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24.04.2007

Oracle wirbt für Project X

Eine neue Integrationsplattform soll es Kunden ermöglichen, Services aus unterschiedlichen Anwendungen zu kombinieren.

Das neue Zauberwort der Ellison-Company heißt "Application Integration Architecture" (AIA) - vormals unter dem Codenamen Project X gehandelt. Kunden könnten damit Funktionen der diversen Business-Anwendungen beliebig kombinieren und auf ihre Bedürfnisse zuschneiden, versprach Oracle-President Charles Phillips auf der Anwenderkonferenz "Collaborate ‘07" in Las Vegas. Der US-Konzern will damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits ließen sich die diversen eigenentwickelten und zugekauften Anwendungen einfacher integrieren; andererseits könnten Unternehmen damit auch Services aus Programmen anderer Hersteller in ihre Prozesse einbauen. Unterm Strich gestalte sich die Integration für Unternehmen weniger komplex und kostengünstiger.

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"Jede Anwendung aus unserem Portfolio oder dem eines Drittanbieters lässt sich einklinken, solange sie mit unserem Common Object Model und unseren Servicedefinitionen konform geht", warb auch Oracle-Manager Jose Lazares für die Plattform. Herzstück von AIA ist eine Übersetzungsschicht, die zwischen den Anwendungen und der hauseigenen Fusion-Middleware liegt. Oracle greift dafür auf ein Objektmodell und Servicedefinitionen zurück, die bereits in der Fusion-Plattform eingesetzt werden. Intern nutze man diese Methode schon seit längerem, um Anwendungen zu integrieren, so der Hersteller. Über AIA könnten nun auch Kunden davon profitieren.

Spott vom Rivalen SAP

Vom Erzrivalen SAP erntete der US-Konzern dafür nur Spott. "Project X ist ein Versuch, Verzögerungen in der Fusion-Strategie zu kaschieren", lästerte Dennis Moore, General Manager für Emerging Solutions bei SAP im kalifornischen Palo Alto. Es sei inzwischen klar, dass Oracle mit seinen "Fusion"-Anwendungen erheblich langsamer vorankomme als ursprünglich geplant. "Aus unserer Sicht geht es bei Project X schlicht darum, das Siebel-CRM-System mit Oracles E-Business-Suite zu verknüpfen", erklärte der Manager. Bei genauerem Hinsehen integriere die Plattform Oracles diverse Anwendungspakete nicht wirklich: "Sie verbindet sie lediglich." Fusion dagegen habe ein einheitliches Set werden sollen. Stattdessen baue Oracle nur eine Brücke zwischen höchst unterschiedlichen Applikationen. Anne Thomas Manes, Analystin bei der Burton Group, lobte die Strategie hingegen: Oracle gehe mit AIA ein Problem an, das vielen seiner Kunden auf den Nägeln brenne. Über ein gemeinsames XML-Vokabular könne es gelingen, interoperable Services in einer heterogenen Anwendungslandschaft zu entwickeln.

Neben der Rolle als Integrationsplattform soll es AIA auch ermöglichen, aus diversen Softwareservices zusammengesetzte Anwendungen (Composite Applications) zu bauen. In diesem Kontext präsentierte Oracle auch gleich zwei prozessbasierende Anwendungen, so genannte Process Integration Packs (PIPs). Dabei handelt es sich um vorgefertigte Workflows, die in diesem Fall sowohl Funktionen aus Siebel-Anwendungen als auch aus der E-Business-Suite nutzen. Weitere horizontale und vertikale Prozessanwendungen sind geplant.

Mit dem Konzept der Composite Applications, das vor allem im Zusammenhang mit Service-orientierten Architekturen (SOA) diskutiert wird, geht Oracle einen ähnlichen Weg wie SAP mit seinen xApps. Der erbitterte Konkurrenzkampf der Branchenriesen dreht sich längst nicht mehr nur um klassische Business-Anwendungen. Mit ihren Integrationsplattformen und SOA-Strategien drängen beide Hersteller auch in den Markt für Infrastruktursoftware. Auch vor diesem Hintergrund ist die Kritik der Walldorfer zu verstehen. (wh)