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07.02.1992 - 

Produktionsfaktor "Information" wird immer wichtiger (Teil 2)

Organisation ist das A und O einer neuen Netzwerkstruktur

Der Strukturwandel in Volkswirtschaften und Unternehmen sowie eine verschärfte Wettbewerbssituation fuhren zu der Notwendigkeit, unternehmensweite Kommunikationssysteme planen einfuhren und betreiben zu müssen. Die Forderung nach einer "Informationslogistik als strategischen Instrument" darf dabei nicht als kurzlebiger Modegag betrachtet werden. Helmut Dürr* skizziert im diesem Beitrag vor allem Kostenaspekte, die bei der organisatorischen Planung berücksichtigt werden sollten.

Die Netzadministration läßt sich in vier Teilaspekte gliedern: die Netzplanung, den Netzbetrieb, die Netztechnik und die Netzkosten. Diese vier Teilaspekte stehen heute größtenteils unter der Verantwortlichkeit verschiedener Organisationseinheiten im Unternehmen. Bedingt durch die Art der Problemstellungen und des Umfeldes ergeben sich für diese Teilaspekte folgende, grundlegend unterschiedliche Ausrichtungen.

Die Netzplanung ist forschend: Das heißt, sie muß künftige Anforderungen frühzeitig erkennen, neue Trends und Techniken eruieren, begutachten, in die Planung mit einbeziehen , im Prototyp testen und Übergangsphasen für die Übernahme der neuen Techniken in den laufenden Betrieb genau definieren.

Der Netzbetrieb ist bewahrend: Zum Netzbetrieb gehört die vorausschauende Instandhaltung, Wartung und Pflege vorhandener Geräte und Einrichtungen, die Installation und Inbetriebnahme neuer Gerätschaften, die Analyse und die Behebung von auftretenden Fehlern sowie die Schaffung von Sicherheit, womit sowohl Daten- als auch Ausfallsicherheit gemeint sind.

Die Netztechnik ist bleibend: Einmal installierte Kabel werden höchstens bei einer Totalsanierung aus den Schächten entfernt. Nicht ganz so schlimm verhält es sich mit Gerätschaften wie Verteilern oder Multiplexern, die frühestens dann ausgetauscht oder ersetzt werden, wenn sie abgeschrieben sind oder Altersschwäche Neuanschaffungen unumgänglich macht.

Die Netzkosten sind steigend: Wie jedermann ans der täglichen Erfahrung weiß, sind steigende Ausgaben die Regel. Dies gilt insbesondere für Knoten von Leistungen, die -wie der Gebäudeverkabelung oder bestimmter Netzdienstleistungen - den Nutzern bisher quasi kostenlos zur Verfügung gestellt wurden und nicht leistung- und verursachergerecht erfaßt und verrechnet wurden. Es gilt daher, ein effektives Netzkosten-Management zu installieren.

Vermutlich wirken die vier oben dargestellten Kräfte nicht miteinander, sondern gegeneinander. Uni in diesem Fall einen Kollaps der Netzadministration und somit des Unternehmensnetzes entgegenwirken zu können, müssen diese divergierenden Kräfte durch eine starke Organisation ausgeglichen werden. Diese Organisation mit ungeteilter Verantwortung und Zuständigkeit für alle Teilaspekte des Unternehmensnetzes muß die Netzadministration zusammenhalten. Auf die Netzadministration wirken jedoch nicht nur Innenkräfte, sondern auch externe Vektoren ein, die dein Netz gefährlich werden können:

Anbieter im Netz: Am unternehmensweiten Kommunikationssystem hängen Einheiten, die Ressourcen, wie Rechenleistung, Speicher- oder Druckerkapazität, zur Verfügung stellen oder spezielle Dienste anbieten, wie zum Beispiel Electronic Mail, Edifact (-Converter), Datenbankdienste, zentrales Fax oder Voice-Mail. Diese Einheiten sind meist in Rechenzentren oder als eigenständige Gesellschaften organisatorisch ausgelagert und haben das menschlich verständliche - Bestreben, möglichst wenig Kompetenzen an eine Abteilung Netze abzugeben.

Nutzer im Netz: Das sind die Fach- oder Stabsabteilungen oder zum Beispiel die externen Vertriebsgesellschaften, die Dienstleistungen über das Netz nachfragen und in Anspruch nehmen.

Nutzer und Anbieter von Dienstleistungen haben bezüglich des Netzes eine ähnlich geartete Interessenlage: sie fordern hohe Netzleistung bei geringen Kosten, einfachem Anschluß, großer Offenheit und hohem Sicherheitsniveau.

