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Stadtwerke Münster stellen IV-Leitsätze auf


18.10.1991 - 

Orientierung an Richtlinien erleichtert die Organisation

Wie läßt sich die Ressource Information optimal nutzen? Mit dieser Frage haben sich die Münsteraner Stadtwerke intensiv beschäftigt. Zuständigkeiten und Richtlinien für die Informationsverarbeitung wurden mit großem Aufwand festgeschrieben. Thomas Stutenbäumer* gibt einen Überblick über die "Umsätze der Informationsverarbeitung".

Die zunehmende Bedeutung der Information als Ressource des Unternehmens hat zur Folge, daß es immer mehr darauf ankommt, die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet eine immer stärkere Verflechtung der verschiedenen Formen der Informationsverarbeitung (IV).

Die Stadtwerke Münster GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, aus der existierenden dezentralen Datenverarbeitung (dezentrale Arbeitsplatzrechner und Workstations in den Fachbereichen und zentraler Host-Rechner in der IV-Abteilung) ein unternehmensweites integriertes Informationssystem zu entwickeln. Durch die rasante Entwicklung von Hard- und Software, den sogenannten Informationstechnologien, wird es immer schwieriger die richtigen und zukunftsträchtigen Entscheidungen bezüglich der unternehmensweiten Informationsversorgung zu treffen.

Koordiniertes Vorgehen ist erforderlich

In diesem Sinne stellen die hier dargestellten Leitsätze der Informationsverarbeitung eine Orientierung für die zukünftige DV-Entwicklung bei den Stadtwerken Münster dar. Sie sind nicht als unabänderliche Grundsätze anzusehen, sondern sie müssen dem jeweils aktuellen Entwicklungsstand der Technologien angepaßt werden.

Im folgenden werden zunächst Ziel und Auftrag der IV bei den Münsteraner Stadtwerken definiert. Daraus abgeleitet ergibt sich - unter Berückssichtigung der unternehmensspezifischen Gegebenheiten - die erforderliche Organisations-Struktur.

Die Realisierungsstrategien beschreiben, wie aus der heute dezentralen DV ein integriertes unternehmensweites Informationssystem entwickelt werden soll, und wie der IV-Bereich auf steigende Anforderungen der Unternehmensführung und der Fachabteilungen reagieren kann.

Schließlich soll das konzeptionelle Gerüst des angestrebten Informationssystems skizziert werden. Wir möchten dabei auf Leitsätze eingehen, die bei zukünftigen Aktivitäten auf dem, Gebiet der IV zu berücksichtigen sind.

Der Aufbau eines unternehmensweiten Informationssystems ist ein dynamischer Prozeß, der durch äußere Faktoren - zum Beispiel durch neue Technologien - permanent beeinflußt wird. Diese Faktoren verändern wiederum die Anforderungen der Endanwender.

Damit die angestrebte Integration der IV gewährleistet werden kann, ist ein geplantes und koordiniertes Vorgehen erforderlich.

Grundlegend ist , daher eine Zielvorgabe und die Festlegung von Aufgaben, die zum Erreichen des Zieles notwendig sind. Das Ziel unserer IV ist einerseits der Aufbau eines integrierten fachbereichsübergreifenden Informationssystems und andererseits die Effektivitätssteigerung der vorhandenen Techniken.

Die Architektur des zu entwickelnden Systems entspricht dem Client-Multiserver-Prinzip.

In den Fachabteilungen werden lokale Rechnerkapazitäten (Clients) zur Verfügung gestellt, die über ein unternehmensweites Netzwerk mit übergeordneten Rechnern (Servern) in Verbindung stehen. Die Clients können sowohl wie bisher mit eigenen Daten und Programmen arbeiten, als auch mit solchen, die ihnen ein Server zur Verfügung stellt.

Ein Server schützt die Daten kollektiv mit Hilfe von relationalen Datenbanken und der SQL-Abfragesprache. Er stellt Programme und Funktionen für mehrere Clients zur Verfügung. Gleichzeitig können Server ebenfalls Clients sein, in dem sie auf andere Server zugreifen.

