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Nicht mit DOS oder grafischen DOS-Erweiterungen wie Windows vergleichbar

OS/2: Die Version 2.0 erst nach durchlittenen Wartezeiten

17.04.1992

*Bernd Herrlach ist Manager VG, VG Center Marketing bei der IBM Deutschland GmbH in Frankfurt.

In den vergangenen Jahren hat IBM mit OS/2 schmerzvoll Höhen und Tiefen durchlitten, doch das jetzt vorliegende Ergebnis, OS/2 in seiner Version 2.0, ist nicht nur ein neues unter vielen Betriebssystemen geworden, sondern hat sich zur integrierenden Plattform im Rahmen der langfristig angelegten System Anwendungs-Architektur (SAA) entwickelt.

Es ist wichtig zu verstehen, daß OS/2 2.0 nicht vergleichbar ist mit DOS oder grafischen DOS-Erweiterungen wie Windows, mit denen es vielfach verglichen wird. OS/2 ist eine neue Betriebssystem-Generation, die die Funktionalität und Leistungsstärke der 32-Bit-Prozessoren erschließt und sämtlichen grafischen DOS-Front-ends weit überlegen ist. Gleichzeitig aber bewahrt OS/2 2.0 die Verträglichkeit mit den Anwendungen, die ursprünglich für DOS, Windows oder die frühere OS/2-Version neu l.x entwickelt wurden.

Versprechungen gemacht und tatsächlich gehalten

Quer durch Fachpresse und Wirtschafts-Publikationen stößt man immer wieder auf dieselbe Geschichte: IBM verspätet sich mit OS/2.

Im April 1991 versprach IBM, bis Jahresende ein OS/2 2.0 mit der Eigenschaft auszuliefern, DOS- 3.3- oder -4.01-Anwendungen besser zu unterstützen als DOS selbst. Gleichzeitig wurde versprochen, daß OS/2 2.0 typische Windows- 2.x- oder Windows-3.0-Anwendungen um Vorteile des Multitasking, des Multithreading sowie des Virtual Memory Supports erweitern würde. Darüber hinaus wurde zugesagt, daß diese Windows-Anwendungen "native", also ohne Windows selbst installieren zu müssen, unter OS/2 laufen würden. Selbstverständlich sollte OS/2 2.0 kompatibel zu früheren OS/2-Versionen sein. Weitere Zusagen betrafen Funktionen wie "drag-and-drop" und Voraussetzungen die denen des DOS/Windows-Umfeldes entsprechen.

Über 30 000 Teilnehmer des breit angelegten OS/2-Beta-Test-Programmes konnten diese Funktionen bereits im September letzten Jahres in USA und im Dezember 1991 in Europa erproben. Um Wünsche der Beta-Tester hinsichtlich weiterer Funktionen wie "seamless" Windows und Presentation-Manager-Sessions zu berücksichtigen, wurde das Auslieferungsdatum für die US-Version auf Ende März 1992 verschoben. Der Auslieferungstermin der deutschen OS/2 2.0-Version blieb mit Mai (siehe Seite 30) nahezu unverändert. Die Reaktion der Beta-Tester in den USA: ein Ja zu dieser Entscheidung.

IBM OS/2 2.0 ist nicht nur eine weitere hübsche Oberfläche, wie man aufgrund der permanenten Vergleiche mit Windows denken könnte, sondern ein Betriebssystem, das mit anderen Systemen innerhalb eines Unternehmens im Rahmen von Mission Critical-Anwendungen kommuniziert. Hierfür mußte OS/2 von Grund auf neu konzipiert werden, auch gegenüber den Versionen l.x. Was also ist neu?

Der Presentation Manager wurde weiterentwickelt. Verschwunden sind die Restriktionen, Icons innerhalb spezieller Fenster zu definieren. Stellen Sie sich ein Umfeld vor, in dem die meistgenutzten Funktionen wie Drucken, E-Mail oder Löschen als Icons erscheinen.

