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Installationszahlen, Software und Preise sprechen für DOS

OS/2 und Unix können den MS-DOS-Thron nicht stürzen

27.07.1990

Das am häufigsten installierte Betriebssystem, MS-DOS, wird nach Ansieht von Fred Seibl* trotz starker Konkurrenz seine dominante Marktposition in den nächsten Jahren behalten - nicht zuletzt aufgrund der neuen Windows-Version 3.0. Der Informatiker zeigt, in welchen Bereichen eine gut bestückte MS-DOS-Umgebung den High-Level-Systemen OS/2 und Unix noch immer das Wasser reichen kann.

Konkurrenten wie OS/2 oder Unix versuchen, die Vormachtstellung von MS-DOS als dem klassischen Betriebssystem für Personal Computer zu brechen. Aber der bereits totgesagte Veteran MS-DOS wehrt sich tapfer. So ist Microsoft mit Windows 3.0 erst kürzlich ein spektakulärer Coup gelungen, der die Lebenszeit von MS-DOS noch einmal auf nicht absehbare Zeit verlängern wird.

Eine ausführliche und hinreichende Abhandlung über die Vor- und Nachteile von MS-DOS gegenüber OS/2 oder Unix würde mit Sicherheit den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Deshalb soll hier versucht werden, Aspekte näher zu beleuchten, die in den nächsten Jahren für die Produktentscheidungen des Anwenders wesentlich sein dürften.

Auswahlkriterien für ein PC-Betriebssystem

Auswahlkriterien für ein professionell einsetzbares PC-Betriebssystem sind unter anderem:

- die Verfügbarkeit von hochwertigen Programmen,

- Bedienbarkeit und Erlernbarkeit,

- eine einheitliche grafische Bedieneroberfläche,

- Performance- und Leistungsgrenzen,

- Hardware- und Speicherbedarf sowie

- Kosten der Gesamtkonfiguration.

Marktumfragen belegen, daß bis 1992 etwa 70 Prozent aller professionell genutzten Personal Computer vernetzt sein werden. In diesem Zusammenhang ergeben sich folgende Fragen zur Beurteilung eines Betriebssystems:

1. Ist das System Netzwerk-tauglich?

2. Kann es auf Arbeitsplatz-PCs im Netzwerk eingesetzt werden?

3. Läßt es sich für den Server im Netzwerk verwenden?

Kein Betriebssystem ist so verbreitet wie MS-DOS. Entsprechend gibt es zu keinem anderen Produkt ein derartig umfangreiches Angebot an Software, Hardware, Literatur, Schulung und Dienstleistung. So stehen Textverarbeitungen, Datenbanken, Tabellenkalkulationen und Möglichkeiten der Grafikverarbeitung zur Verfügung. Entsprechende Produkte sind ausgereift und erschwinglich.

Besondere Anforderungen in den Bereichen CAD oder Desktop-Publishing erfüllen zum Beispiel Programme wie Autocad oder Pagemaker. Bei anspruchsvollen Aufgaben, zum Wechselplatten - bietet der Markt zahlreiche Lösungen. Wird eine einheitliche grafische Benutzeroberfläche gesucht, so bietet sich vor allem Windows 3.0 an.

Mit anderen Worten: DOS reicht für 98 Prozent aller Anwendungsbereiche aus. Und das ist auch das zentrale Problem aller DOS-Konkurrenten. Microsoft hat OS/2 vor ungefähr drei Jahren als Nachfolger von DOS vorgestellt. Anlaß waren einige gravierende Schwächen von MS-DOS:

- keine Nutzung der 80286- und 80386-Prozessoren im protected mode,

- Programmspeicher-Beschränkung auf maximal 640 KB,

- keine Multitasking-Möglichkeiten,

- Fehlen einer einheitlichen grafischen Bedieneroberfläche.

