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04.07.2007

Oracles Rechnung geht auf

Lawrence Ellison scheint mit seinem Akquisitionskurs Erfolg zu haben. Doch mit den guten Zahlen wächst auch der Druck auf den Firmenchef.

Analysten hatten in den zurückliegenden Jahren immer wieder Zweifel an Oracles Strategie angemeldet. Die fast schon im Monatsrhythmus aufeinanderfolgenden Akquisitionen würden den Konzern vor unüberwindlich Integrationsprobleme stellen, so ihre Befürchtungen. Doch mit jeder Quartalsbilanz, die neue Bestmarken in Sachen Umsatz und Gewinn markierte, wurden diese Stimmen leiser.

Oracle-Zahlen 2006/07

Lizenzumsatz: 5,88 Milliarden Dollar (plus 20 Prozent);

Wartungsumsatz: 8,33 Milliarden Dollar (plus 25 Prozent);

Services: 3,79 Milliarden Dollar (plus 33 Prozent);

Gesamtumsatz: 18,0 Milliarden Dollar (plus 25 Prozent);

Gewinn: 4,27 Milliarden Dollar (plus 26 Prozent).

Martin Bayer

Der ITK-Markt befindet sich in einem rasanten Wandel. CW-Redakteur Martin Bayer berichtet Monat für Monat im Branchenmonitor über die wichtigsten Ereignisse. Die umfassende Monatsschau finden Besucher von computerwoche.de im Premium-Bereich. Noch näher am Puls des ITK-Marktes sind nur Sie, lieber Leser. Scheuen Sie sich nicht, uns über interessante Entwicklungen zu informieren und uns die Meinung zu sagen. Kontakt: Martin Bayer, Tel. 089/360 86-697 oder mbayer@computerwoche.de.

Nach mehr als 30 Übernahmen und Investitionen von annähernd 25 Milliarden Dollar strotzen die Oracle-Verantwortlichen vor Selbstbewusstsein und präsentieren stolz die jüngste Bilanz. "Wenn man die richtige Strategie und die beste Technik hat, spiegelt sich das in den Ergebnissen wider", freut sich Finanzchefin Safra Catz. "Die Zahlen sprechen für sich."

Mit diesen Zahlen im Rücken fühlen sich die Oracle-Verantwortlichen offenbar stark genug, um der Konkurrenz offen den Fehdehandschuh entgegenzuschleudern. Oracle-Boss Ellison verwies genüsslich auf die jüngsten Gartner-Zahlen zum weltweiten Markt für relationale Datenbanken. Demnach führt seine Firma das Ranking mit einem Marktanteil von 47 Prozent deutlich an vor der zweitplatzierten IBM, die auf gerade einmal 21 Prozent kommt. "IBM schafft es nicht, die Leistung und Verfügbarkeit der eigenen Produkte zu erreichen", höhnt Ellison. Oracle-President Charles Phillips stieß ins gleiche Horn und protzte, dass die Lizenzeinnahmen für Applikationen bei einem Wachstum von 32 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Dollar gestiegen seien, während SAP in dieser Kategorie auf lediglich zehn Prozent komme. Die Walldorfer versuchten alles selbst zu machen und setzten dabei auf proprietäre Technik aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, lästert der Oracle-Manager.

Ellison und seine Manager-Riege pflegen das Image ihres Konzerns als "bad guy" der Branche und lassen keine Gelegenheit aus, gegen die Wettbewerber schießen wie auch die Klage gegen SAP wegen Industriespionage und Urheberrechtsverletzungen zeigt. Auf dem hohen Ross sitzend, muss sich der Konzern allerdings auch gefallen lassen, dass der Wettbewerb zurückschlägt, wenn es bei Oracle einmal nicht so gut läuft. Das war in der Vergangenheit mehrmals der Fall. So gab es im Geschäftsjahr 2005/06 immer wieder Häme, wenn die Wachstumsvorgaben nicht erreicht worden waren.

Wachstum um jeden Preis

Damit sich das nicht wiederholt, wird Ellison weiter alles einkaufen, was einigermaßen in die Oracle-Strategie passt. Dabei geht es ihm primär um Wachstum. Der Konzern kauft sich Kunden und Marktanteile, vor allem in den Bereichen Middleware und Anwendungen, um seine Abhängigkeit vom angestammten und zunehmend riskanteren Datenbankgeschäft zu verringern.

Konkurrent SAP bemüht sich derweil, betont gelassen zu erscheinen und seiner Linie treu zu bleiben. Die badischen Softwerker weigern sich strikt, Märkte durch Übernahmen zu erobern. Vielmehr tätigen sie kleinere Akquisitionen, um Techniken zuzukaufen beziehungsweise Lücken im eigenen Portfolio zu schließen. Organisches Wachstum lautet die Devise in Walldorf.

Welches Konzept in der Endabrechnung aufgeht, bleibt abzuwarten. Da Oracle die organisatorische Einbindung der zugekauften Firmen offenbar gut im Griff hat, verbessern sich logischerweise auch die Ergebnisse. Wie viel davon organisches Wachstum der eigenen Produkte ist, wie viel die zugekauften Lösungen beigetragen haben und wie hoch die Reibungsverluste ausfallen, lässt sich aber praktisch kaum auseinanderdividieren. Zudem muss Oracle seine vollmundigen Versprechen der Vergangenheit einlösen. Um die Kunden zu beruhigen und gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, der Konzern schiebe einen Bauchladen vor sich her, hatte Ellison zugesagt, bis 2008 eine integrierte Suite auf den Markt zu bringen. Außerdem will er alle bestehenden Produkte unbegrenzt weiterentwickeln und unterstützen. (ba)