"Na und", mögen Sie sagen. Stellen Sie sich den Vorteil von gemeinsamen Netzwerk-Directories als simple Icons auf dem Desktop eines Anwenders vor. So ist beispielsweise ein Anwender in der Lage, ohne Kenntnis irgendwelcher Netzwerkdateien durch einfachen Mausklick den neuen Verkaufsbericht anzusprechen. Außerdem sieht der Anwender stets die aktuellen Daten, da die Informationen automatisch im Real-time-Modus von anderen Anwendungen gespeist werden.

Alles auf das "Anklicken" eines Icons reduziert

Endlich sind damit die Tage gezählt, da ein Anwender die richtige Anwendung aufrufen, die lokalen und die Netzwerkdateien durchforsten und kontrollieren mußte, ob er auch wirklich den aktuellen Datenstand berücksichtigt hat. Mit OS/2 wird alles auf das "Anklicken" eines Icons reduziert.

Verständlicherweise werden viele Vergleiche angestellt zwischen OS/2 2.0 und Windows 3.0 beziehungsweise 3.1. Nahezu alle Diskussionen und Betrachtungen reduzieren sich meistens auf die Oberfläche, eine wahrhaft oberflächliche Betrachtungsweise!

Weder Windows 3.0 noch das zukünftige 3.1 nutzen die Vorteile eines echten 32-Bit-Betriebssystems, welche bei OS/2 2.0 zentrale Bedeutung haben, um aktuelle 32-Bit-Prozessortechnologie zu unterstützen. Beide Windows-Versionen sind grafische Oberflächen und ausschließlich Erweiterungen des inzwischen 10jährigen 16-Bit-Betriebssystems DOS. Einer der wichtigsten Vorteile von OS/2 2.0 ist, daß es crash-sicher ist. Mit andern Worten: Wenn auch nur eine der DOS-, Windows oder OS/2-Anwendungen abstürzt, so bleiben alle weiteren Anwendungen intakt.

OS/2 setzt dort auf, wo die DOS-Architektur endet

Stellen sie sich ein Betriebssystem vor, das die Möglichkeiten von 240 DOS-PCs bietet. Wir haben die Designschwäche der DOS-Box aus den frühen l.x-Versionen in OS/2 2.0 korrigiert und können nunmehr 240 unabhängige DOS-Sessions aktivieren. OS/2 unterstützt das I/O-System und erlaubt der jeweiligen DOS-Anwendung mehr als 630 KB Adreßraum, mehr als unter DOS selbst. Dies ist es, was mit "Better DOS than DOS" gemeint ist. Gleichzeitig sind alle Anwendungen gegeneinander gesichert.

Ganz einfach: OS/2 2.0 setzt dort auf, wo die DOS-Architektur endete. Nicht nur bis zu 240 DOS-Anwendungen kann OS/2 konkurrierend bedienen, sie können auch mit weiteren OS/2-, Windows 2.x- und 3.0-Anwendungen unter der sogenannten Workplace Shell des Presentation Manager integriert werden. Obwohl alle diese Anwendungen in ihrem eigenen Fenster ablaufen (einschließlich der Windows-Anwendungen, die nicht länger Full Screen erfordern) können Texte und Objekte mit "Cut Paste" in andere Fenster übertragen werden.

Darüber hinaus existiert selbstverständlich DDE-Unterstützung zwischen OS/2 und Windows-Anwendungen. Ein vergleichbarer Versuch mit anderen grafischen Oberflächen wäre hier sehr aussagekräftig.

OS/2 2.0 berücksichtigt weitere Marktentwicklungen, zum

Beispiel die Notwendigkeit, Informationen beziehungsweise Daten von vernetzten PCs in Anwendungsbereichen wie Multimedia oder Workgroup Computing gemeinsam zu nutzen.

