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24.05.2007

Oracles neuer Coup: PLM-Spezialist Agile

Bisher hatte Oracle in Sachen Product-Lifecycle-Management (PLM) wenig zu bieten. Mit Agile wertet der SAP-Rivale sein Portfolio in Richtung industrieller Fertigung auf.

Der Markt für Product Lifecycle Management bleibt in Bewegung: Für fast eine halbe Milliarde Dollar will Oracle den PLM-Spezialisten Agile kaufen. Die Übernahme soll im Juli abgeschlossen werden. Agile entwickelt und vertreibt Software, mit der Industriefirmen neue Produkte schneller kreieren und auf den Markt bringen können. Der Fokus liegt darauf, Entwicklungsabläufe firmenübergreifend aufzusetzen und zu steuern (Collaboration), kostengünstiger zu konstruieren und dabei gesetzliche Auflagen zu erfüllen. Zu den rund 1250 Agile-Kunden zählen Autozulieferer wie Magna Steyr und ZF Friedrichshafen sowie Hightech-Unternehmen wie Siemens, Hitachi und Dell. Anders als die PLM-Platzhirsche Dassault Syst?©mes, PTC und die nun zu Siemens gehörende UGS entwickelte Agile sich nicht von einem CAD- zu einem PLM-Anbieter, sondern startete ähnlich wie der von Dassault gekaufte Spezialist Matrix One mit Collaboration-Software.

Allzweck-Tool für die Fertigung

Product Lifecycle Management dient dazu, die Computer-basierende Konstruktion und Fertigung zu unterstützen, Produkte zu visualisieren und zu simulieren. Beispielsweise können Konstrukteure ihre Arbeiten dem Vertrieb und dem Marketing in grafischen Ansichten veranschaulichen. Simulationsfunktionen gestatten Crash- und Belastungstests am Rechner. Die kollaborative Seite des PLM umfasst Methoden, um mit Entwicklungspartnern Produkte zu definieren, strukturiert Daten auszutauschen und Lieferanten einzubinden. Die PLM-Software integriert sich idealerweise mit bestehenden Geschäftsapplikationen, etwa mit CRM-, SCM- und ERP-Systemen.

Oracle hatte bisher kein ausgewiesenes PLM-Produkt im Portfolio. In Teilen sind solche Funktionen in der "E-Business Suite" sowie in den Lösungen der übernommenen Firma J.D. Edwards vorhanden. Konkurrent SAP dagegen vermarktet seit dem Jahr 2000 eine eigene PLM-Lösung, dominiert damit aber nicht den Markt. Beobachtern zufolge war auch SAP an einer Übernahme des von Siemens gekauften PLM-Herstellers UGS interessiert.

Nach einer Reihe von Übernahmen, die eher in Richtung Infrastruktur und Middleware abzielten (Stellent und Hyperion) investiert Oracle nun wieder in Business-Applikationen. Nachdem der Datenbankhersteller mit dem Kauf von i-flex und Retek die Finanz- beziehungsweise die Handelslösungen erworben hatte, verbreitert der Agile-Kauf das Portfolio in Richtung industrielle Fertigung. Firmen aus der Konsumgüter- Elektronik-, Automobil- und Hightech-Industrie haben Bedarf an Software, um firmenübergreifende Entwicklungsabläufe weltweit zu steuern, verfügen aber oft nicht über ausreichend flexible Software dafür. Diese Lücke wollen PLM-Spezialisten sowie ERP-Vollsortimenter wie Infor und SAP schließen. Mit Agile kauft ein globaler ERP-Player einen PLM-Spezialanbieter und meldet ebenfalls Ansprüche an. Zahlreiche Industriefirmen, die für PLM-Software in Frage kämen, verwenden SAP-Software beispielsweise für die Finanzbuchhaltung und die Materialwirtschaft. Somit hofft Oracle darauf, zumindest den PLM-Bedarf solcher Unternehmen decken zu können, wenn es schon nicht gelingt, das vorhandene ERP-Backend auf die eigene Lösung umzustellen. (fn)