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19.09.2003 - 

Enttäuschender Lizenzumsatz im ersten Quartal

Oracle wartet noch auf den Aufschwung

MÜNCHEN (CW) - Oracle hat das erste Quartal mit nur durchwachsenen Resultaten abgeschlossen. Der Datenbankspezialist konnte zwar eine beachtliche Steigerung des Nettogewinns ausweisen. Der vergleichsweise geringe Umsatzanstieg, vor allem aber ein Rückgang der Erlöse aus dem Geschäft mit Neulizenzen passten jedoch nicht in die allgemein herrschende Aufschwungstimmung.

Oracle-Finanzchef Jeffrey Henley hatte sich das wohl anders vorgestellt. Statt mit einem überzeugenden Quartalsabschluss die von vielen Beobachtern seit einigen Wochen ausgemachten zarten Blüten eines Aufschwunges in der IT-Branche zu bestätigen, musste der Manager bei der Kommentierung der jüngsten Zahlen seiner Company einen Eiertanz hinlegen. "Ein langsamer Start im ersten Quartal wird uns nicht davon abhalten, ein insgesamt gutes Jahr zu haben", redete Henley die Bilanz schön. Denn in dieser war vor allem ein Posten ein regelrechter Schlag ins Kontor:

Eigene Prognosen wurden konterkariert

Die Einnahmen aus dem Verkauf von Neulizenzen fielen in den Monaten Juni, Juli und August im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode um gut sechs Prozent von 549 auf 515 Millionen Dollar. Oracle selbst hatte zuvor in seinen Prognosen einen Zuwachs von sechs Prozent auf 580 Millionen Dollar in Aussicht gestellt; die Analysten von Goldman Sachs und der Deutschen Bank hatten sogar ein Volumen von 600 Millionen Dollar für möglich gehalten.

Einige der von den Investment-Bankern zu Recht vermutete große Deals seien überraschend geplatzt beziehungsweise verzögerten sich, erklärte Henley weiter. Daneben führte der Oracle-Verantwortliche vor allem das schwache Nordamerika-Geschäft ins Feld, wo sich eine Neuaufstellung der dortigen Vertriebsmannschaft zunächst negativ ausgewirkt habe. Doch das änderte nichts daran, dass die Wall Street sehr ernüchtert auf diese Zahlen reagierte und die Oracle-Aktie mit einem Kursverlust von über fünf Prozent abstrafte. Auch die Papiere von SAP, Peoplesoft und Siebel gerieten vorübergehend unter Druck. Schließlich war auch der gesamte Konzernumsatz von Oracle - gemessen an den Erwartungen - enttäuschend. Laut Umfrage hatten die Analysten im Schnitt mit einem Zuwachs der Einnahmen um fünf Prozent auf 2,14 Milliarden Dollar gerechnet. Oracle meldete jedoch nur einen Anstieg um zwei Prozent von 2,03 auf 2,07 Milliarden Dollar.

Updates und Support florierten

Dass überhaupt ein Umsatzplus zu verzeichnen war, verdankte die Larry-Ellison-Company dem florierenden Verkauf von Software-Updates und Supportleistungen. Dort stiegen die Einnahmen gegenüber dem ersten Fiskalquartal 2003 um 14 Prozent auf 1,03 Milliarden Dollar, während die Bereiche Consulting, Advanced Product Services sowie Schulung mit Erlösen von zusammen 513 (560) Millionen Dollar eine rückläufige Tendenz zu verzeichnen hatten. Freuen konnte sich das Management des Datenbankspezialisten lediglich über den Nettogewinn, der sich dank weiterer Kosteneinsparungen im Vorjahresvergleich um 28 Prozent auf 440 Millionen Dollar oder acht Cent je Aktie verbesserte.

Wie sehr das Unternehmen jedoch unter Druck steht, machen zwei weitere Kennziffern deutlich: So gingen die Umsätze im reinen Datenbankgeschäft, das bei Oracle rund 80 Prozent zu den Einnahmen aus dem Verkauf neuer Softwarelizenzen beisteuert, gegenüber dem ersten Geschäftsquartal 2003 um sieben Prozent von 438 auf 408 Millionen Dollar zurück, das Applikations-Business musste ein Minus von vier Prozent von 111 auf 107 Millionen Dollar verkraften. Viele Branchenbeobachter sahen deshalb in den jüngsten Oracle-Zahlen einen weiteren Beleg dafür, dass IBM und Microsoft mit ihrem verstärkten Engagement im Datenbankmarkt erfolgreicher sind als umgekehrt Oracle beim Verkauf seiner Applikationen. Daneben wurden aber auch wieder Befüchtungen laut, wonach die erhoffte Erholung der IT-Branche insgesamt weiter auf sich warten lässt.