Glaubt man den Marktforschern, so gab es 1989 bereits 690 000 LAN-Datenbankbenutzer weltweit, man erwartete 3,9 Millionen Anwender im Jahr 1992. Gleichzeitig verdoppelt sich die Zahl der Workgroup-Anwender nahezu jährlich, das bedeutet einen Zuwachs von durchschnittlich sieben Datenbankbenutzern 1989 auf 53 Anwender 1992. Mit zunehmender Bedeutung der LAN-Datenbank hat IBM den LAN Server 2.0 mit Blick auf verteilte Datenbanken technologisch ausgebaut. Er unterstützt fortlaufende Fehlerprotokollierung, Plattenspiegelung, Plattenduplexing und dynamische Fehlerbehandlung. In Verbindung mit dem Forward-Recovery der relationalen Datenbank innerhalb der Extended Services 2.0 sind alle Voraussetzungen für ein sicheres LAN-Umfeld geschaffen. Kein anderes offenes Client-Server-Betriebssystem bietet dieselben Möglichkeiten.

OS/2 2.0 bedeutet "IBM-heterogen", das heißt, es verbindet die diversen IBM-Welten auf dem Desktop. OS/2 2.0 und "Netware from IBM" erweitern also das Tor zur heterogenen Systemwelt. Das neue OS/2 präsentiert sich als das vielseitigste unter den Desktop-Betriebssystemen. Es kann den PC via DOS 5.0 im einfachen Text-Modus beziehungsweise via DOS 5.0 mit Windows 3.0 booten. Oder es erscheint als OS/2 2.0 mit der neuen WorkplaceShell für Presentation-Manager-Anwendungen (PM) beziehungsweise als Windows 2.x oder 3.0 für Windows-Anwendungen. Gleichzeitig kann es jedes weitere DOS-Release von 2.x bis 5.0 booten plus DR DOS 6.0 von der Digital Research Inc. innerhalb der OS/2-DOS-Fenster. Natürlich können mehrere DOS-, Windows-, PM- oder neue OS/2-32-Bit-Anwendungen gleichzeitig gestartet und betrieben werden. Die neue Workplace Shell von OS/2 kontrolliert und steuert die unterschiedlichen Betriebssysteme und grafischen Oberflächen sowohl im Background als auch im Foreground.

Mitarbeit der Industrie für neue OS/2-Anwendungen

Zusätzlich zu dieser breiten Verträglichkeit bereits existierender Anwendungen bemüht sich IBM um die Mitarbeit der Industrie für neue 32-Bit-OS/2-Anwendungen. Bekannte Softwarehäuser wie Lotus, Micrografx, Borland, Wordperfect, Oracle und Novell haben ihre Unterstützung seit längerem zugesagt. Erleichtert und beschleunigt wird dieser Prozeß dadurch, daß OS/2 2.0 nicht nur auf IBMs PS/2-Rechner begrenzt ist, sondern wie DOS oder Windows auch auf und für andere PCs angeboten wird.

OS/2 2.0 hat das Stigma der früheren OS/2-Versionen, ein proprietäres Betriebssystem zu sein, verloren. Die simple Prognose lautet: Wer ein 32-Bit-System hat oder wer Anwendungen schreibt, um von 32-Bit-Leistung zu profitieren, wird sich den Support von OS/2 2 0 wünschen.

Eine Entscheidung gegen DOS aus der Gründerzeit

Warum ist da immer noch soviel Begeisterung für Windows? Dafür spricht die Tatsache, daß für viele DOS-Anwender Windows die erste grafische Benutzeroberfläche war und mit der verbesserten Benutzerfreundlichkeit in Windows 3.0 der Eindruck entstand, "das ist es, was die Zukunft ausmacht". Erst bei der Arbeit und mit wachsender Erfahrung und größeren Wünschen werden die Grenzen deutlich, die das darunterliegende 16-Bit-DOS weiterhin setzt. Anwender, die in moderne Software investiert haben, werden OS/2 2.0 als echtes 32-Bit-Betriebssystem interessant finden. Denn eine Entscheidung für OS/2 2.0 ist keine Entscheidung gegen DOS- oder Windows-Software, sondern gegen DOS als PC-Betriebssystem der Gründerzeit und für 32-Bit-Leistung.

