich auch der Wettbewerb um die Vorherrschaft in Branchen unter den Softwareanbietern weiter verschärfen. Erst im vergangenen Jahr waren beispielsweise Oracle und SAP bei dem Versuch, den Spezialisten für Handelssoftware Retek zu übernehmen, aneinander geraten. Nach einem kurzen, aber heftigen Schlagabtausch gaben die SAP-Verantwortlichen klein bei und ließen Oracle-CEO Lawrence Ellison den Vortritt.

Auch im Fall von Portal Software kreuzen sich die Wege beider Softwareriesen. SAP kooperiert seit April 2003 mit Portal Software. Die Billing-Lösung der US-Amerikaner ergänzt SAPs Branchenlösung für den Telko-Sektor. Erst im Januar 2006 wurde die Integration der aktuellen Version "Portal 7" in "SAP for Telecommunications" bekannt gegeben. Die wachsende Komplexität der Kommunikationsindustrie zwinge die Anbieter, ihre Finanzströme genau zu kontrollieren, verwies Harald Hinderer, Vice President für die entsprechende Brancheneinheit innerhalb der SAP, auf die Bedeutung der Technik von Portal Software.

Ob diese Verträge nun auf dem Prüfstand stehen, ist noch nicht abzusehen. Bei SAP gibt man sich indes betont gelassen. Man gehe davon aus, dass die Partnerschaft weiter Bestand habe, verlautete aus Walldorf. (ba)