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Als Basis dienen strukturelle und funktionale Begriffsfestlegungen


04.05.1990 - 

OSI-Foren weisen den Weg in die Praxis des Netz-Managements

Walter Gora ist Unternehmensberater bei Diebold, Frankfurt

Während die "offene Kommunikation" gemäß OSI-Standard mehr und mehr herstellerspezifische Lösungen ablöst, ist ein "offenes Netzmanagement" bislang noch nicht sehr weit gediehen. Zum Teil sind die vorliegenden Vorschläge auch nicht der Rede wert. Hier werden bisher vorliegende Strukturen eines OSI-Netzmanagements aufgelistet und auf kommende Aktivitäten in diesem Bereich hingewiesen.

In den letzten Jahren hat die ISO damit begonnen, Architektur, Dienste und Protokolle für das Management von offenen Rechnernetzen auszuarbeiten. Unter dem Begriff "OSI-Management" faßt die ISO diejenigen Konzepte und Funktionen zusammen, die die Kontrolle, die Koordinaten und das Monitoring derjenigen Betriebsmittel ("OSI-Ressourcen") unterstützen, welche eine Kommunikation auf der Grundlage der OSI-Standards ermöglichen. Wesentliche Aspekte des OSI-Managements sind dessen Struktur, die Funktionalität, die Management-Informationsbasis, der Fluß von Kontrollinformationen zwischen Prozessen sowie der Austausch von Managementinformationen zwischen verschiedenen Managementinstanzen im offenen System.

Die Realisierung des OSI-Management erfolgt der Sicht der ISO entsprechend durch eine Menge von Prozessen, die entweder in einer Netzkomponente vorhanden sind oder über das gesamte offene Kommunikationssystem verteilt sind. Liegen die Managementprozesse verteilt vor, so kommunizieren sie miteinander auf der Grundlage der OSI-Managementprotokolle.

Die Struktur des OSI-Managements teilt sich auf in

- System Management

- Layer Management

- Layer Operation beziehungsweise Protokoll-Management

Aufgabe des System Management bedeutet, Mechanismen zum Motoring, zur Kontrolle und zur Koordination von Managementobjekten bereitzustellen.

Dies erfolgt, indem der sogenannte "System Management Application Process" (SMAP) auf die Dienste von CMIS "Common Management Information Service" und dem zugeordneten "Common Management Information Protocol" (CMIP) zugreift. Der SMAP ist auf allen Komponenten enthalten, die in das OSI-Management integriert werden sollen. Diese Managementeinheit wird von der ISO als Anwendungsprozeß gesehen, das heißt die zum Informationsaustausch notwendigen Dienste und Protokolldateneinheiten sind der Anwendungsebene gemäß dem ISO/OSI-Referenzmodell angesiedelt.

Als weitere Anwendungsdienste werden vom OSI-Management ACSE (Association Control Service Elements) zur Verbindungskontrolle sowie ROSE (Remote Operation Service Elements) zum Ausführen von Operationen auf entfernten Netzkomponenten eingesetzt. Diese Dienste und Protokolle sind CMIS/CMIP untergeordnet. Die Elemente von SMAP, die miteinander kommunizieren, um die Managementaufgaben realisieren zu können, werden Systems Management Application Entities (SMAE)" bezeichnet.

Das Layer Management beziehungsweise Schichtenmanagement stellt Methoden und Werkzeuge bereit, die die Aktivitäten von Managementobjekten auf den einzelnen Protokollschichten aufzeichnen, kontrollieren und koordinieren. Hierzu werden spezielle Managementprotokolle für die einzelnen Schichten verwendet. Realisiert wird das Schichtenmanagement durch sogenannte Layer Management Entities (LME). Pro Schicht gibt es genau eine LME, die diese Schicht überwacht und dadurch spezifische Informationen, wie Fehler, Änderung von Zustandsvariablen oder Protokolloperationen aufzeichnet und andere Managementinstanzen übermitteln kann. Aufgaben des Schichtenmanagement sind:

