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Die Trennung der PC-Welten ist nicht mehr aufzuhalten , aber:


06.05.1988 - 

OS/2-Türchen zu MS/DOS bleibt vorerst noch offen

Zehn Millionen MS-DOS-Installationen meldet Microsoft zu Jahresanfang 1988, über 10000 MS-DOS-Programme sind auf dem Markt und OS/2 ist in aller Munde. Nach einer relativ eindeutigen Entwicklung, die MS-DOS im Laufe der letzten Jahre zum Standardbetriebssystem für PCs machte, scheint eine Wachablösung anzustehen.

Doch in der Revolution steckt eine Evolution, die die MS-DOS-Investitionen schützt und gleichzeitig der Dynamik der Hardwaretechnologie Rechnung trägt. Die Trennung der beiden Welten ist jedoch vorgezeichnet.

Die PC-Welt, so wie wir sie heute mit MS-DOS als Standard vorfinden (Marktanteil: 95 Prozent), ist erst einige wenige Jahre alt. Vorläufer war eine ungeordnete Basis der ersten PC-Generation, zu der die Apple-II-Systeme sowie diverse CP/M-Maschinen gehörten.

Erst die 16-Bit-Technik kurbelt den PC-Markt an

Charakterisiert ist diese erste Zeit der Computerei im Mikrobereich durch 8-Bit-Prozessoren mit 64-KB-Arbeitsspeichern und einer Vielzahl von unterschiedlichen Bus- und Videoarchitekturen. Vertreter sind der 8080-Prozessor von Intel, der Motorola 6502 oder der Zilog Z80, mit denen es aufgrund der unterschiedlich realisierten Hardware-Architekturen anfangs nicht möglich war, standardisierte Add-ons und Software auf den Markt zu bringen.

Erst mit der zweiten Rechnergeneration, die auf 16-Bit-Prozessoren beruht und 640 KB Hauptspeicherkapazität aufweist, vor allem aber auch durch eine einheitlichere Bus- und Grafikarchitektur gekennzeichnet ist, wurde es sowohl für die Hersteller von Add-ons und Peripherie als auch für Software sinnvoll, Produkte in großem Stil zu entwickeln.

Der Wunsch nach Komfort steigert Software-Komplexität

Zu Beginn dieser Periode, die 1981 mit der Ankündigung des IBM PC und der ersten MS-DOS-Version begann, gab es ganze 25 Applikationen, die zum Großteil von CP/M auf die neue Generation mit dem neuen Betriebssystem portiert worden waren. Im Laufe weniger Jahre entwickelte sich dann der heutige Markt.

Microsofts MS-DOS, das als begleitendes Betriebssystem in den letzten Jahren eine wichtige Rolle in der PC-Historie spielt, stammt aus dieser Zeit. Nicht zuletzt deshalb stößt es mittlerweile in seiner Ausrichtung als Singleuser/Singletasking-System mit einer Design-Zielrichtung für 8086- und 8088-PCs trotz aller Verbesserungen an seine Grenzen.

Zwar läuft das Betriebssystem auch auf 80286- und 386-Prozessoren, aber schon die Fähigkeiten der 286er-PCs werden nicht mehr voll genutzt.

Die Begrenzung auf 640 KB Speicher, 32 MB Harddisk und das Konzept der wortorientierten Benutzerschnittstelle können zwar teilweise durch geschicktes Taktieren umgangen werden, Sie sind aber dennoch dafür verantwortlich, daß dem Wunsch der Anwender nach Komfort der Programme nicht mehr in ausreichendem Maß Rechnung getragen werden kann.

Die Entwicklung eines neuen Betriebssystems, das vor allem auch die Möglichkeiten der dritten Prozessorgeneration voll ausschöpft, manifestiert sich in den aktuellen Überlegungen zu OS/2.

Nach Meinung verschiedener Experten befindet sich die PC-Welt heute wieder in einer ähnlichen Situation wie 1981, wenngleich die starke Akzeptanz des Betriebssystems MS-DOS als Standard für professionelle und private PC-Anwendungen ein sensibleres Vorgehen der beteiligten Hersteller im Wechsel zu OS/2 erfordert.

"OS/2 ist ein Standard, der sich durchsetzen muß", meint Ashton-Tate-Geschäftsführer Ulf-P. Stange, "aber das geht langsamer als erwartet ...". Ähnlicher Meinung ist auch Wolfram Lotz, Vertriebsleiter der Münchner Computerland-Zweigstelle: "OS/2 heißt die Welt, in der wir in drei bis fünf Jahren leben werden".

Gespräche mit Softwareherstellern und Hardwareproduzenten machen deutlich, daß mit Engagement an Entwicklungen für die neue Welt gearbeitet wird. Design-Änderungen in der AT-286er-Klasse zum leichteren Austausch der Prozessorplatine auf einen 386er bei Nutzung der gleichen Peripherie sollen Anwendern zukünftig den Wechsel in die neue Weit erleichtern, erklärt der Leiter Support im Hause Schneider, Hanns-Werner Laaks.

