Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.01.1991 - 

Cap Gemini und Sema bekommen einen neuen Mitstreiter

Origin-Gruppe will Europas DV-Servicemarkt erobern

AMSTERDAM/HAMBURG (bk) - Neue Konkurrenz für Europas führenden DV-Dienstleistungsanbieter Cap Gemini: Die niederländische Origin - ein Joint-venture von Philips mit der Utrechter Beratungsgesellschaft BSO will künftig im internationalen Software- und Servicegeschäft kräftig mitmischen.

Mit großen Zielen und voller Optimismus stellte sich das niederländische Management der zum 1. April 1990 im niederländischen Veldhoven gegründeten Origin Technology in Business Holding jetzt in Amsterdam der Presse vor. Schon im kommenden Geschäftsjahr sollen Gesamteinnahmen von umgerechnet rund 440 Millionen Mark erreicht werden, bis 1993 peilen die Veldhovener die Umsatzmilliarde an. Dann will Origin in Europa auch einen Marktanteil von einem bis zwei Prozent erzielt haben, was einen Platz unter den ersten fünf europäischen DV-Serviceunternehmen bedeuten würde.

Ein Drittel der Belegschaft stammt von Philips

Mit der bislang bestehenden organisatorischen Struktur scheinen diese Ziele nicht zu hoch gegriffen. Schon jetzt verfügt Origin weltweit über 3000 Mitarbeiter, davon 1500 in den Niederlanden, und Tochtergesellschaften in zwölf Ländern darunter Belgien, Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, der Schweiz, Spanien, Taiwan und den USA. In Deutschland greift die Software- und Servicegesellschaft zum 1. Januar 1991 ins Geschehen ein, nachdem bereits zum 1. Oktober 1990 die Origin Information Technology GmbH gegründet wurde. Sie beschäftigt zunächst 100 Mitarbeiter und strebt 1991 einen Umsatz von rund 22 Millionen Mark an.

In Sachen Kunden ist die Origin-Gruppe in der Anfangsphase noch weitgehend von den Geschäften mit "Elternteil Philips abhängig. 1991 wird der Dienstleistungsanbieter allein rund 80 Prozent seines Umsatzes mit dem Eindhovener Elektronikkonzern machen. Philips, mit 50 Prozent an Origin beteiligt, brachte in dieses Joint-venture mit der Utrechter Beratungsgesellschaft BSO, mit der man zuvor bereits jahrelang Projekte realisierte, seinen gesamten Bereich Application and Software Services ein.

Dies spiegelt sich auch in der Mitarbeiterstruktur wider: Allein 1100 der derzeit 3000köpfigen Origin-Belegschaft sind ehemalige Philips-Angestellte. Die Eindhovener stellten zudem den Großteil der internationalen Infrastruktur (Niederlassungen, Kunden). Ziel von Origin ist nun, sich in den kommenden Jahren von Philips abzunabeln und den Kundenstamm kontinuierlich zu erweitern. Mit den Beratungsschwerpunkten Logistik, Operations-Research, Planung und Realisierung von CIM-Konzepten, strategische Informationsplanung, Einsatz von Telekommunikation, Netzwerken sowie Expertensystemen und dem Dienstleistungsangebot, das unter anderem Planung, Realisierung und Einführung von Informationssystemen sowie den Entwurf von Datenbank- und Datenkommunikationssystemen umfaßt, hat der Newcomer vor allem Großkunden im Visier. Ungefähr sechs bis zwölf Monate, so schätzt man in der Chefetage von Origin, werde es dauern, bis man das Vertrauen der Kunden gewonnen habe.

Die restlichen 20 Prozent Umsatz von Origin kommen über die niederländische Software- und Beratungsgesellschaft BSO. Das in Utrecht angesiedelte Unternehmen entstand Mitte der 70er Jahre aus dem Management-Buyout der niederländischen Softwaretochter des amerikanischen Telefonkonzerns GTE. Mit einem Jahresumsatz 1989 von umgerechnet knapp 140 Millionen Mark (laut IDO mauserte sich BSO hinter Branchenführer Volmac (Einnahmen 1989: rund 328,5 Millionen Mark) mittlerweile zum zweitgrößten DV-Dienstleistungsanbieter im Land der Windmühlen. Großprojekte von BSO waren unter anderem die Realisierung eines Logistiksystems für den Hafen von Rotterdam sowie des Entscheidungs- und Simulationssystems zur Steuerung des Sturmflutwehrs in der Oosterschelde.