- Erfassung und Meldung von Fehlern, die nicht durch eine Protokollinstanz selbständig behoben werden können

- Verwaltung, Zuteilung und Freigabe von OSI-Ressourcen im Auftrag des Systemmanagement

- Abspeicherung von Accounting-relevanten Informationen

Das Protokollmanagement beziehungsweise die sogenannten "Layer Operation" dienen zur Überwachung von Kommunikationsverbindung. Die hierzu notwendigen Mechanismen sind zumeist bereits in den Schichtprotokollen enthalten, wie beispielsweise Fehlererkennung oder Flußkontrolle. Diese Management-bezogenen Aufgaben werden bereits bei den entsprechenden Standards für die Protokolle und Dienste einer Schicht berücksichtigt, so daß das OSI-Management auf diese bereits verabschiedeten Funktionen zurückgreifen kann.

Neben der strukturellen Aufteilung der OSI-Managementaufgaben ist der Funktionsumfang, der für das Management eines offenen Kommunikationssystems zur Verfügung gestellt werden soll, bedeutend. Nach mehreren umstrittenen Versuchen wird von der internationalen Standardisierungsorganisation nunmehr folgende Aufteilung der Funktionalität des OSI-Managements vorgeschlagen. Konfigurationsmanagement (Configuration Management), Fehlermanagement (Fault Management), Abrechnungsmanagement (Accounting Management), Leistungsmanagement (Performance Management) und Sicherheitsmanagement (Security Management).

Die Vorschläge für diese einzelnen Aufgabenbereiche, die auch als Managementklassen bezeichnet werden, befinden sich mit Ausnahme des Konfigurationsmanagements noch in einer frühen Definitionsphase und sind daher an den entscheidenden Punkten zum größten Teil wenig detailliert. Die Funktionalität, die sich die internationale Standardisierungsorganisation für die einzelnen Managementklassen vorstellt, ist im folgenden erläutert. Aufgabe der Klasse "Configuration Management" ist es, Zustandsdaten zu spezifizieren, zu sammeln und zu speichern, den Systemzustand zu überwachen sowie Dienste bereitzustellen, die es ermöglichen, daß die kommunikationsbezogenen Dienstleistungen geladen werden und anschließend kontinuierlich zur Verfügung stehen. Darunter ist beispielsweise das Setzen von Parametern, über die die Betriebsfunktionen des offenen Systems gesteuert werden können, zu verstehen. Weiterhin ist es Aufgabe des Konfigurationsmanagement, die Managementobjekte (OSI-Ressourcen) zu verwalten sowie diese zu initialisieren beziehungsweise im Fehlerfall auf bestimmte Zustandswerte zurückzusetzen.

Beispiele für Managementobjekte sind Kommunikationsverbindungen oder Dienstzugangspunkte ("Service Access Points"), die über das Konfigurationsmanagement aktiviert oder deaktiviert werden können.

Auf Anforderung des Netzadministrators muß das Konfigurationsmanagement Informationen über den aktuellen Zustand des Kommunikationssystems liefern sowie signifikante Änderungen im Systemzustand aufzeichnen und entsprechend weiterleiten können. Weiterhin ist das Konfigurationsmanagement auch für die Zuordnung von Bezeichnungen zu Netzadressen zuständig, damit der Benutzer mit Hilfe verständlicher Namen andere Rechner erreichen oder bestimmte Dienstleistungen aufrufen kann. Neben den symbolischen Bezeichnungen im Netz müssen auch Zugriffsberechtigungen verwaltet werden.

Eminent wichtig: das Fehlermanagement

Das Fehlermanagement ist zuständig für die Aufrechterhaltung des Betriebs im Netz und daher eine der wichtigsten Klassen im Rahmen des OSI-Managements. Bei Fehlern kann einerseits unterschieden werden zwischen abnormen Operationen oder falschen Reaktionen des Systems sowie andererseits zwischen einem Fehlverhalten, das nicht sofort als "harter" Fehler sichtbar wird. Ein derartiges Fehlverhalten kann beispielsweise vorliegen, wenn bestimmte Betriebsmittel (zum Beispiel Kommunikationsverbindungen) zu lange reserviert sind, ohne daß diese Ressourcen genutzt werden. Dadurch können andere Benutzer in ihrer Arbeit behindert oder blockiert werden.

