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08.03.1991

OSF: Keine Anstöße mehr zu erwarten

Der Kolumnist in der CW vom 3. Juni 1988 über die kurz zuvor gegründete Open Software Foundation (OSF): "Es sollen ja erklärtermaßen Produktabsprachen getroffen werden, die sich gegen den Wettbewerb richten. Hier haben wir den Versuch, ein Anbieter-Kartell zu bilden." Wer in den vergangenen Wochen die Diskussion über die Praktiken der OSF verfolgt hat, findet einige Gründe, die die vor mehr als zweieinhalb Jahren geäußerte Vermutung bestätigen. Da beklagen unabhängige Softwarefirmen die wettbewerbsfeindliche Politik der OSF, die darin bestehe, den Source-Code neuester Software-Entwicklungen weit unter Marktwert zu erwerben und weiterzuveräußern. Dem könne, so die streitbarsten Widersacher der OSF, nur mit kartellrechtlichen Maßnahmen begegnet werden (CW Nr. 5 vom 1. Februar 1991: "OSF im Zwielicht"). Die Anschuldigung trifft zwar den Kern, dürfte jedoch kaum zu beweisen sein.

Ob eine Klage jemals Aussicht auf Erfolg hätte, darauf kommt es freilich längst nicht mehr an was zu beweisen wäre. Hat es die OSF-Gruppe noch in der Hand, Unix zu standardisieren beziehungsweise eigenentwickelte Produkte als Quasi-Standards auf dem Unix-Markt durchzusetzen? Um diese Frage geht es doch. Man würde es sich zu leicht machen, versuchte man, die Anti-AT&T-Koalition mit dem Hinweis auf die Nichtverfügbarkeit von OSF-Produkten der Lächerlichkeit preiszugeben. Zugegeben: Der Streit der OSF-Mitglieder untereinander, insbesondere um IBMs AIX-Vorschlag, hat das OSF/1-Projekt verzögert und überdies dem Ansehen der Vereinigung bei den Anwendern geschadet. Von der Hoppla-jetzt-kommen-wir-Stimmung des Jahres 1988, von der OSF-Euphorie bei IBM, DEC, HP & Co. ist edenfalls nicht mehr viel übrig geblieben. Ausschlaggebend für das Ergebnis, das wir gleichwohl haben, nämlich beachtliche Open-Systems-Markterfolge auch ohne ausdrückliches Plazet der OSF, war der innere Zustand der Gruppe indes keineswegs.

Naive Gemüter suchen die Erklärung für das Scheitern der Hegemonialpolitik der OSF darin, daß sich die Unix-Mutter AT&T, gegen die das Zweckbündnis eigentlich gerichtet war, und mit ihr die Herstellervereinigung Unix International (U1) zu weitgehenden Konzessionen bereit gezeigt haben, wodurch viele Streitpunkte entfallen seien. Jeder, der im Unix-Geschäft steckt, weiß, daß es anders ist: Niemand durchschaut mehr die Wechselwirkungen von Pseudo-Standards und Produktentwicklung (OSF contra UI). Die Herstellergruppen müssen vor ihrer eigenen Geschäftigkeit kapitulieren. Auf die Open-Systems-Strategie der Anwender hat das keinen Einfluß. Der Kunde bestimmt mittlerweile, was offen ist. Und: Nicht Panik diktiert das Handeln, sondern das Portemonnaie. Diesen Unterschied verstehen die Anbieter.