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31.01.1992 - 

Produktionsfaktor Information wird immer wichtiger (Teil 1)

Organisation ist das A und O einer neuen Netzwerkstruktur

Der Strukturwandel in Volkswirtschaften und Unternehmen sowie eine verschärfte Wettbewerbssituation führen zu der Notwendigkeit, unternehmensweite Kommunikationssysteme planen, einführen und betreiben zu müssen. Die Forderung nach einer Informationslogistik als strategischem Instrument darf dabei nicht als kurzlebiger Modegag betrachtet werden. Helmut Dürr* skizziert im ersten Beitrag seiner zweiteiligen Serie allgemeine Kriterien, die bei der organisatorischen Planung berücksichtigt werden sollten.

Die drei klassischen Produktionsfaktoren der Volkswirtschaftslehre Arbeit, Boden, Kapital reichen heute nicht mehr aus, um die Einflußgrößen für unternehmerisches Wirtschaften hinreichend zu umreißen. Heute wird der Produktionsfaktor "Information" für den Bestand eines Unternehmens immer wichtiger.

Die Fähigkeit zur Kommunikation, das heißt der rasche und effiziente Austausch von Informationen, wird zunehmend bestimmend für die Wettbewerbsfähigkeit und somit für den Bestand eines Unternehmens am Markt. Deshalb sind die Unternehmensstrukturen verstärkt einem Wandel unterworfen. Dominierte früher in den meisten Unternehmen eine hierarchische Organisation mit zentralisierten Kompetenzen und tätigkeitsbezogenen Einheiten geht der Trend heute zu einer marktorientierten, kundennahen Aufstellung der Unternehmen mit einer dezentralisierten, flachen Organisationsstruktur und einer produktbezogenen Unternehmensgliederung.

Anforderungen an ein Kommunikationssystem

Der Weg der Informationsflüsse im Unternehmen ist von einem ähnlichen Wandel gekennzeichnet. Wurden bisher die Informationen entlang der Unternehmensorganisation (Entwicklung, Fertigung, Verkauf) ausgetauscht, so orientiert sich der Informationsfluß heute überwiegend an Geschäftsvorfällen, zum Beispiel Bestellung, Auftragsabwicklung oder Lieferung, die normalerweise mehrere klassische Abteilungen betreffen.

Das erfordert einerseits, daß Vorsorge getroffen werden muß, allen betroffenen Unternehmenseinheiten den Zugang zu den entsprechenden Informationen zu ermöglichen, und bedeutet andererseits, daß die Menge zu transportierender Informationen gewaltig zunimmt.

Auch die Aufrüstung der Endgeräte mit mehr Intelligenz, lokalem Speicher und komfortablen Benutzerschnittstellen führt dazu, daß die traditionellen zentralen Rechnernetze - die sich noch relativ einfach verwalten ließen - nicht mehr leistungsfähig genug sind und durch verteilte Architekturen ersetzt werden müssen. Dies führt in den meisten Unternehmen zu der Notwendigkeit, ein Kommunikationssystem einzuführen, das sich möglichst gleichmäßig über das gesamte Unternehmen erstreckt.

Die folgenden Anforderungen müssen durch ein unternehmensweites Kommunikationssystem abgedeckt werden:

- Umfassend und unternehmensweit: Es muß gewährleistet sein, daß Informationen von jeder Abteilung beziehungsweise von jedem Mitarbeiter im Unternehmen zu jeder anderen Abteilung oder zu jedem anderen Mitarbeiter transportiert werden können, ohne daß Außenstellen vom Informationsfluß abgeschnitten werden.

- Durchgängig, einfach und transparent:

Die Erreichbarkeit aller Abteilungen beziehungsweise Mitarbeiter muß gewährleistet sein, und zwar unabhängig von Menge, Inhalt und Repräsentation der zu transportierenden Informationen. Die speziellen Eigenschaften von Sender und Empfänger (Systemtyp, Leistung, Anschlußart) sollen sich möglichst wenig auf die Kommunikation auswirken und die Kommunikationsfähigkeit nicht einschränken. System- oder Medienbrüche sind zu vermeiden.

- Schnell und effizient: Die Distanz zwischen Sender und Empfänger darf die Kommunikationsfähigkeit der beiden nicht beeinflussen. Anwendungen mit Realzeitanforderungen sind zu identifizieren, die Transportwege entsprechend zu planen, zu konfigurieren und die nötige Leistung vorzuhalten. Der Transport der Information muß mit möglichst wenig Verwaltung auskommen. Jegliche Verwaltung bedeutet Zusatzkosten sowie Performance-Verlust. - Stabil und sicher: Eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit der Netzwerkfunktionalität ist anzustreben.

Die Integrität der transportierten Informationen muß gewährleistet sein, das heißt, die Information darf während des Transports nicht verändert werden. Der unbefugte Zugriff ist durch geeignete Maßnahmen - Paßwörter reichen dabei keinesfalls aus - zu verhindern. Außerdem ist ein abgestuftes Sicherheitskonzept zu entwerfen, das den unterschiedlichen Nutzeransprüchen genügt, wobei eine vernünftige Relation zwischen erforderlicher Sicherheit und dafür notwendigem Aufwand anzustreben ist.

- Unterstützung von anwendungsbezogenen Diensten: Das Kommunikationssystem soll ein möglichst breites Nutzungsspektrum abdecken. Dienste, die heute in der einen oder anderen Form schon existieren, etwa Senden oder Empfangen von Briefen, Rechnungen und Auftragsbestätigungen, sind als integraler Bestandteil des Systems anzubieten. Dafür muß den Endnutzern eine Auswahl von anwendungsbezogenen Diensten wie Electronic Mail (X.400), Edifact oder Dateitransfer (FTAM) angeboten werden.