Wesentliche Elemente des Fehlermanagements sind Logbücher, Ereignis- und Alarmmeldungen von einzelnen Systemkomponenten sowie Test-, Diagnose- und Fehlerbehebungsprogramme. Mit Hilfe von Selbsttest-Programmen könnte ein Netzmanagement-System beispielsweise kontinuierlich diejenigen Bestandteile des verteilten Systems überprüfen, die bei einem Ausfall wesentliche Störungen im Gesamtbetrieb verursachen. Es ist allerdings kaum verwunderlich, daß der Standardisierungsprozeß für die Fehlerdiagnose und -behebung kaum Fortschritte macht, da für die Vielzahl unterschiedlichster Komponenten jeweils spezifische Diagnose-Module definiert werden müßten. Dies ist jedoch nicht Aufgabe der ISO-Standards, sondern es werden nur auf abstrakter Ebene Vorschläge für notwendige Funktionen gemacht.

Die automatische Diagnose von Fehlern in einem Netz stellt nicht nur die Standardisierung vor theoretische Probleme, noch schwieriger wird es, wenn dies in einem System von mehreren hundert Knoten realisiert werden soll. Wenn aus unzähligen Zustandsmeldungen und auf der Basis der Ergebnisse von Testprogrammen die Ursache eines Fehlers oder eines Fehlverhaltens gefunden werden soll, ist es zunächst notwendig, daß in einem Netzmanagement-System Wissen über mögliche Ursachen und Auswirkungen vorhanden ist. Für die Repräsentierung von Wissen und für den Schlußfolgerungsprozeß in einer konkreten Situation würden sich prinzipiell wissensbasierte Methoden aus dem Bereich der "Künstlichen Intelligenz" eignen, jedoch steckt deren Anwendung trotz mancher Erfolgsmeldungen noch in den Anfangen. Beispielsweise haben die meisten der mit Hilfe einer Regelbasis arbeitenden wissensbasierten Systeme bereits mit einigen Hunderten von Regeln ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Für einen Einsatz im realen System, von dem die KI-Systeme mit einigen Ausnahmen noch weit entfernt sind, sind jedoch weitaus größere Wissensbasen notwendig.

Konnte ein Fehler oder ein Fehlverhalten diagnostiziert und dessen Ursachen erkannt werden, so gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Fehlerbehebung. Nicht korrekt arbeitende Software kann beispielsweise erneut initialisiert und gestartet werden, oder falls der Objektcode beschädigt wurde, kann dieser von einer anderen Netzkomponente angefordert und transferiert werden. Eine Fehlerbehebungsmaßnahme kann auch darin bestehen, daß eine Netzkomponente stillgelegt und anschließend vom technischen Kundendienst repariert wird

Wie in jedem Rechenzentrum oder größerem Betrieb stellt sich auch in einem verteilten System, das aus einem Netzwerk miteinander verbundener Komponenten (PCs, Workstations, Mainframes oder Drucker) besteht, die Frage nach der Aufzeichnung und Abrechnung der Kosten. Kosten entstehen beispielsweise durch die Anzahl bereitgestellter Verbindungen, die Anzahl übertragener Nutzdaten oder durch die Bereitstellung einer besonderen Übertragungsgüte.

Das "Accounting Management" stellt gemäß der ISO Funktionen zur Verfügung, die

- es erlauben, Kontingente zu vergeben und entsprechende Gebühren zuzuordnen,

- bei der mehrfachen Nutzung bestimmter OSI-Ressourcen "Rabatte" zu vergeben,

- einen Benutzer informieren, welche Kosten er verursacht hat uns seine Kostenstelle entsprechend zu belasten.