Eine wesentliche Voraussetzung zum Aufbau eines unter nehmensweiten Informationssystems ist die zentrale fachbereichsübergreifende Planung, Steuerung und Kontrolle des Einsatzes von IV-Technologien. Darüber hinaus ist zu gewährleisten, daß beim Einsatz neuer Anwendungen die aktuellen Entwicklungen des Marktes berücksichtigt werden. Im Hinblick auf die zukünftige Informationsversorgung und zur effizienteren Ausnutzung bestehender Technologien muß der IVBereich folgende Aufgaben erfüllen:

1.Entwicklungsauftrag: Erarbeiten von neuen Service-Angeboten und Anwendungen für alle Fachbereiche und Endanwender-Gruppen des Unternehmens.

2.Service-Auftrag: Dienstleistungen für die Endanwendergruppen erbringen; dazu zählen Aufbereitung, Speicherung, Verarbeitung und Bereitstellung von Daten und Informationen.

3.Beratungsauftrag: Beratung der Fachabteilungen bezüglich des Bedarfs und der Verwendung von Daten, Informationen und Service-Leistungen.

Die Integration der Daten erfordert bezüglich der Prozeßdatenverarbeitung und der Telekommunikation eine enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Fachabteilungen und dem IV-Bereich. Verantwortlich für diese beiden Gebiete sind die Fachbereiche.

Der IV-Bereich setzt sich bei den Stadtwerken aus zwei ständig eingerichteten organisatorischen Einheiten zusammen, die für die Informationsverarbeitung zuständig sind: das IV-Gremium und die IV-Abteilung. Temporär können Projektgruppen auf Antrag der Fachbereiche für den Einsatz neuer Anwendungen vom IV-Gremium gegründet werden.

Der IV-Bereich ist untergliedert in das IV-Gremium und die IV-Abteilung. Zur Abteilung gehören die drei Einheiten Rechenzentrum, Anwendungsentwicklung und Endanwender-Unterstützung sowie die Stabsfunktion Grundsatzfragen der Informationsverarbeitung". Das IV-Gremium dagegen hat als abteilungsübergreifender Arbeitskreis die Aufgabe der unternehmensweiten Planung, Steuerung und Kontrolle des Einsatzes von entsprechenden Technologien. Es setzt sich aus folgenden ständigen Mitgliedern zusammen:

-Kaufmännischer Geschäftsführer (K),

-Technischer Geschäftsführer (T),

-Leiter der IV-Abteilung (KO9).

-ein Mitglied des Betriebsrates (B),

-IV-Grundsatzfragen (KO9-St).

Die Einrichtung dieses Gremiums, in dem zeitweilig auch ein IV-Projektleiter oder ein kompetenter Mitarbeiter seines Fachbereichs vertreten sein kann, hat eine "Demokratisierung der Ressource Information und ihrer Verarbeitung" zum Ziel. Das Gremium legt sowohl für das Gesamtunternehmen als auch für die IV-Bereiche. Ziele, Aufgaben und Organisation der Informationsverarbeitung fest. Davon bleiben die bestehenden fachlichen Zuordnungen unberührt. Aktivitäten der Fachbereiche auf dem Gebiet der IV können nur durch einen begründeten Projektantrag an dieses Gremium initiiert werden.

Die IV-Abteilung unterstützt durch Service-Leistungen auf dem Gebiet der Informationsversorgung die Unternehmensführung und alle Fachbereiche. Sie ist in diesem Sinne sowohl für die kaufmännischen, als auch für die technischen Abteilungen zuständig. Abgeleitet aus den Aufgaben der IV ergibt sich zur Zeit die im folgenden beschriebene funktional gegliederte Struktur der IV-Abteilung. jede der drei oben genannten Aufgabenbereiche entspricht einer organisatorischen Einheit:

-die Anwendungsentwicklung dem Entwicklungsauftrag,

-das Rechenzentrum dem Serviceauftrag und

-die Endanwender-Unterstützung dem Beratungsauftrag.