Ein Kommentar im "Windows Magazine" über die neue Workplace Shell (WPS) des OS/2 2.0 lautete: "Es ist ein Griff nach den Sternen, das ist leistungsstark, womöglich eine einzigartige Revolution in Benutzerfreundlichkeit."

Dennoch bleibt wohl das am häufigsten diskutierte Thema in der Branche die Zukunft von OS/2 nach dem Motto "Hatte es nicht zuviel Verspätungen? Hat es sein Zeitfenster gegenüber Windows NT oder Unix verpaßt?"

Gerade dieses Zeitargument ist sehr interessant. Woher nimmt die Unix-Szene, die sich in nunmehr fast 25 Jahren in über 200 Derivate verzettelt hat, den Mut, diese "Zeitfrage" zu stellen?

Schauen wir auf die Windows-Szene. Sie wird diktiert von Absichtserklärungen für eine 32-Bit-Entwicklung. Hat OS/2 die Zeit verpaßt, weil das System erfüllte, was es versprach, weil IBM seit 1987 einen Weg definierte, diesen konsequent beschritt und die gegebenen Versprechen einlöste?

Unsere größte Herausforderung ist nicht technischer Natur, sondern eine Frage des Marketing. Es gilt, unsere Kompetenz und Glaubwürdigkeit gegenüber Produkten zu verdeutlichen, die es noch nicht gibt.

Mit OS/2 2.0 lassen sich alle Wege vereinigen

Wenn auch die aktuellen Zahlen sagen, daß viele Anwender dem Windows-Pfad folgen, so lassen sich doch mit OS/2 2.0 alle Wege vereinen. Daher nochmals: Eine Entscheidung für OS/2 ist keine Entscheidung gegen DOS- oder Windows-Anwendungen, sondern gegen das überalterte DOS-Betriebssystem als solches.

Insofern ist es wahrscheinlich, daß das Bestreben, das hinter Windows steht, in Wirklichkeit unserem Angebot helfen wird. Wir akzeptieren Windows. Und das ist auch der Grund, warum wir OS/2 Windows-fähig gemacht haben. Wir bieten den großen Schritt nach vorne, der die zersplitterte Softwarevergangenheit zu integrieren hilft, ohne wieder von vorne beginnen zu müssen.

Open Systems - dieser Begriff wird häufig (nur) mit der Unix-Produktwelt in Verbindung gebracht. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine heterogene Systemlandschaft, in der unterschiedliche Rechner mit unterschiedlichen Systemausprägungen existieren. Damit geht es um Interoperabilität, welche die Unix-Welt mit ihrem Exklusivanspruch für Open Systems zumindest zum Teil nicht erfüllen kann. Offenheit steht für Koexistenz, und hier hat OS/2 2.0 einiges zu bieten. Die tion Manager spielen hierbei eine besonders integrierende Rolle.

Im Rahmen der SAA-AIX-Interoperabilität durchdringen sich inzwischen die IBM-Angebote AIX und OS/2 immer mehr.

Daß beide nebeneinander existieren, ist im Prinzip nur durch die unterschiedliche Vergangenheit bestimmt. Blickt man in die Zukunft, in die sich beide Betriebssysteme aufgemacht haben, so liegt sie gewiß in der weiteren Integration und der nächsten Generation objektorientierter Betriebssysteme.

Einen Einschnitt ohne Integrationsangebot für bestehende Anwendungen und Sicherung heutiger Investitionen wird es jedenfalls nicht noch einmal geben. Diese Zukunft ist ein bewegliches Ziel.

Nach fünf Jahren hat IBM mit OS/2 2.0 endlich ein Produkt, das den heutigen Anforderungen entspricht. Seine Vorteile wollen wir jetzt nutzen und die Spekulationen den nächsten fünf Jahren überlassen. Die Brücke in die Zukunft verlangt jedenfalls, jetzt die Vergangenheit zu bewältigen.