Die im Rahmen des Accounting Managements anfallenden Daten können entweder zentral oder dezentral abgespeichert werden. Die gesamten management-relevanten Daten werden beim OSI-Management in einer übergeordneten Management-Informationsbasis (MIB) zusammengefaßt, auf die entweder lokal oder mit Hilfe des "Common Management Information Protocols" (CMIP) zugegriffen werden kann. Ein Beispiel für eine mögliche Abrechnung im Rahmen des Accounting Managements zeigt die Abbildung. Dargestellt ist die Nutzung von unterschiedlichen Netz-Ressourcen für verschiedene Benutzer und Rechner. Derartige Auswertungen dienen einerseits dazu, entstandene Kosten den Verursachern zuzuweisen und schärfen gleichzeitig das Bewußtsein, daß Netzkapazitäten ebenso wie Rechnerkapazitäten in einem zentralen Rechenzentrum nicht umsonst sind.

Die Aufgaben des Performance Management

Eine sehr wichtige Aufgabenklasse umfaßt das Performance Management", welches das Ziel hat, die Leistungsfähigkeit des Netzes und seiner Komponenten untersuchen und im Betrieb gewährleisten zu können. Den ISO-Vorstellungen entsprechend werden vom Performance Management folgende Funktionen bereitgestellt:

- Sammeln von statistik-relevanten Informationen

- Abspeicherung und Überprüfung der Logbücher, die über den Systemzustand Aufschluß geben

- Bestimmung der Leistungsfähigkeit des Systems unter normalen und künstlichen Bedingungen

- Überwechseln in einen anderen Systemmodus, sofern dadurch eine höhere Leistung erzielt werden kann

Generell ist es notwendig, Messungen an Netzobjekten im Rahmen des Leistungsmanagements vorzunehmen, wie beispielsweise die Antwort- und Verzögerungszeiten bei der Kommunikation zwischen OSI-Ressourcen. Basierend auf diese Messungen können Engpässe festgestellt werden und durch die Modifikation leistungsrelevanter Parameter ein "Tuning" des Netzes vorgenommen werden.

Aussagekräftige Statistiken ergeben sich beispielsweise aus Verteilungen der Netzlast bezüglich der Tageszeit und der die Last erzeugenden Systeme. Ein Ergebnis von derartigen Untersuchungen kann sein, daß die netzweite Datensicherung in den Nachtstunden erfolgen sollte. wenn das Kommunikationssystem nahezu unbelastet ist. Wichtige Aussagen können auch durch den Vergleich der Verlustrate von Paketen mit der Anzahl von "Acknowledgements" gewonnen werden. So kann für das jeweilige Netz die geeignetste Bestätigungsform ausgewählt und gleichzeitig die Last verringert werden.

Aussagen über die Leistungsfähigkeit

Ein wichtiges Hilfsmittel im Rahmen des Performance Managements sind die sogenannten "Workbenches", die Maße für die Leistungsfähigkeit eines Systems definieren. Allerdings gibt es bereits bei der Bewertung eines Rechensystems unzählige Workbenches, die sich zumeist nur unzureichend auf die Situation in einem Rechnernetz übertragen lassen. Neben den Workbenches, die Messungen im realen System als Grundlage haben, sollte es auch möglich sein, mathematische Modelle aufstellen zu können, mit denen die Leistungsfähigkeit einer bestimmten Netzkonfiguration oder Protokollarchitektur vorhergesagt werden könnte. Derartige Methoden werden bereits seit Jahren beim Entwurf neuer Rechnersysteme eingesetzt und haben sich dort zur Leistungsvorhersage bewährt. In Rechnernetzen bestimmen jedoch viele weitere Faktoren die Leistungsfähigkeit des gesamten verteilten Systems, so daß die bisherigen mathematischen Modelle weiter entwickelt werden müssen, um den neuen und zumeist auch komplexeren Anforderungen genügen zu können.