Da aus unserer herkömmlichen DV-Abteilung ein Bereich "Informationsverarbeitung" geworden ist, wachsen auch die Aufgaben des IV-Leiters über die des traditionellen DV-Leiters hinaus. Sein Auftrag besteht darin, das Erreichen der Unternehmensziele mit allen verfügbaren Informationstechniken zu unterstützen.

Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählen:

- Mitarbeit im IV-Gremium;

- Planung der Informationssystem-Ressourcen für einen strategischen Zeitrahmen von fünf Jahren in Abstimmung mit dem IV-Gremium;

- Abstimmung des IV-Plans mit dem Unternehmensplan;

Priorisieren von Aktivitäten im Bereich der IV, damit die Geschäftsziele des Unternehmens optimal unterstützt werden;

- Übernahme der Verantwortung für das zuverlässige und effiziente funktionieren der IV (unter Verwendung zeitgemäßer Technologien);

- Kontrolle der Leistungen von IV-Mitarbeitern und der IV-Systemkomponenten (Hardware, Anwendungen, Betriebs-, Kommunikations- und Datenbanksysteme)-.

- Vertretung der Belange der IV-Abteilung vor der Unternehmensführung;

- Beratung und Unterstützung der Unternehmensführung in allen Fragen der IV;

- intensive Kontaktpflege zu anderen Bereichen und Fachabteilungen des Unternehmens, anderen Energieversorgern sowie Hard- und Softwareherstellern. Soll der IV-Leiter dies Auf gaben zur allgemeinen Zufriedenheit wahrnehmen, so ist er über die Untemehmenspolitik und -strategie umfassend zu informieren.

Unternehmensrelevante Entscheidungen werden in der Staabsstelle Grundsatzfragen der IV diskutiert, wo auch Strategien und Architekturen für die zukünftigen Informationsversorgung festgelegt werden. Dieser Bereich unterstützt den Leiter der IV-Abteilung und das IV-Gremium. Die wichtigsten Aufgaben dieser Einrichtung können wie folgt beschrieben werden:

- Mitarbeit im IV-Gremium;

- Unterstützung des IV-Leiters in grundsätzlichen Themen;

- Ansprechpartner für alle Fachbereiche und Projektgruppen bei Grundsatzthemen der IV;

- Konzeption und Planung des Einsatzes neuer Technologien;

- Zusammenarbeit mit der Anwendungsentwicklung bezüglich Richtlinien für den Einsatz von Entwicklungswerkzeugen, der Datenorganisation und der Benutzerführung;

- Risikoabschätzungen für geplante Entwicklungen;

- Planung und Einführung neuer IV-Methoden und Verfahren;

- Kontaktstelle für IV-Abteilungen anderer Energieversorger. Im Rahmen seiner Aufgaben besitzt "IV-Grundsatzfragen" uneingeschränktes Informationsrecht, dies gilt insbesondere für alle Planungsunterlagen des IV-Bereichs.

Die Anwendungsentwicklung (AWE) ist innerhalb der IV-Abteilung für den Entwicklungsauftrag zuständig. Ihre Aufgabe besteht in der innerbetrieblichen Herstellung und Einführung von Anwendungen für den eigenen Gebrauch. Ob eine Anwendungsentwicklung durchgeführt wird oder die Bedürfnisse durch den Kauf fertiger Software befriedigt werden können, wird von der zuständigen Projektgruppe und dem IV-Gremium entschieden. Darüber hinaus ist die AWE zuständig für Anwendungsunterstützung und Datenbankadministration.

Dokumanagement obliegt dem Entwicktungschef

Bei uns ergibt sich folgende Organisation: Der Leiter Anwendungsentwicklung ist dem Datenmanagement und den einzelnen Anwendungsgebieten übergeordnet. Er ist selbst für die Funktion Datenmanagement verantwortlich. Die AWE ist zuständig für Anwendungen sämtlicher Fachabteilungen.