Die Softwarehersteller machen sich über die neue Welt ebenfalls Gedanken. Dennoch, auf Kundenseite spiele der Wechsel zu OS/2 derzeit noch keine große Rolle, konstatiert Lotz: "Lediglich Institute und Entwicklungsabteilungen, nicht aber kommerzielle Kunden beschäftigen sich momentan mit OS/2". Er erwartet den ersten Durchbruch des neuen Betriebssystems im Laufe des nächsten Jahres, wenn die ersten Applikationen auf den Markt kommen und OS/2 dann vor allem die Kommunikationsschiene voll unterstützt. "Anwender mit IBM-Umgebung werden sich dann sehr viel leichter tun", so seine Prognose.

Investitionsschutz derzeit noch vorrangig

Da sich MS -DOS auch im Großkundenbereich als Standard durchgesetzt hat, steht vorerst der Schutz der bislang getätigten Investitionen an erster Stelle in den strategischen Überlegungen der großen Softwarehersteller.

So wird beispielsweise Ashton-Tate Migrationshilfen für den Umstieg von MS-DOS auf OS/2 anbieten und ist davon überzeugt, daß sich die Migration unter dem Strich vor allem bei Großkunden lohnen wird.

Ähnlich ist die Situation bei Lotus. "Unsere Programme werden vor allem die Möglichkeit bieten, unter OS/2 auf MS-DOS-Datenbestände zugreifen zu können" , erläutert Marketingmanager Andreas Zeidler die Strategie seines Hauses.

Die Differenzierung des Softwaremarktes in die drei Intel-Welten 8086/8088, AT-286 und die neue 386er-Welt aber ist nach Aussage von Michael Kausch, PR-Koordinator des Hauses Microsoft, bereits in vollem Gang. So werden auf der einen Seite immer mehr Low-Cost-Produkte auf den Markt gebracht, die Palette von echten Profiprodukten unter MS-DOS wächst gleichzeitig weiter. Mittelfristig aber sollten für die 286er PCs ebenso wie für die 386er OS/2-Programme zum Standard werden.

"Für Microsoft bedeutet das ganz konkret, daß sowohl die MS-DOS- als auch die OS/2-Software in eine Box gepackt werden", meint Geschäftsführer Christian Wedell. Im Moment sei das Haus dabei, dieses Vorgehen für die Programmiersprachen durchzuführen; für Multiplan und weitere Produkte im Applikationsbereich seien entsprechende Upgrades geplant beziehungsweise schon in Arbeit.

Im Hinblick auf MS-DOS sieht Wedell den Sinn für eine Weiterentwicklung des Betriebssystems vor allem auch im Bereich des "Kompatibel-Haltens zu OS/2".

Hierzu zählt er vor allem auch die Möglichkeit für einen MS-DOS-Anwender, sich in OS/2-Netze einzuklinken.

Die Übergangsphase, verunsichert PC-Anwender

Für die Übergangsphase zwischen den beiden Betriebssystemen stehen Vertriebsmanager in Gesprächen mit ihren Kunden aber auch gewisse Verunsicherungen über die nächsten Schritte fest.

Zwar bietet Microsoft mit MS-Windows einen ersten Schritt in Richtung grafischer Benutzeroberfläche an, in dem auch neue Applikationen enthalten sein werden, aber unter DOS mit Windows existieren immer noch verschiedene technisch bedingte Restriktionen, die ein echtes Multitasking auch in Zukunft nicht ermöglichen werden. Diese Grenzen werden erst dann fallen, wenn OS/2 mit dem Presentation Manager kommt.

"Wenn man also von Applikationen spricht, die beispielsweise mehr als 640 KB adressieren, sollte man auf OS/2 mit Presentation Manager warten" , so als Tenor der Entwickler- und Distributorenseite die Aussage von Lotus-Manager Zeidler. Außer dem Austausch der Benutzeroberfläche und der Gewöhnung an die optische Struktur des Presentation Manager bieten sich wohl auch unter der Window-Version 2.0 keine größeren technischen Vorteile auf dem Weg zu echtem Multitasking, da jeweils nur die Anwendung im aktuellen Fenster aktiv ist.

Die Experten stimmen darin überein, daß sich eine Parallelität der MS-DOS und OS/2-Welten für die nächsten drei bis fünf Jahre - auch aus wirtschaftlichen Gründen - herauskristallisieren wird.

Erst allmählich kommen neue Applikationen auf den Markt, die die Möglichkeiten von OS/2 intensiver ausschöpfen und sich komplexeren Lösungsmöglichkeiten zuwenden. Der gesamte Bereich der "Computer-Aided"-Anwendungen, der Expertensysteme, des Desktop-Publishing, vor allem aber auch Vernetzungen im Großkundenbereich bieten sich hier an. Dennoch, obwohl voll auf OS/2 ausgerichtet, werden all diese Programme eine Tür zur MS-DOS-Welt behalten, prognostiziert Zeidler. Die MS-DOS-Welt aber zumindest bleibt in dem Bereich bedeutend, für den sie ursprünglich geschaffen wurde: Singleuser/Singletasking.

Horst-Joachim Hoffmann ist freier Fachjournalist in München.