Obwohl eine gemeinsame Bewertungsbasis verschiedenster Systeme die Grundlage für die Leistungsanalyse eines gesamten Netzes darstellt, befinden sich die hierzu notwendigen theoretischen Vorarbeiten noch weitestgehend in der Anfangsphase. Praktische Erfahrungen mit der Leistungsfähigkeit großer offener Systeme, die nicht nur Demonstrations- oder Forschungsobjekte sind, liegen zu dem nur unzureichend vor.

Die im Rahmen des OSI-Managements zuletzt aufgeführte Klasse, die jedoch in der letzten Zeit eine besondere Bedeutung bekommen hat, ist das "Security Management". Prinzipiell ist die Problematik der Datensicherheit einer der Schwachpunkte des OSI-Modells und der zugeordneten Protokollstandards, da hier das Konzept offener Systeme, das heißt Systeme, deren Protokolle und Schnittstellen allgemein bekannt sind, mit dem notwendigen Verbergen von Informationen kollidiert.

Neue Protokolle entwickeln oder die alten erweitern?

Aufgabe des "Security Managements" ist es, diesen Konflikt zu beheben, indem Applikationen, die auf OSI-Kommunikationsdienste zugreifen, Sicherheitsfunktionen zum Schutz vor unerwünschten "Lauschangriffen" oder Manipulationen an den Daten zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus sind Funktionen notwendig, die sicherheitsrelevante Informationen verteilen sowie Ereignisse, die sich auf die durchgeführte oder vermutete Verletzung von schutzwürdigen Aspekten der Kommunikation zurückführen lassen, aufzeichnen und zu Berichten zusammenfassen.

Auch bei der Verschlüsselung von Informationen gibt es noch mehrere Problembereiche. So sind beispielsweise Verschlüsselungsmethoden notwendig, die einerseits einen potentiellen Angreifer vor unüberwindliche Schwierigkeiten stellen sollen auf der anderen Seite sollte allerdings auch der zur Verschlüsselung und anschließenden Entschlüsselung notwendige Rechenaufwand minimal sein. Prinzipiell unklar ist auch noch, welche Daten überhaupt verschlüsselt werden sollen, denn nicht bei jeder Anwendung fallen sicherheits-relevante Informationen an. Beispielsweise hat es wenig Sinn, in einem CIM-Netz (Computer Integrated Manufacturing) zur Steuerung von Automatisierungskomponenten zeitaufwendige Verschlüsselungsmethoden einzusetzen. Im Bereich von Banken oder beim Austausch von Geschäftsdaten sind solche Mechanismen absolut notwendig.

Wer ist für die Verschlüsselung zuständig

Noch heftig diskutiert wird auch die Frage, in wessen Zuständigkeit der Anstoß zur Verschlüsselung sowie der anschließend notwendige Verarbeitungsprozeß liegt, beim Anwender oder bei der Kommunikationssoftware. Weiterhin ist ebenfalls noch in der Diskussion, ob neue Kommunikationsprotokolle für eine sichere Übertragung (im Sinne der Datensicherheit) entwickelt oder ob die bestehenden OSI-Protokolle lediglich erweitert werden sollen.

Insgesamt hat die ISO mittlerweile erkannt, daß die gesamten Belange der Datensicherheit nicht nur anwendungsbezogen sind und durch reine Management-Aktivitäten kaum lösen lassen. Aus diesem Grund wurde eine eigene "Security Architecture" für offene Systeme definiert, die als Standardvorschlag ISO 7498 Teil 2 veröffentlicht ist. Die Bedeutung, die die internationale Standardisierungsorganisation diesem Thema beimißt, läßt sich auch daraus erkennen, daß im Teil 1 von ISO 7498 das ISO-Referenzmodell normiert wurde.

Vergleicht man sich die Standardentwürfe für die Administration offener Netze mit den zu Beginn dieses Artikels aufgestellten Anforderungen, so ist leider festzustellen, daß erst wenige kleine Schritte im Hinblick auf ein umfassendes Netzmanagement gemacht wurden. Dies kann einerseits mit der Komplexität des gesamten Themenfeldes begründet werden, andererseits stellt sich die Frage nach praktischer Angemessenheit und Umsetzbarkeit der vorliegenden Normvorschläge, beispielsweise zum Fault Management oder zum Performance Management.