Die wichtigsten Aufgaben des Leiters der AWE lassen sich folgendermaßen beschreiben:

- Entwicklung und Aktualisierung von Programmen;

- Planung und Zuteilung von Personal für die aktuellen Projekte im Rahmen der Eigenentwicklung von Anwendungen;

- zeitgerechte Implementierung von Anwendungen;

- Zusammenarbeit mit IV-Grundsatzfragen bei Richtlinien für den Einsatz von Entwicklungswerkzeugen, Datenorganisation und Benutzerführung;

- Zusammenarbeit mit dem Rechenzentrum in Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes;

- Planung der benötigten Mitarbeiter und ihrer Aus- beziehungsweise Fortbildung,

Im Rahmen des Datenmanagement sind unter anderem folgende Aufgaben wesentlich:

- Entwurf des DB-Designs;

- Wartung von Datendefinitionen und Programmspezifikations-Blöcken;

- Leistungsvorhersagen über die Datenbank beim Einsatz neuer Anwendungen;

- Sicherstellen, daß die Datenbankimplementierung mit der definierten Datenarchitektur übereinstimmt.

Das Rechenzentrum gliedert sich in die Bereiche Arbeitsvorbereitung Konsol-Operating, Datenerfassung PeripherieOperating und Systemunterstützung Netzwerk-Management. Der RZ-Leiter trägt die volle Verantwortung für die Produktion", das heißt für die Erbringung des definierten Service.

Gleichzeitig verfügt er über alle Ressourcen, die zur Erreichung des Zieles notwendig sind. Seine wesentlichen Aufgaben:

- Verantwortlichkeit für den Service des Rechenzentrums:

- Vereinbarung von Serviceleistungen fülr die Fachbereiche;

- zeitgemäße Ressourcenplanung aufgrund des Serviceauftrags;

- Zusammenarbeit mit der Anwendungsentwicklung in Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes;

- Planung der benötigten Mitarbeiter und ihrer Aus- beziehungsweise Fortbildung;

- Entwicklung, Implementierung und Überwachung von Standards auf den Gebieten der Produktion und der Sicherheit.

Neben Anwendungsentwicklung und Rechenzentrum gehört zur IV-Abteilung auch der Endanwender-Service (EAS) dessen Aufgabe darin besteht, den Beratungsauftrag des IV-Bereichs zu erfüllen. Die Benutzer werden vom Endanwender-Service bei der Programmauswahl beraten und in allen technischen und organisatorischen Belangen unterstützt.

Die Aufgamben des Endanwender-Services

Der EAS, geleitet vom Leiter Endanwender-Service, gliedert sich zur Zeit in die beiden Bereicheiche Bürokommunikation und Benutzer-Service PCS und Workstations. Die wesentliche Aufgabe dieser Serviceabteilung kann wie folgt beschrieben werden:

- Aufbau einer geeigneten Organisation für den EAS;

- Wachstum und Kapazitätsplanung in Zusammenarbeit mit IV-Grundsatzfragen;

- Beratung von Projekgruppen bezüglich der Aufbau- und Ablauforganisation sowie des Anwendungsdesign bei der Einführung neuer Anwendungen;

- Beratung bei Schulungsmaßnahmen für IV-Techniken in den Fachbereichen;

- Unterstützung der Endanwender bei der Bürokommunikation (Textverarbeitung, Mailboxen, Formularwesen etc.) und der individuellen Informationsverarbeitung mit Hilfe von Datensichtgeräten, Pcs und Workstations;

- Auswahl von geeigneten Produkten für die individuelle IV;

- Fortführung und Aktualisierung der Richtlinien für die Beschaffung und den Einsatz von

Arbeitsplatzsystemen;

- zentrale Verwaltung der Hard- und Software für Arbeitsplatzrechner;

- Errichten und Verwalten einer IV-Bibliothek.

Von der Organisation der Informationsverarbeitung möchte ich jetzt zu den Realisierungsstrategien kommen. Das Zusammenwirken der Vorgehensweisen von IV-Gremium und -Abteilung soll einerseits den Einsatz innovativer Techniken zum Aufbau eines unternehmensweiten Informationssystems ermöglichen und andererseits die Produktivität der vorhandenen Technologien steigern.