OS/2 bietet all das: Das Betriebssystem läuft im protected mode des 80286-Prozessors - irgendwann wird wohl auch der 80386-Prozessor genutzt werden.

Es kann maximal 16 MB RAM adressieren, ist Multitasking-fähig und verfügt mit dem Presentation Manager über eine einheitliche grafische Benutzeroberfläche. Trotzdem: Bis heute hat es OS/2 nicht geschafft, MS-DOS abzulösen.

Der Hauptgrund der OS/2-Ablehnung liegt wohl in der Inkompatibilität zu DOS: Alle Anwendungen müssen neu programmiert werden, wenn sie die Fähigkeiten von OS/2 ausnutzen wollen. Hinzu kommen die Kosten. Das Betriebssystem erfordert zumindest einen schnellen AT-286 mit einem RAM-Speicher von drei MB, einer schnellen 40-MB-Festplatte sowie VGA-Grafik, um überhaupt lauffähig zu sein.

Multitasking ist prinzipiell eine begrüßenswerte Eigenschaft. Es hat Vorteile, wenn man zum Beispiel parallel zur Textverarbeitung seine Tabelle neu berechnen lassen will - aber welche Sekretärinnen wollen solche Probleme eigentlich lösen?

Benutzeroberfläche und Speicherkapazität sind inzwischen auch in DOS-Umgebungen akzeptabel: Der OS/2 Presentation-Manager präsentiert sich ordentlich - aber Windows 3.0 unter MS-DOS macht optisch noch mehr her. Auch die 640-KB-Speichergrenze ist bewältigt. Unter DOS kann durch ein Expanded Memory schon längst eine Speicherkapazität von bis zu 16 MB genutzt werden - das reicht in vielen Fällen aus.

Unix ist ein relativ altes Betriebssystem für Mehrplatz-Systeme. In jüngster Zeit hat es im PC-Bereich einen starken Aufschwung erlebt. Die Gründe hierfür lagen in der Diskussion über einen Nachfolger für MS-DOS und die Unfähigkeit von OS/2, dieses Erbe erfolgreich anzutreten. Man besann sich auf einen Betriebssystem-Klassiker, nämlich auf Unix.

Inkompatible Derivate sind das Hauptproblem

Eines der Hauptprobleme, mit denen Unix zu kämpfen hat, sind sicherlich die zahlreichen inkompatiblen Derivate: Berkeley, SCO-Unix, Xenix, Sinix, IBM AIX, Apple AUX. Ebenso fehlt es an einer einheitlichen Benutzeroberfläche: Open Look, OSF/Motif, X-Windows oder Nextstep wären hier zu nennen. Mit Unix bindet man sich - im Vergleich zu MS-DOS - zur Zeit noch an einen bestimmten Hersteller. Genau das wollten Unix-Anwender aber ursprünglich immer vermeiden.

Mehrplatz-Fähigkeit ist ein schönes Argument für Unix. Sicherlich kann man zum Beispiel einen Compaq 386 mit SCO-Unix und vier Terminals kaufen, um darauf Word für Unix als Textverarbeitung zu installieren - aber wozu? Ein einfaches PC-Netzwerk leistet genau dasselbe. Außerdem will heute niemand mehr mit einem einfachen Terminal arbeiten. Soll nämlich eine grafische Oberfläche genutzt werden, so reicht ein billiges Zeichenterminal so wieso nicht. Man benötigt teure Grafik-Bildschirme oder gleich PCs.

Verwirrung herrscht derzeit darüber, welches Betriebssystem am Netzwerk-Arbeitsplatz installiert sein sollte. Das Betriebssystem am Arbeitsplatz muß von dem Serversystem unterschieden werden. Welches System am Netzwerk-Server geeignet ist - darüber streiten sich die Experten.