Eine andere Lesart bot indes Meta-Group-Analyst John Decker an: Oracle habe im vierten Quartal so viel Auftragseingänge wie irgendmöglich bearbeitet und als Umsätze fakturiert, um mit einem guten Abschluss die Finanzmärkte im Hinblick auf die geplante Peoplesoft-Übernahme zu überzeugen. Gleichzeitig würden viele Kunden auf die vergangene Woche in San Francisco auf der "Oracle World" neu vorgestellte Datenbank "10G" warten und hätten deshalb anstehende Projekte und Investitionen zurückgestellt. Insofern seien die nicht sehr berauschenden Ergebnisse in der jüngsten Berichtsperiode erklärbar und man müsse das zweite Quartal "abwarten", bevor man die aktuelle Performance der Company bewerte. Chief Financial Officer (CFO) Henley seinerseits prognostizierte denn auch für das laufende Quartal einen Umsatzzuwachs von mindestens zwei, vermutlich aber eher fünf Prozent.

Wenig ins Konzept passen dürften den Oracle-Verantwortlichen die jüngsten Zahlen aber auch aufgrund der geplanten Peoplesoft-Übernahme. Es gebe keinen Sinn, den Peoplesoft-Aktionären - falls überhaupt - vor einer Entscheidung der Wettbewerbsbehörden mehr als 19,50 Dollar je Anteil zu bieten, hatte Executive Vice President Charles Phillips noch am Rande der "Oracle World" gegenüber Journalisten erklärt. Beobachter waren eigentlich davon ausgegangen, dass Oracle sein Angebot aufstocken würde, nachdem der Kurs der Peoplesoft-Aktie aufgrund nach oben korrigierter Gewinn- und Umsatzprognosen in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt und sich der Oracle-Offerte angenähert hatte. Ein Umstand, der das Kaufangebot für die ohnehin zögerlichen Peoplesoft-Aktionäre nicht attraktiver machen dürfte.

Kein höheres Angebot für Peoplesoft-Aktionäre

Auch an der Kartellrechtsfront ist in dieser Angelegenheit noch nichts entschieden. Oracle rechnet, wie Phillips in San Francisco betonte, nicht vor Oktober oder November mit einer Antwort des US-amerikanischen Justizministeriums, das den Deal derzeit ebenso wie die Kartellbehörden in Europa und Kanada prüft. Man sei nach wie vor zuversichtlich, die Genehmigung zu erhalten. "Es mangelt nicht an Wettbewerb im ERP-Geschäft", wischte der Oracle-Manager etwaige Bedenken von Wettbewerbshütern beiseite. Sein Unternehmen stelle "Lkw-Ladungen" an Rechts- und Wirtschaftsgutachten zur Verfügung, um dies zu belegen. Zudem werde es, so Phillips, bis zur Genehmigung der Übernahme sicher noch zu Problemen bei der Fusion von Peoplesoft und J.D. Edwards kommen. Bis zur Veröffentlichung der eigenen enttäuschenden Zahlen hatte es bekanntlich seitens Oracle nicht an hämischen Kommentaren zu den beiden Wettbewerbern gefehlt. Phillips: "Sobald klar wird, dass die Erwartungen des Mergers nicht erfüllt werden, sinkt der Kurs der Peoplesoft-Aktie wieder". Anschließend werde es Oracle um so leichter fallen, die Peoplesoft-Anleger zu überzeugen. (gh/mb)

Oracle auf einen Blick

Der Umsatz erhöhte im ersten Fiskalquartal 2004 (Juni, Juli, August) gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um zwei Prozent von 2,03 auf 2,07 Milliarden Dollar.

Das Nettoergebnis verbesserte sich um von 343 Millionen Dollar oder sechs Cent je Aktie auf 440 Millionen Dollar beziehungsweise acht Cent pro Anteilschein.

Das Geschäft mit Neulizenzen war um gut sechs Prozent von 549 auf 515 Millionen Dollar rückläufig. Die Einnahmen mit Datenbanken gingen ebenfalls um sieben Prozent von 438 auf 408 Millionen Dollar zurück; die Erlöse mit Applikationen mussten ein Minus von vier Prozent von 111 auf 107 Millionen Dollar verkraften.