Zur Erfüllung der zuvor definierten Aufgaben gründet sich das Procedere des IV-Gremiums auf folgende Strategien:

1. Genehmigung Steuerung und Kontrolle von Projekten, die von den Fachbereichen zur Realisierung neuer Anwendungen beantragt werden.

2. Entwicklung von Richtlinien für die Beschaffung und den Einsatz neuer IV-Technologien, sowie Kontrolle der Einhaltung dieser Richtlinien.

3. Analyse des Informationsund Verarbeitungsbedarfs der Fachbereiche mit anschließender Planung und Realisierung eines unternehmensweiten Informationssystems.

4.Entwicklung von Vorgaben für die Modifikation der vorhandenen IV-Technologien und Anwendungen, von Arbeitsabläufen und Organisationseinheiten für die Integration der Informationsversorgung. Das IV-Gremium kann zur Erfüllung dieser Aufgaben Arbeitskreise installieren und externe Berater hinzuziehen.

Für die IV-Abteilung ergeben sich im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung eines integrierten Informationssystems und die effizientere Verwendung der vorhandenen Techno-

logien folgende Aufgabenschwerpunkte:

1. Unterstützung der Projektgruppen bei Beschaffung und Einsatz neuer Anwendungen;

2. Verbesserung der Anwendungsentwicklung durch den Einsatz neuer Verfahren und Werkzeuge;

3. Einsatz der relationalen Datenbanktechnik unter Berücksichtigung des Client-Multiserver-Prinzips;

4. Unternehmensweite Vernetzung vorhandener Hardware-Ressourcen;

5. Unterstützung der Endandwender, um ihnen die für ihre Arbeit erforderliche Informationsverarbeitung und Datenaufbereitung zu ermöglichen.

Folgende Leitsätze für die Zukünftige Entwicklung des Informationssystems basieren auf einer IST-Aufnahme vom Juli 1991 und beinhalten grundlegende Empfehlungen, die bei Entwicklungen der IV-Technologie berücksichtigt werden sollten. Ziel der konzeptionellen Gestaltung des zukünftigen Informationssystems ist, eine Orientierungshilfe für dessen Aufbau zu geben.

Damit der IV-Bereich auf die teilweise rasanten Entwicklungen des Marktes reagieren kann, ist das konzeptionelle Gerüst des zukünftigen Informationssystems möglichst offen zu gestalten. Eine weitgehende Offenheit - auch bei Einsatz proprietärer Systeme - ergibt sich aus einem modularen Aufbau folgender IV-Komponenten:

- Ressourcen: Hardware, Betriebssystem und Kommunikationssystem;

- Informationen: Datenbasis und Datenverwaltung;

- Anwendungen: Standard und Individual-Software.

Da unser Unternehmen hierarchisch gegliedert ist, ergibt sich eine Orientierung der genannten IV-Komponenten auf die folgenden Ebenen:

Ebene 1: unternehmensweite zentrale Dienste;

Ebene 2: hauptabteilungsbezogene zentrale Dienste;

Ebene 3: arbeitsgruppenbezogene dezentrale Dienste;

Ebene 4: arbeitsplatzbezogene dezentrale Dienste.

Server-Rechner basieren auf Intel-Prozessoren

Das konzeptionelle Gerüst des zukünftigen Informationssystems ist Abbildung 1 zu entnehmen. Die Zuordnung von IVDiensten auf die jeweils zugehörige Ebene der IV-Komponenten ist nicht nur aufgrund funktionaler Aspekte vorzunehmen, sondern richtet sich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und den bereits vorhandenen Ressourcen. So ist zum Beispiel nicht notwendig, für den Einsatz einer neuen Anwendung für eine Hauptabteilung einen Rechner der 2. Ebene anzuschaffen, wenn der übergeordnete zentrale Host-Rechner in der Lage ist, selbst die Anwendung zur Verfügung zu stehen.