Das Netz als Produktionsfaktor: Mittlerweile haben Kommunikationsnetze eine zentrale Rolle in den Wirtschaftsprozessen eingenommen, ohne daß es bei den Beteiligten bisher immer richtig ins Bewußtsein gedrungen ist. Dieses Bewußtsein wird schnell durch einen Netzausfall geschärft. Der Ausfall des Netzes oder Teile davon bedeutet, daß den betroffenen Unternehmen oder Abteilungen im Unternehmen die Wirtschafts- oder Arbeitsgrundlage entzogen wird und führt dazu, daß über kurz oder lang in der Werkshalle die Räder stillstehen, am Reisebüroschalter keine Flüge mehr gebucht werden können oder der Bankautomat kein Geld mehr ausspuckt. Neuere Untersuchungen belegen, daß Unternehmen wie Banken oder Versicherungen innerhalb von Tagen bankrott wären, wenn ihr Unternehmensnetz ausfallen würde. Es gilt daher, Vorsorge zu treffen.

Das Netz als Ertragsfaktor: Netzkosten sind ein negativer Ertragsfaktor, die aus folgenden Posten bestehen:

- einmaligen Kosten wie die für die Installation der Gebäudeverkabelung sowie neue Netzkomponenten,

- fortwährenden Kosten wie die für Personal, Wartung, aber auch Abschreibungen und nicht vereinnahmte Zinsen,

- Gebühren wie Telefon- oder Datex-P

- sonstigen Kosten wie jene, die durch Leistungsverlust im Netz entstehen. das zum Beispiel die Leistungserfassung und -zuordnung betreibt.

Diesen Kosten steht der durch das Netz erzeugte Nutzen gegenüber. Der Nutzen kann rechenbar sein wie der Wegfall von Kosten für bisherige Dienste (E-Mail anstelle von Briefpost, FTAM statt Diskettenversand) oder von Einzelmaßnahmen (Installation eines separaten PC-Netzes nicht notwendig, wenn komplette Gebäudeverkabelung vorhanden). Nutzen kann aber auch bewertbar sein wie zum Beispiel Kosteneinsparungen durch Rationalisierungseffekte oder Wettbewerbsvorteile durch ein verkürztes Time-to-Market. Wenn Netzleistung oder Netzdienste an externe Unternehmen des Konzernverbundes verkauft werden, ergibt sich unter Umständen die Möglichkeit, mit dem Unternehmensnetz eigenständig Erträge zu erwirtschaften.

Mit dem Unternehmensnetz läßt sich sogar ein positiver Deckungsbeitrag erwirtschaften, wenn Netzkapazität oder Netzdienstleistung nach außen (an Vertriebsgesellschaften oder zugeordnete Kundenkreditanstalten) angeboten und verkauft wird. Voraussetzung dafür ist aber, daß die durch den Netzbetrieb entstehenden Kosten komponentenspezifisch erfaßt und den Anwendern entsprechend des jeweiligen Leistungs- und Nutzungsgrades zugeordnet und tarifiert werden können.

Leistungserfassung und -zuordnung mittels Messung im laufenden Betrieb kann zu erheblichen Performance-Verlusten führen. Es muß folglich nach einer effizienten Lösung des Problems gesucht und ein Verfahren entwickelt werden, mit dem eine leistungsgerechte Kostenerfassung und Kostenverrechnung wirtschaftlich durchführbar ist. Dieses Verfahren sollte offen und erweiterbar sein für künftige Netztechnologien sowie -anwendungen und es sich in bestehende Kostenerfassungs- und Verrechnungsverfahren integrieren lassen.

Um eine möglichst breite Akzeptanz bei den Nutzern im Unternehmen, in angeschlossenen Partnergesellschaften und bei anderen eiterten Nutzern zu erreichen, ist das Verfahren möglichst einfach, transparente plausibel und gerecht zu gestalten. Oberstes Ziel bei der Einführung eines solchen Verfahrens ist, durch die Transparenz der Kostenträger und Kostenstellen ein geschärftes Bewußtsein bei den Nutzern und Anbietern von Netzwerkleistungen zu erzeugen. Im Gegensatz zu den homogenen, öffentlichen Weitverkehrsnetzen, für die die Gebührenerfassung und -abrechnung zur Geschäftsgrundlage gehört, gibt es für heterogene, private Netze bisher nur Lösungsansätze für die Kostenerfassung und -verrechnung. Bei vielen Betreibern von Unternehmensnetzen entsteht das entsprechende Problembewußtsein erst.

