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19.01.2001 - 

Marktplätze können nur als Dienstleister erfolgreich sein

Oracle weist den Weg zur Internet-Supply-Chain

MÜNCHEN (CW) - Die Oracle User Group der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EOUG) hat dem Thema "I-Supply-Chain" noch kurz vor Jahreswechsel einen Kongress gewidmet. Tenor der Beiträge: Marktplätze werden durch zahlreiche Zusatzdienste immer leistungsfähiger und sollen das E-Business im B-to-B-Sektor bereits in diesem Jahr richtig in Gang bringen.

Die Redner auf der Oracle-Konferenz im österreichischen Graz waren sich weitgehend einig: Elektronische Marktplätze entwickeln sich zur zentralen Drehscheibe des E-Commerce im B-to-B-Bereich. Um diese Bedeutung erlangen zu können, müssen die Marktplätze allerdings wesentlich mehr Geschäftsprozesse abdecken, als es in den anfänglichen Ideen von der reinen Handelsplattform im Internet geplant war. So postulierte beispielsweise Andy Kyte, Vice President und Research Director der Business Management Group bei Gartner, dass E-Procurement zwar ein wichtiger Faktor sei, aber nicht das ganze Geschäft: "Marktplätze müssen sich zu Business-Service-Providern entwickeln." Unter anderem spielten die firmenübergreifende Kommunikation und Zusammenarbeit mit Partnern und Zulieferern eine zunehmend wichtige Rolle, so eine der Kernbotschaften Kytes. Francis Veldeman, Oracle Vice President Applications & Internet Solutions Emea (Europa, Mittlerer Osten und Afrika), gab allerdings zu bedenken, dass die meisten Unternehmen noch zögerten, ihre Geschäftsprozesse dementsprechend umzustellen. Technisch sei man da bereits viel weiter. Mit dem von Oracle entwickelten SAP-Connector sei es beispielsweise möglich, direkt aus einem R/3-System heraus auf Oracle-Marktplätze zuzugreifen.

Neben Workflow- und Dokumenten-Management-Systemen zeichnen sich die Marktplätze der nächsten Generation durch ein Bündel weiterer Zusatzdienste aus, welche die gesamte Abwicklung von Geschäftsvorgängen von der Bestellung über den Transport bis hin zu geeigneten Bezahlverfahren abdecken sollen.

Oracle versucht diesem Anspruch durch eine Reihe von Erweiterungen seines "Marketplace Exchange" gerecht zu werden. So bietet der einstige Datenbankspezialist als Ergänzung nun auch die aus drei Modulen bestehende Lösung "Supply Chain Exchange" an. Damit soll sich sowohl die Kommunikation als auch die Bedarfsplanung über alle Ebenen der Lieferkette hinweg verbessern lassen.

Darüber hinaus hat Oracle mit dem "Product Development Exchange" eine Collaboration-Lösung im Marktplatzportfolio, eine Plattform, die Teams aus mehreren Unternehmen bei der gemeinsamen Produktentwicklung zusammenbringt. Sie enthält unter anderem Tools, die es Anwendern ermöglicht, virtuelle Entwicklungskonferenzen abzuhalten.

Partnernetz für ZusatzdiensteDieses Jahr folgt außerdem der "Oracle Logistic Exchange" für die elektronische Abwicklung von Logistikdienstleistungen, der zurzeit als Pilot bereits von dem Online-Handelsplatz für das Transportwesen "Global-Transport Xchange" eingesetzt wird. Ferner versucht Oracle derzeit ein weitreichendes Partnernetz zu schaffen, um zusätzliche Bereiche in das Marktplatz-Portfolio integrieren zu können. Dazu zählen Kooperationen mit Banken für die Abwicklung von Bezahlvorgängen, Versicherungen und so genannte Escrow-Services. Dabei garantiert ein Treuhänder dem Lieferanten den Erhalt seiner Bezahlung und dem Kunden den Erhalt der bestellten Ware.

Nur wenige Redner gingen auch auf die Grenzen von Marktplätzen der nächsten Generation ein. So betonte Heinz Alexy, Senior Manager Corporate E-Business bei Daimler-Chrysler, dass die Einrichtung einer entsprechenden Schnittstelle zu unternehmensrelevanten Marktplätzen nicht ausreiche, um die davon erhofften Einsparungen zu erzielen. Zwar erwartet sich der Konzern sinkende Ausgaben durch die Schaffung von effektiveren Lieferketten und verbesserten Beziehungen mit Zulieferern durch den mitinitiierten Marktplatz für die Automobilbranche "Covisint". Insbesondere die Reduzierung von Produktentwicklungszeiten kann damit aber nur zum Teil erreicht werden.

Vom Marktplatz zur Supply CommunityDas weitaus größere Potenzial liege hier innerhalb des Unternehmens, so Alexy. Dabei geht es nicht nur um die Einführung von Internet-Technologien, sondern um die Schaffung geeigneter Geschäftsprozesse. Um diese Aufgabe zu bewältigen - das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben ein mehr als eine Million Seiten umfassendes Intranet - sind erhebliche Anstrengungen notwendig. Nicht umsonst ist die im vergangenen Jahr von Daimler-Chrysler eigens zur Konzentration und Neustrukturierung der unternehmensweiten E-Business-Aktivitäten gegründete DCX Net Holding GmbH mit einem Startkapital von 550 Millionen Euro ausgestattet worden. Alexy sieht Marktplätze als notwendigen Zwischenschritt auf dem Weg zur "E-Supply-Chain" und von dort zur virtuellen "Supply Community" an.

Gartner-Mann Kyte gab den rund 60 Kongressbesuchern zu bedenken, dass Unternehmen, die erfolgreich im E-Business agieren wollten, angesichts der Fülle von Aufgaben nicht in Projektkategorien planen sollten. Sinnvoller sei es, den Schritt in die "Networked Economy" als ein aus vielen Projekten zusammengesetztes Programm zu betrachten, während dessen Verlauf auch Ziele fortwährend überarbeitet werden müssten. "Für den Einstieg eignen sich insbesondere kleine, überschaubare Projekte, mit denen schnell ein konkreter Nutzen erreicht werden kann", so Kyte. Wichtig sei für alle Beteiligten, trotz begrenzter Projektdauer - beispielsweise 90 Tage - bereits nach zwei Wochen die Sinnhaftigkeit und Machbarkeit der Aufgabe nochmals zu überdenken. Stehe nach Abschluss nur ein magerer Prototyp, sei es in den meisten Fällen das Beste, diesen zu verwerfen, anstatt ihn als Basis für weitere Projekte zu nutzen.

Abb: Während der Zugriff auf einen mit Oracle-Technik organisierten Marktplatz einfach über den Browser erfolgt, können die ERP-Systeme der dort engagierten Unternehmen mittels Konnektoren über das E-Business Integration Framework angebunden werden. Da solche Konnektoren für Fremdsysteme bislang nur für R/3 verfügbar sind, ist in vielen Fällen der Einsatz entsprechender Middleware erforderlich. Quelle: Oracle