Für alle Ebenen des Informationssystems werden bei uns IBM-Rechner oder kompatible Systeme eingesetzt. Ausgenommen von dieser Regelung sind Rechnersysteme für spezielle Anwendungen wie CAD (Computer Aided Design) und Prozeß-Datenverarbeitung. Der Einsatz solcher Rechner bedarf der Zustimmung des IV-Gremiums und der Abstimmung mit der IV-Abteilung.

Arbeitsgruppen, die vorrangig mit einheitlichen Anwendungen arbeiten, benutzen auf

Ebene 3 Unix-Mehrplatzsysteme. Für diese Ebene sind dann Server-Systeme für vernetzte Arbeitsplatzrechner (PCLAN) vorgesehen, wenn Mitarbeiter von Arbeitsgruppen verschiedene Anwendungen für individuelle Problen-Lösungen einsetzen.

Die Server-Rechner basieren derzeit auf Intel-386- beziehungsweise -486-Prozessoren mit Microchannel-Architektur, mindestens 8 MB Hauptspeicher und einem ausreichend großen Festplattenspeicher. Für die Datensicherung werden zur Zeit Bandlaufwerke'für den Anschluß an eine Parallele Centronics-Schnittstelle eingesetzt. Ziel ist eine Datensicherung der Systeme via Token-Ring oder Terminalnetz auf dem Host-Rechner.

Die Ausstattung von Arbeitsplatzrechnern der 4. Ebene regeln die "Richtlinien für die Beschaffung und den Einsatz vo Arbeitsplatzrechnern bei de Stadtwerke Münster GmbH".

Durch die Entscheidung für Hardware von IBM oder für kompatible Systeme ist die Auswahl der möglichen Betriebssysteme zur Steuerung und Kontrolle der Hardware eingeschränkt. Da bei der Hardware Ausnahmen für CAD und Prozeßdaten-Anwendungen zuge lassenwurden, müssen dies Ausnahmen auch für die Wah der Betriebssysteme gelten. Allerdings werden diese Ausnah men nur in Einzelfällen genehmigt, da mit der Anschaffung neuer, bisher, nicht vorhandener Betriebssysteme der Auwand für die Systemwartung und -pflege ansteigt.

Für die jeweiligen Rechner wird ebenenbezogen der Einsatz folgender System-Software an gestrebt:

Ebene 1: Zentralrechner (IB 91211190) VM/ESÄ mit VM/CM sowie VSE ESA;

Ebene 2: Abteilungsrechner VSE/ESA und AIX;

Ebene 3: Arbeitsgruppenrechner VSE/ESA oder AIX (Mehr platzsystem) oder IBM-OS/ (File-Server)

Ebene 4: Arbeitsplatzrechne MS- und PC-DOS

Zum Thema Kommunikation ist zunächst generell zu sage Grundsätzliches Ziel ist die Vernetzung aller Rechner in eine unternehmensweiten Token-Ring-Netzwerk. Die Ablösung des teilweise vorhandene Nicht-SNA-Terminal-Netzwerks des Host-Rechners durch bei SNA-Terminal-Netzwerk wir sukzessive bei erforderliche Erweiterungen des Terminal netzwerkes oder räumliche Umbaumaßnahmen vorgenommen.

Entfernt (remote) stehend Terminal-Steuereinheiten sind über das unternehmensweit Token-Ring-Netzwerk mit eine Übertragungsrate von 4 Mbit den Zentralrechner anzuschließen. Die logische Kornmunikation auf dem Zentralrechner ist Tubes/VTAM und VSE/VTAM.

Für die Kommunikation zwischen Arbeitsplatzrechnern ist ein PC-Netzwerk mit Token Ring-Technologie zu verwenden. Ein File-Server übernimmt die Steuerung der Kommunikation in dem Netz. Alle anzuschließenden Rechner sind mit einem 4/16 Mbit Token-Ring Adapter auszustetten.