Die Anforderungen sind einfach: Auf den Server muß von mehreren Arbeitsplätzen aus gleichzeitig zugegriffen werden können. Die einzelnen Arbeitsbereiche sollen schnell und parallel bedienbar sein. Der Netzwerk-Server führt keine Anwendungsprogramme aus, sondern verteilt lediglich Programme und Daten an die angeschlossenen Workstations. Deshalb läuft auf dem Server meistens nur ein einziges Programm, das Netzwerk-Betriebssystem.

Hier hat MS-DOS schlechte Karten. Fehlende Multitasking-Fähigkeit, relativ geringe Performance und vor allem mangelhafte Sicherheitsmechanismen machen das System zu einem schlechten Kandidaten für ein Netzwerk-Betriebssystem. Microsoft hat mit dem Produkt MS-Net - bei IBM: PC-LAN) vor einigen Jahren relativ erfolglos Versuche in diese Richtung gestartet.

OS/2 ist hier wesentlich besser geeignet. Das System verfügt über Multitasking-Fähigkeiten und hat keine 640-KB-Speichergrenze. Mit dem OS/2-Programm LAN Manager - bei IBM: LAN-Server) läßt sich ein OS/2-Server in einen Netzwerk-Server verwandeln - mit wesentlich besseren Ergebnissen als sie mit MS-Net entstanden.

Unix bietet als Grundlage für einen Netzwerk-Server ähnliche Vorteile wie OS/2 Beide Betriebssysteme haben aber einen gravierenden Nachteil: Sie sind eigentlich als Universal-Betriebssysteme für "normale" Anwendungen gedacht und nicht als Grundlage für ein Netzwerk-Betriebssystem .

Treiber fressen Arbeitsspeicher

Ein spezielles Betriebssystem nur für Netzwerk-Server bietet Novell mit Netware an. Dabei handelt es sich um ein hochoptimiertes Multitasking-LAN-Betriebssystem. Ein Marktanteil von etwa 70 Prozent zeigt, daß dieses Konzept richtig ist.

An einen Netzwerk-Server, egal ob unter OS/2, Unix oder Netware, lassen sich beliebige Arbeitsplatz-PCs unter DOS, OS/2 und manchmal auch Unix und Macintosh anschließen. Diese Betriebssysteme sind aber unterschiedlich für den Netzwerk-Einsatz vorbereitet: DOS ist ab Version 3.0 grundsätzlich Netzwerk-tauglich.

Dazu sind im allgemeinen jedoch speicherresidente Treiber vom Netzwerk-Hersteller erforderlich, die den Zugriff auf den Server ermöglichen. Je nach Betriebssystem verschlingt diese Software einen kleineren oder größeren Teil des kostbaren 640-KB-Arbeitsspeichers. Das mag ein sehr wichtiger Aspekt bei der Auswahl des Netzwerks sein: Der residente Anteil kann von 10 bis mehr als 200 KB variieren.

OS/2 hat diese Probleme nicht, denn es gibt keine 640-KB-Speichergrenze. Auch bei der Entwicklung von OS/2 wurden Netzwerke bereits berücksichtigt. Microsoft hat dieses Versäumnis bei DOS erkannt und mit Windows 3.0 korrigiert - das Produkt bietet Unterstützung für alle bekannten Netzwerk-Betriebssysteme.

Interessant an Netzwerken ist auch der Aspekt, daß sich alle Betriebssysteme friedlich vereinen lassen. So kann zum Beispiel ein DOS-Rechner auf die Daten eines OS/2 Rechners zugreifen und umgekehrt.

Als Fazit läßt sich feststellen: DOS ist auch für viele professionelle PC-Anwender die beste Wahl. Umfangreiches Programmangebot, leichte Bedienbarkeit, universelle Einsatzfähigkeit, hohe Verbreitung sowie Netzwerk-Tauglichkeit sorgen dafür, daß DOS weiterhin aktuell bleibt. Mit Weiterentwicklungen wie Windows 3.0 wird DOS die nächsten Jahre noch weit verbreitet bleiben.