Die ISO hat lediglich die Möglichkeit, Standards zu empfehlen, eine verbindliche Vorschrift ist dies nicht. Dies bedeutet auch, daß sich nur diejenigen ISO-Normen am Markt durchsetzen werden und zu konkreten Produkten führen, die nicht nur theoretisch fundiert sind, sondern deren Praxisbezug deutlich ist.

Papiere der ISO äußerst abstrakt

Leider sind die Netzmanagement-Papiere der ISO zum Teil derart abstrakt, daß eine Abbildung in eine konkrete Systemumgebung äußerst schwierig ist. Genau dies ist jedoch notwendig, damit reale Objekte überwacht und administriert werden können. Zahlreiche Vorschläge zum OSI-Netzmanagement, die im Rahmen der ISO erarbeiten wurden, sind deshalb nicht einmal das Papier wert, auf dem sie stehen. Dies ist auch daran erkennbar, daß zum selben Thema immer wieder neue Vorschläge kommen, so zur Managementarchitektur oder zu der funktionalen Aufteilung der Managementklassen.

Ein weiteres Problem stellt sich im Rahmen des Netzmanagements, wenn von der abstrakten Definition von Objekten auf konkrete Systeme übergegangen werden soll. Um diese Entwicklung zu unterstützen und selbst aktiv voranzutreiben wurde im Juli 1988 das OSI/Network Management Forum von den Firmen AT&T, Amdahl, British Telecom, Hewlett-Packard, Northern Telecom, Telecom Canada, STC und Unisys gegründet. Mittlerweile haben sich mehr als 70 Unternehmen im OSI/NM-Forum zusammengefunden. Ziel des Forums ist es, standardisierte Netzmanagement-Dienste, -Protokolle und -Objekte für den lokalen Bereich wie auch für den Telekommunikationsbereich zu propagieren. Weiterhin hat man sich vorgenommen, in Bereichen, in denen die Standardisierungsarbeit bislang nur wenig Erfolg gezeigt hat, neue Akzente zu setzen und selbst Vorschläge zu erarbeiten.

Neben dieser dringend notwendigen Grundlagenarbeit wird auch die praktische Umsetzung derart vorangetrieben, daß man im Herbst 1990 auf einem gemeinsamen "OSI/NM Forum Showcase 90" den Einsatz der Standards im Rahmen einer Multi-Vendor-Demonstration zeigen will. Bei der Umsetzung der Netzmanagement-Vorschläge in konkrete Systeme zeigen sich aber auch beim OSI/NM Forum die Grenzen einer herstellerübergreifenden Zusammenarbeit. Zwar ist man prinzipiell gewillt, Standards zu unterstützen, doch wenn es darum geht, seine eigenen Produkte derart offenzulegen, daß jeder andere diese kontrollieren und überwachen kann, haben die meisten Hersteller erhebliche Schwierigkeiten.

Diese Schwierigkeiten sind nicht zuletzt auch in Prognosen begründet, die für Netzmanagement-Produkte einen Markt von zwei Milliarden Dollar im Jahre 1993 voraussagen. Jeder möchte an diesem Markt teilhaben, jedoch nicht unbedingt passiv, sondern aktiv. Dies bedeutet, daß gefordert wird, die Schnittstelle und Zugriffsmöglichkeiten in Fremdsysteme offenzulegen, selbst hat man jedoch damit erhebliche Schwierigkeiten.

Abschließend läßt sich feststellen, daß Netzmanagement zu einem der wichtigsten Themen der nächsten Jahre werden wird. Ohne ein effektives und effizientes Management können keine großen verteilten Systeme in Zukunft mehr betrieben werden Auch wird zunehmend eine Integration der Managementfunktionalität zwischen lokalen Netzen und der ISDN-basierten Telekommunikation stattfinden.

