Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

26.10.1990 - 

"Praxisfremde Standards stehen der Akzeptanz im Weg"

OSI-Arbeitskreis tritt für anwendergerechte Produkte ein

MÜNCHEN (CW) - Theorie und Praxis sind bei OSI immer noch zwei Paar Stiefel. Um diesem Manko abzuhelfen hat das in Gäufelden ansässige Benutzerforum Count e.V. die Arbeitsgruppe "OSI-Erfahrungsaustausch" gegründet. In Nürnberg fand kürzlich das erste Treffen mit DV-Fachleuten aus elf Unternehmen - davon fünf Banken - statt.

Bei der konstituierenden Sitzung des Arbeitskreises stand nicht die Definition neuer Profile im Vordergrund. Viehlmehr, so Count-Vorsitzender Dieter Steinle, sei der Arbeitskreis initiiert worden, weil die Arbeit der Standardisierungsgremien nicht den Anforderung der Anwender entspreche. In erster Linie will die Gruppe-Pflichtenhefte erstellen. Darin erarbeitete Kriterien sollen den Organisationen als Orientierungshilfe

vorgelegt werden.

An dem Arbeitskreis nahmen auch DV-Fachleute teil, die keine umfassenden OSI-Kenntnisse haben. Berthold Tromm, Teamleiter Systemprogrammierung in der Westdeutschen Landesbank, Düsseldorf, erläutert seine Teilnahme: "Es soll eine Entscheidung herbeigeführt werden, ob wir, beginnend auf der IBM-Architektur, OSI-Produkte einführen, die uns der offenen Kommunikation näher bringen.

Die vertretenen Unternehmen fahren überwiegend auf der SNA- Schiene. Dabei stellt sich der Dateitransfer mit Kommunikationspartnern, wie der Arbeitskreis zeigte, besonders in der Finanz- und Versicherungsbranche als schwierig heraus. Bei den Bankern stehen daher herstellerunabhängige Datenübertragungs-Systeme mit FTAM -Protokoll ganz oben auf der OSI-Wunschliste.

Im Bereich Bürokommunikation nimmt der Message-Handling-Standard X.400 den gleichen Stellenwert ein: "Wir haben insbesondere Probleme, heterogene Umgebung einerseits sowie SNA- und Großrechner-Welt andererseits zu vernetzen", sagt Manfred Roth von der Bonndata Gesellschaft für Datenverarbeitung in Bonn. Der Hauptschwerpunkt liege auf dem Gebiet X.400.

Einer Entscheidung zugunsten von OSI-Produkten steht oft die mangelnde Konformität entgegen. Zwar zweifelt der Arbeitskreis nicht an der Genauigkeit der Prüflabors, doch bisher garantieren zertifizierte Produkte noch nicht eine problemlose Zusammenarbeit.

Manfred Henkel von der Bundesbank nimmt an, daß die einzelnen Eurolabs, wie zum Beispiel das ZZF-Institut Roland in Wiesbaden, unterschiedliche Prüfsoftware benutzen. Die Gruppe will sich deswegen für erkennbare und nachvollziehbare Prüfverfahren einsetzen. Außerdem sollen bei den getesteten Produkten die Schwachpunkte benannt werden, die bei der Interoperabilität auftreten könnten. Bisher sei es Sache des Anwenders, die Komponenten dahingehend zu untersuchen.

Ein weiteres Problem tritt auf, wenn der Kommunikationspartner das bisher funktionierende Produkt durch ein Release ersetzt. Manchmal bleibt dabei die Interoperabilität auf der Strecke. "Da würden Tools helfen", so Manfred Henkel. Drastischer formuliert Dieter Steinle diesen Schwachpunkt: "OSI scheitert, wenn die Werkzeuge nicht da

sind."

Deswegen will die Gruppe einen Software-Prüfstecker für Interoperabilitätstests erarbeiten. Mit normierten Prozessen, die auf den OSI-Schichten 4 bis 7 ablaufen, sollen die Programme getestet werden.

Wie OSI-gerechtes Netzwerk-Management aussieht, darüber hat der Teilnehmerkreis noch keine konkreten Vorstellungen. Auch in den Standardisierungsgremien wird dieser Punkt noch stiefmütterlich behandelt.