Ein künftiges unternehmensweites Kommunikationssystem sollte die verschiedenen Kommunikationsdienste für Sprach-, Bild- und Datenübertragung beim Nutzer am Endgerät logisch und physisch integrieren können, um die Realisierung neuer Anwendungen wie zum Beispiel Vertriebsunterstützung mittels CSTA (Computer Supported Telephone Applications) zu ermöglichen. Dazu ist es allerdings nicht erforderlich, daß der Informationsaustausch für die verschiedenen Dienste über die selben Transportwege läuft.

Mit der Einführung eines effizienten Information Ressource Management als integralem Bestandteil der Arbeitsabläufe können insbesondere die Bürotätigkeiten weiter optimiert werden. Es wird möglich, eine der wenigen verbleibenden großen Rationalisierungsreserven auszuschöpfen. Die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit führt zur effizienteren Gestaltung der Arbeitsabläufe und somit zur Verkürzung der Durchlaufzeiten. Das bedeutet eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Verbesserung der Ertragslage.

Die Einführung eines unternehmensweiten Kommunikationssystems ist weniger ein technisches als ein organisatorisches Problem. Mit dem Zukauf und der Installation neuer Technik allein ist es nicht getan, vielmehr muß die Umstrukturierung die wesentlichen Merkmale eines Unternehmensnetzes und deren Beherrschbarkeit berücksichtigen. Die typischen Merkmale und die charakteristischen Eigenschaften von großen Unternehmensnetzen sind nachfolgend kurz erläutert, nicht alle aufgeführten Punkte treffen für alle Netze zu.

- Technikvielfalt: Es kommen verschiedene physikalische Medien und Übertragungsmethoden zum Einsatz. Die verwendeten Geräte und Übertragungsstrecken haben unterschiedliche Leistungsmerkmale und Schnittstellen. Die schon im Unternehmen vorhandenen, größtenteils nicht integrierten Netze sind Teil verschiedener Herstellerarchitekturen (SNA, Transdata). Zur Verwaltung der Netze werden mehrere Methoden und Tools verwendet, die häufig nicht kompatibel sind und sich nur mit sehr großem Aufwand integrieren lassen.

- Bedarfsvielfalt: An die Netzdienste und -leistungen bestehen von Nutzerseite aus vielfältige Anforderungen. Die Anwender stehen untereinander in unterschiedlichen Kommunikationsbeziehungen -Sprache, Fax, Edifact - der Datenaustausch gehorcht keineswegs einheitlichen Verkehrsprofilen (Abendspitzen, Gleichverteilung). Große Netze bieten ein relativ umfangreiches Leistungsspektrum (Durchsatz, Verfügbarkeit, Sicherheit), das aber meist nicht gleichmäßig in der Fläche und an den Endgeräten verfügbar ist.

- Verteilte Zuständigkeiten: Die Planung und der Betrieb des Netzes obliegt oft nicht einer einzigen betrieblichen Organisationseinheit, sondern ist verteilt über Hausleittechnik, Rechenzentrum etc. Teile des Netzes (WAN) sind in der Verantwortung externer Betreiber (Post), manche Netzleistungen und Mehrwertdienste (VAN, VAS) werden von Dienstleistern (Geis, IBM) angeboten. Bislang ist die Zuständigkeit für das Netz noch selten ausgegliedert und die Verantwortlichkeit an eine Tochtergesellschaft (Corporate Network) oder an einen externen Betreiber (Outsourcing) delegiert.

- Historisch gewachsene Strukturen: Bei der Planung einer Erweiterung oder einer Reorganisation beziehungsweise Verbesserung des Netzes ergibt sich sicherlich das größte Problem dadurch, daß bestehende technische und - organisatorische Infrastrukturen (Gebäudeverkabelung, installierte Geräte und Anschlüsse, Zuständigkeiten) zu Sachzwängen und Einschränkungen führen, die in der Planung berücksichtigt werden müssen. Mit in die Betrachtungen muß auf jeden Fall das intern verfügbare Know-how einbezogen werden, das aufgrund der bisher eingesetzten Technik und Organisation im Unternehmen vorhanden ist. Häufig ist der Zukauf externer Beratungsleistung unerläßlich.

- Geografische Verteiltheit: Große Netze sind meist auch geografisch weit verteilt, was auf die Gebühren und Kosten für den Informationstransfer einen nicht zu vernachlässigenden Einfluß hat. Diese Gebühren und Kosten fallen je nach eingeschlagenem Übertragungsweg, der Distanz, der Menge, den zugesagten beziehungsweise in Anspruch genommenen Leistungsklassen sowie des Zeitraums (Übertragungsdauer) und des Zeitpunkts beziehungsweise der Tarifzone (Tag, Nacht, Wochenende) an.

- Gebühren- und Kostenstrukturen: Unternehmensnetze überschreiten Gebäude-, Gelände- und häufig auch Ländergrenzen Daher müssen öffentliche Netzbetreiber in Anspruch genommen werden, und es kommen unterschiedliche Gebühren- und Kostenstrukturen mit unterschiedlichen Berechnungs- und Abrechnungsverfahren zum Ansatz.

Die genannten Merkmale implizieren, daß, um die Beherrschbarkeit des gesamten Kommunikationssystems zu gewährleisten, ein Konzept zur Organisation der Netzadministration gefunden werden muß. Die logische Vorgehensweise wäre also, zuerst ein Konzept zu erstellen, dann das entsprechende System aufzubauen und mit einer gut konzipierten Organisation den Betrieb der Netzadministration zu gewährleisten. Wie dieses neue Konzept aussehen könnte, erläutert Teil 2.

*Helmut Dürr ist Leiter des Competence Center Corporate Networks bei der CAP Gemini SCS Becom GmbH in München.