Dienste, Methoden und Tools

Zunächst erstreckt sich dieser Bericht auf grundlegende Begriffe im Rahmen des Netzwerk-Managements. Dabei handelt es sich zum einen um das System Management, das Layer Management und das Layer Operation beziehungsweise Protokoll-Management und den diesen drei Ebenen zugeordneten Dienste, Methoden und Tools. Neben dieser strukturellen Einteilung widmet sich diese erste Folge den beiden von der internationalen Standardisierungs-Organisation vorgeschlagenen Funktionalitäten Konfigurations-Management und Fehlermanagement.

Abrechnung, Leistung und Sicherheit

Dieser Teil des Artikels setzt sich mit den wichtigen OSI-Funktionalitäten eines Netzmanagementsystems auseinander. Nachdem "im ersten Streich" die Bereiche Konfigurations-Management und Fehlermanagement "erschlagen wurden", geht der Artikel in seiner Fortsetzung auf das Abrechnungsmanagement, das Leistungsmanagement und das Sicherheits-Management ein. Des weiteren werden hier mit dem OSI/Network Management Forum und "OSI/NM Forum Showcase 90" zwei wichtige Bemühungen aufgezeigt, die dazu dienen das ISO-Netzwerk-Management mit mehr Leben zu erfüllen. Ebenfalls zur Sprache gebracht werden die vielen auf diesem Gebiet noch ungelösten Schwierigkeiten.

Dezentrales Management

Die Aufgabenbereiche, die ein Netzmanagement-System unterstützen sollte, umfassen viele Aspekte:

- Planung und Initialisierung des Kommunikationssystems sowie der daran angeschlossenen Systeme,

- Überwachung und Kontrolle unterschiedlicher Betriebsmittel, wie beispielsweise Drucker, Magnetbandgeräte, Netzzugänge und Programme,

- Netzweite Erfassung und Abspeicherung von Daten, Ereignissen und

Informationen, wie beispielsweise die Anzahl gesendeter Pakete, die Anzahl mißlungener Übertragungsversuche, Systemabstürze, der Lastverlauf im Netz und den Systemkomponenten,

- Bereitstellung einer komfortablen und gleichzeitig mächtigen Schnittstelle zum Netz und zu den einzelnen Netzkomponenten, beispielsweise auf der Basis einer grafikorientierten Workstation,

- Unterstützung von komplexen Auswertungen und Analysen basierend auf den aufgezeichneten Informationen, beispielsweise Analyse von Fehlerhäufigkeit oder Diagnose von Rechnerabstürzen,

- Bereitstellung von Werkzeugen, die die Wartung des Netzwerkes und der angeschlossenen Komponenten erleichtern und unterstützen helfen oder eventuell sogar vollständig automatisieren können,

- Planung von Erweiterungen oder Ergänzungen des Netzwerkes beziehungsweise seiner Einzelkomponenten.

Die Aufgabengebiete, die durch ein Netzmanagement-System abgedeckt werden sollen, umfassen die Planung, Konfiguration und Initialisierung des Systems, die Aufrechterhaltung des Netzbetriebs, die Unterstützung bei Wartung und Fehlersuche sowie das Auswerten des Systemverhaltens.

Weiterhin ist beim Entwurf eines Netzmanagement-Systems zu berücksichtigen, daß bei der Planung, Überwachung und Kontrolle von großen Systemen erhebliche Daten- und Informationsmengen entstehen. Die Überprüfung und Analyse dieser Datenmengen überfordert den einzelnen Administrator, so daß eine entsprechende Rechnerunterstützung notwendig ist.

Aufgrund dieser Tatsache ist ein System erforderlich, das auch in der Lage sein muß, selbständig, also ohne explizite Veranlassung eines Bedieners, kritische Situationen oder Fehler zu erkennen und die Ursachen für Engpässe und für das beobachtete Fehlverhalten zu analysieren sowie entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Walter Gora