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06.04.1990 - 

Marktforscher: Server lösen Workstations ab

OSF-Entscheidung für Mach bringt der IBM Unix-Probleme

WASHINGTON (IDG) - Nach einer umfassenden Unix-Studie der Aberdeen Group Inc., Boston/Massachusetts, hat IBMs Unix-Derivat AIX erheblich an Glanz verloren. Die Marktforscher vermissen Multiprocessing-Fähigkeiten, wie sie AT&Ts Unix System V.4 und die Unix-Variante OSF/1 von der Open Software Foundation aufweisen.

Die Entscheidung der OSF, ihr Unix nicht wie geplant mit dem AIX-Kernel sondern mit dem multiprozessorfähigen Mach-Kernel von der Carnegie-Mellon Universität auszustatten, hat das IBM-Unix nach Ansicht der Marktforscher disqualifiziert.

In dem Bericht "Unix Myths and Business Realities", der unter anderem Kurzanalysen über die wichtigsten Uinx-Anbieter enthält, warnen die Marktforscher IBM davor, in der Öffentlichkeit eine eigene Standardisierungspolitik über die Köpfe der Anwender hinweg zu betreiben. Befragungen hätten ergeben, daß Anwender diese Versuche nicht nur registrierten, sondern auch nicht länger über sich ergehen lassen wollten.

Auch mit Digital Equipment gehen die Analysten ins Gericht: "Wir glauben, daß sich DEC Oberhaupt nicht um Standards bemüht. Die verschiedenen Produkte berücksichtigen Standards nur nach den individuellen Interessen von DEC." Als Beleg wird DEC-Präsident Ken Olson zitiert, der gesagt haben soll: "Standards interessieren uns soviel wie russische Lastwagen."

Positiv beurteilt werden die Unix-Systeme von Amdahl, Hewlett-Packard und - mit Abstrichen - Sun Microsystems. Als Kriterien werden unter anderem Zuverlässigkeit, Qualität, Support und Dokumentation angegeben. Am weitesten in der Entwicklung von Unix-Systemen und bei der Unterstützung von Standards sei Hewlett-Packard.

Neben der Beurteilung einzelner Unix-Anbieter bemüht sich die Studie auch um eine Einschätzung des gesamten Unix-Marktes. Auf etwa 13 Milliarden Dollar schätzen die Marktforscher das derzeitige Marktpotential von Unix-Systemen inklusive Hard- und Software. Für 1994 prognostiziert das Unternehmen sogar einen Marktwert von insgesamt 30 Milliarden Dollar. Dann wird Unix nicht mehr in erster Linie auf Workstations, sondern auf unternehmensweit eingesetzten Servern laufen.

In dem Bericht wird der Unix-Hardware-Markt in vier Gruppen unterteilt: Workstations mit Preisen bis zu 50000 Dollar, kleine Server in der Preisklasse zwischen 10000 und 50000 Dollar, regional verwendbare Anwendungsserver, die zwischen 50000 und 250000 Dollar kosten, und unternehmensweit einstellbare Server mit Preisen von über 175000 Dollar. Die größten Marktchancen haben nach Einschätzung der Analysten kleine und unternehmensweit verwendbaren Server.

Auch zu dem Problem der "standardisierung" machen sich die Marktforscher Gedanken. Eine Binär-Kompatibilität über die gesamte Unix-Produktpalette halten sie langfristig für unwahrscheinlich. Allerdings dürften nach Ansicht der Analysten Software-Entwickler von den Standardisierungs-Anstrengungen der Anbieter profitieren. Allein in den letzten beiden Jahren habe sich die Anzahl der verfügbaren Unix-Software nahezu verdoppelt.

"Posix-Komitees werden innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre eine bestimmte Anzahl Standards für Unix und offene Systeme definieren", heißt es in der Studie weiter. Doch auch diese Spezifizierungen werden nach Ansicht der Aberdeen-Autoren nicht zu "interoperablen Systemen" führen.