International allerdings trat die Gesellschaft bis heute kaum in Erscheinung. "Origin", erläutert Johan Vunderink, Hauptgeschäftsführer des neu gegründeten DV-Dienstleisters, "soll BSO nun neben dem nationalen ein internationales Standbein verschaffen. Geplant sei deshalb, vor allem das Wachstum im Ausland zu forcieren. An Akquisitionen aber denken die Niederländer dabei nicht. Vunderink: "Ich halte es für wenig sinnvoll, wie Cap Gemini durch pausenlose Unternehmenszukäufe wachsen zu wollen. Die Eingliederung der neu erworbenen Gesellschaften bringt nur Probleme mit sich und lenkt uns von unserem eigentlichen Geschäft ab." Einzige Ausnahme: das US-Engagement von Origin. Dort werde man in naher Zukunft eine kleine Beratungsgesellschaft kaufen, weil man im amerikanischen Servicemarkt mit bislang 50 Mitarbeitern eindeutig zu klein sei. Die Verhandlungen stehen bereits kurz vor dem Abschluß.

Vunderinks Unternehmenskonzept basiert vielmehr auf der Strategie des Wachstums durch weitgehende Unabhängigkeit der einzelnen Töchter von der Holding. jede Ländergesellschaft wird selbständig und eigenverantwortlich arbeiten, jede einzelne soll ihre eigenen Dienstleistungs- und Marketing-Strategien entwickeln. Dies wiederum, so ist Vunderink überzeugt, werde sich positiv auf das Mitarbeiter-Engagement auswirken, was letztlich der Gruppe den Erfolg beschere. Erläutert Wolfgang Komenda, Geschäftsführer der deutschen Tochter, das Konzept: "Als Origin Information Technology GmbH mit Sitz in Hamburg übernehmen wir die strategische Planung für den deutschen Markt. Das operative Geschäft vor Ort aber wird - wie in allen anderen Ländern - von verschiedenen Profit-Centern bestimmt." Hierzulande wird Origin mit zwei Profit-Centern starten: mit der Geschäftsstelle Nordwest unter der Leitung von Gernot Plön und der Geschäfts. stelle Nordost, der als Managing Director Uwe Pleß vorsteht. Im Laufe des nächsten Jahres sollen zwei Profit-Center hinzukommen - eins im Raum Düsseldorf/Frankfurt und eins in der ehemaligen DDR. Komenda: "In der Bildung neuer Geschäftsstellen, die wir in Eigenregie gründen, liegen die Aufstiegschancen für unsere Mitarbeiter."

Der Drang des Origin-Managements, international überproportional zu wachsen, hat aber auch noch einen anderen Grund. "Je schneller wir uns im Weltmarkt etablieren", betont Lou Geurts, Chief Technical Officer, "desto eher können wir uns auf eigene Beine stellen." Der Vertrag zwischen BSO und Philips sieht nämlich vor, daß sich die Eindhovener aus dem Joint-venture vollständig zurückziehen. John Vunderink: "Dies war die Bedingung von BSO. Philips hat als Hardwarehersteller vom Beratungsgeschäft letztlich keine Ahnung." Letzter Termin für Philips Ausstieg ist der 31. März 1993, beginnen können die Eindhovener damit ab dem 1. April 1991. Als "Gegenleistung" darf der derzeit finanziell schwer angeschlagene Elektronikriese seine bisherige 15-Prozent-Beteiligung an BSO auf einen noch unbekannten Anteil aufstocken.

Nach der Auflösung des Joint-ventures wird auch der Name BSO verschwinden. Geurts: "Geplant ist, BSO mit Origin zu verschmelzen." BSO lasse sich als Firmenname international ohnehin nicht verwenden, da die Abkürzung in anderen Ländern bereits belegt sei. Zumindest bis 1993 aber treten Mutter und Tochter im niederländischen DV-Beratungsgeschäft noch getrennt auf, Vunderink: "Wir machen uns jedoch keine Konkurrenz. Die Betätigungsfelder wurden sauber abgesteckt."

Origins Hauptkonkurrent im europäischen Software- und Servicemarkt ist neben Cap Gemini die britisch-französische Sema Group. Im Bereich "Professional Services", in dem die beiden Kontrahenten aufeinanderstoßen, fuhr Sema 1989 laut IDC einen Umsatz von umgerechnet rund 577 Millionen Mark ein. Realisierten die Niederländer ihre Wachstumsziele, würden sie sich 1993 mit Sema um Platz zwei der größten europäischen Dienstleistungsanbieter streiten. Unbestrittene Nummer eins indes, glaubt auch John Vunderink, wird die französische Cap Gemini bleiben. Der Origin-Chef-. "Mit der ähnlich international ausgerichteten Gesellschaft werden wir wohl kaum konkurrieren können, auch wenn Cip Gemini jetzt erst einmal die vielen Akquisitionen verdauen muß. Vielleicht aber können wir in ihrem Schatten wachsen."