Deshalb, wird im folgenden noch ein Lösungsansatz, für die Modellbildung eines Netzkostenerfassungs- und Verrechnungsverfahren skizziert.

Um Netzkosten leistungsgerecht erfassen und zuordnen zu können, ist es notwendig, ein Netzkostenmodell zu erstellen, das aus Leistungsvolumen, Kosten und Kostenträgern sowie Strukturmerkmalen abgeleitet werden kann. Basierend auf dem Netzkostenmodell lassen sich die in Anwendung zu bringenden Zuordnungsvorschriften und Gebührensätze festlegen und das entsprechende Verrechnungsverfahren entwickeln.

Folgende Strukturmerkmale oder Unterscheidungskriterien können beispielsweise in einem typischen Unternehmensnetz herausgearbeitet werden:

- Rechen-, dialog-, speicher-intensive Anwender,

- Batch-, Dialog-, Grafik-, CAD-Anwendungen,

- Endgeräte wie Alpha-Terminal, 386-PC, Grafik-Workstation, MVS-Host,

- Eingesetzte Netztechnologien wie Eternet-, FDDI-LAN, MAN, X.25-WAN, ISDN,

- Netzhierarchien mit den Abstufungen Gebäude, Werk, Nahbereich, Fernbereich.

Bei genauerer Betrachtung dieser Strukturmerkmale stellt man fest, daß sich ein mehr oder weniger stetiger Übergang von nutzungsspezifischen Merkmalen wie Anwender und Anwendung zu netzwerkspezifischen Merkmalen wie Netztechnologie und -hierarchie ergibt, der sich in einem ähnlich gearteten Übergang von einer anteilsmäßigen zu einer pauschalen Tarifierung widerspiegelt.

Die Strukturmerkmale werden bei dem hier geschilderten Ansatz genutzt, um Leistungsgruppen mit Haupt- und Untergruppen für das Tarifierungsverfahren zu bilden. Folgende typische Gruppenbildung könnte sich dabei ergeben:

- Gruppe Anwendung, mit Hauptgruppe Anwendungstyp und Untergruppe Dienste;

- Gruppe Netzwerk, mit Hauptgruppe Netztyp und Untergruppe Hierarchie;

- Gruppe Endgerät mit Hauptgruppe Netztyp und Untergruppe Gerätetyp;

- Gruppe Verkabelung mit Hauptgruppe Kabeltyp.

Mit den Leistungsgruppen beziehungsweise den für die Leistungsgruppen festzulegenden Leistungskennzahl-Parametern lassen sich die Eingabeparameter der Rechenverfahrens bilden.

Die Ausgabeparameter (Kostenstellen, Kostenträger, Verrechnungsmodi) sind in Anlehnung an bereits im Unternehmen etablierte Abrechnungsverfahren zu definieren.

Je nach Leistungsgruppe Anwendung sind bereits in den Rechenzentren vorliegende Daten (Anzahl CPU-Sekunden, belegter Plattenspeicher) in der Menge entsprechend anteilig in die Verrechnung mit einzubeziehen. Die Leistungsgruppe Netzwerk ist mit einer leistungsabhängigen Tarifierung zu erfassen, wobei die Festlegung der Leistungsfaktoren einmalig per Definition erfolgen kann. Basierend auf in längeren Zeitabständen durchgeführten Messungen können die Leistungskennzahl-Parameter für die Leistungsgruppe Endgerät erhoben werden. Bei der Leistungsgruppe Verkabelung kommt man zu einer rein pauschalen Kostenverteilung auf Basis von Planzahlen.

Heutige und künftige Anforderungen an die Wandlungsfähigkeit, Effektivität und Produktivität der Unternehmen machen den Aufbau unternehmensweiter Kommunikationssysteme unumgänglich.

Um ein solches, aus einer Vielzahl unterschiedlicher Komponenten bestehendes, weit verteiltes System beherrschbar zu machen und somit einen reibungslosen Betrieb zu ermöglichen, ist es notwendig, klare Kompetenzen und Verantwortlichkeiten für den Systembetrieb zu definieren und diese in einer organisatorischen Einheit zu konzentrieren. Klar ist, daß heute für den Betrieb des unternehmensweiten Kommunikationssystems ähnliche organisatorische Methoden und Maßnahmen vorzubereiten und anzuwenden sind, wie sie gestern für den Betrieb von Großrechenzentren entwickelt wurden.

*Helmut Dürr ist Leiter des Competence Center Telecom bei der CAP Gemini SCS Becom GmbH in München.