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Kolumne

Oracle zeigt: Open Source ist angreifbar

21.02.2006

Es ist hart, gegen eine soziale Bewegung zu konkurrieren." Diese Einsicht von Jonathan Schwartz, COO von Sun Microsystems, beruht auf schmerzlichen Erfahrungen im Ringen mit Linux. Aber die Situation habe sich geändert, so der Sun-Manager. Red Hat binde die meisten professionellen Anwender des freien Betriebssystems an sich und verlange überhöhte Preise für seine Dienste. Daher würden im Wettbewerb mit Open Source wieder die Spielregeln des Marktes gelten. Und gegen ein einzelnes Unternehmen könne sich ein IT-Riese wie Sun behaupten.

Als Pioniere des Modells "Professional Open Source", die den zurzeit gehypten Startups Alfresco, SugarCRM, Zimbra & Co. als Vorbilder dienen, gelten MySQL und Jboss. Beiden gelang es, in ihren Marktsegmenten für Unruhe zu sorgen. Jboss befindet sich auf dem besten Weg zum Marktführer und trägt dazu bei, dass für die Softwareindustrie Lizenzgeschäfte mit Java-Middleware immer weniger lukrativ werden.

Nachdem Oracle sein Interesse an Jboss bekundet hatte, gab die IBM bekannt, dass sie bereits früher das Unternehmen erwerben wollte. Softwarechef Steve Mills sah aber davon ab, weil er "keine großen Summen in einen Bereich investieren wollte, der nicht wächst wie andere Zweige der Softwareindustrie". Trotzdem wäre Oracle diversen Gerüchten zufolge bereit, zwischen 200 und 400 Millionen Dollar für Jboss auszugeben. Kann Lawrence Ellison nicht rechnen?

Es sieht eher so aus, als hätte er andere Motive. Die zeigen sich auch im Fall von Sleepycat. Natürlich kann man den Kauf der Open-Source-Firma damit begründen, dass Oracle damit an populäre Datenbanksysteme gelangt, die sich in Anwendungen einbetten lassen - dort weist der Marktführer eine Lücke auf. Die Übernahme richtet sich aber vor allem gegen MySQL. Trotz aller Dementis empfindet Oracle die freie Datenbank als Störenfried, der die Preise zu verderben droht.

Vor einem halben Jahr kaufte Ellison bereits die skandinavische Firma Innobase. Damit erlangte Oracle die Kontrolle über eine Komponente, die MySQL für den Einsatz in Unternehmen benötigt. Und ganz nebenbei kann Ellison jetzt die Support-Datenbank von Innobase einsehen, die Aufschluss darüber gibt, welche Kunden MySQL für anspruchsvolle Aufgaben einsetzen.

MySQL hatte noch eine weitere Option für eine transaktionsfeste Storage-Engine. Sie spielte hinter InnoDB die zweite Geige und gewann nun an Bedeutung. Sie stammte von - richtig, Sleepycat. Und die hat Oracle jetzt auch kassiert. Die Schweden müssen nun zusehen, dass sie die Lücke selbst stopfen. Das dürfte den Zeitplan und die Produktstrategie der Firma gründlich durcheinander bringen.

Das Beispiel von Oracle könnte Schule machen. Die Großen der Branche werden ihre Kassen öffnen, um lästige Konkurrenten wegzukaufen, die in Open Source ein interessantes Vertriebsmodell sehen. Um die Aneignung von Technologie geht es dabei nur in zweiter Linie. Aber die Venture-Kapitalisten hinter den neuen Open-Source-Firmen werden darüber nicht traurig sein.