Als Netzwerk-Betriebssystem wird der LAN-Server von IBM verwendet. Die PC-LANs lassen sich Über den Filer-Server (als Gateway) an das unternehmensweite Netzwerk anschließen. Eine Kommunikation zum Zentralrechner ist mit dem Communication-Manager der IBM-Extended-Edition zu realisieren.

Ziel ist, daß alle Arbeitsplatzrechner an das Terminal-Netzwerk des Zentralrechners oder an das Token-Ring-Netz angeschlossen werden. Zur Kommunikation mit dem Zentralrechner wird zunächst die 3270-Emulations-Software "Attach-Mate" eingesetzt.

Für die Behandlung der Informationen gelten folgende Leitsätze: Ziel ist die anwendungsunabhängige Verwaltung des gesamten Datenbestandes mit der relationalen Datenbanktechnologie auf der Basis einer Client-Multiserver-Architektur. Die Daten liegen zum einen auf dem Rechner, auf dem sie verarbeitet werden (Client), zum anderen auf dem jeweils übergeordneten System (Server), das die Daten anderen Clients zur Verfügung stellen und die Sicherung der gespeicherten Informationen für die angeschlossenen Clients durchfuhren kann.

Damit wird die Verwaltung der Daten (das Datenmanagement) von den Servern vorgenommen.

Die Clients laden für die Bearbeitung die notwendigen Daten über eine Kommunikations-Schnittstelle vom Server und speichern sie nach der Bearbeitung zurück. Bei diesem Verfahren wird das sogenannte Two-Phase-Commit verwendet, das heißt die auf den Server zurückgespeicherten veränderten Informationen der Clients werden synchron auf allen Server-Knoten durchgeführt, die die betroffenen geänderten Daten vorhalten. Darüber hinaus können die Clients eigene Datenbestände, die nur lokal benötigt werden, eigenständig verwalten und bearbeiten.

In der Übergangszeit werden ebenenbezogen einheitliche autonome relationale Datenbanksysteme eingesetzt. Die Datenbanken verschiedener Ebenen müssen aus Gründen der späteren Integration eine einheitliche SQL-Abfragesprache umsetzen können. Ausgenommen von dieser Regelung sind Datenbanken für spezielle CAD- oder Prozeßdaten-Anwendungen, die jedoch in der Lage sein müssen, SQL-Abfragen umzusetzen. Wie mit den Daten bereits existierender Anwendungen verfahren wird, ist mit Hilfe einer umfassenden Wirtschaftlichkeitsanalyse zu entscheiden.

Zukünftige Anwendungen müssen die relationale anwendungsunabhängige Datenspeicherung berücksichtigen. Die Schnittstelle zu den Datenbanksystemen ist eine unternehmensweit einheitliche SQL-Abfragesprache. Die Benutzerführung innerhalb der Anwendungen (Bildschirmaufbau, Funktionstasten-Belegung und Druckausgabe) ist anwendungsübergreifend einheitlich zu gestalten.

Für die zukünftigen Anwendungslösungen wird vorläufig keine integrierte Gesamtlösung wie zum Beispiel SAP eingesetzt. Aus Wirtschaftlichkeits- und Akzeptanzgründen soll auch in Zukunft für die jeweiligen Problemstellungen

- Standardsoftware gekauft,

- individuelle Programme selbst entwickelt oder

- die Entwicklung individueller Programme bei einem Softwarehersteller in Auftrag gegeben werden.

Anwendungspakete sind komplex und teuer

In dem zuletzt genannten Fall, ist über einen Vertrag mit dem Softwarelieferanten sicherzustellen, daß die Form der Datenhaltung und die Benutzeroberfläche (Ein- und Ausgabemasken, Funktionstastenbelegung) unseren Vorgaben entspricht. Die Anwendungen werden je nach Bedarf auf den Rechnern der verschiedenen Ebenen implementiert. Bei der Zuordnung von Anwendungen auf die Hardware sind vor allem die Wirtschaftlichkeit und die vorhandenen Ressourcen zu beachten.