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11.08.1989 - 

ISO und OSINetwork Foren arbeiten an Spezifikationen für offene Netzverwaltung

OSI-Netzmanagement: Die Organisationen verstärken den Druck auf die Anwender

MÜNCHEN - Der Ruf der Anwender nach OSI-Netzmanagementsystemen wird immer lauter. Trotzdem zögern Hersteller ihre OSI-Aktivitäten hinaus, um die User bei der Stange zu halten. Diesen Quertreibern will das "OSI/Network Management Forum" - ein Konsortium aus Usern und Herstellern - jetzt durch forcierte Standardisierung das Handwerk legen.

Die Jahrestreffen des "OSI/Network Forum" und der "International Communications Association" sowie die "Network Management Solutions '89 Konferenz" haben die Klagen über fehlende OSI-Netzmanagementsysteme mehr denn je aufleben lassen. Grund: Die Führungsetagen fordern von ihren Netzmanagern zunehmend kompatible und zuverlässige Netze. Deren Realisierung mit Hilfe integrierter, systemübergreifender und kostengünstiger Netzmanagementsysteme ist aber in weite Ferne gerückt. Systeme dieser Art sind weit und breit nicht in Sicht, weil zahlreiche Hersteller mit einer "Hinhaltetaktik" verfahren, um ihre Marktanteile zu sichern und ungestört möglichst lang den Rahm abzuschöpfen. Sie versprechen den Usern zwar benutzerfreundliches Netzmanagement, von Lieferterminen aber keine Spur.

Prototypen frühestens im Herbst 1990

Frühestens im Herbst 1990 sei Angaben von Herstellern und Experten zufolge mit Prototypen netzübergreifender Managementsysteme auf der Basis von OSI-Entwürfen zu rechnen. Nach Ansicht der Netzkoordinatoren viel zu spät, denn bis diese Vorläufer Marktreife erlangen, wird weitere wertvolle Zelt verstreichen. Dringender Handlungsbedarf zur "Netzneuordnung" besteht in vielen Unternehmen aber schon heute, weil Investitionen anstehen und die Weichen rechtzeitig in Richtung OSI gestellt werden sollen.

Die Netzmanager sind daher in der Zwickmühle. In herkömmliche Managementsysteme wollen sie nicht mehr investieren, eigene Lösungen zu stricken ist für die meisten zu zeit- und kostspielig, und schließlich ist vielen das Risiko zu groß, 1990 auf Prototypen zu setzen, die auf der Basis noch nicht von der ISO abgesegneter Standards arbeiten. Infolgedessen werden in naher Zukunft nur wenige Unternehmen den Schritt zur Umrüstung des Netzequipments auf OSI wagen, und stattdessen ihre Multivendor-Netze halbherzig mit den bestehenden Managementsystemen weiterfahren.

Aus diesem Teufelskreis will das "OSI/Network Management Forum" für alle Beteiligten einen Weg bahnen. Ziel des Gremiums ist, gemeinsam Umgebungen für OSI-konforme Netzmanagement-Applikationen zu definieren. In den vergangenen zehn Monaten hat das Forum eigenen Angaben zufolge rund 60 Mannjahre Arbeit in die Forschung und Entwicklung solcher Anwendungen gesteckt. Resultat: Bisher wurden bereits zwei Spezifikationen für Applikationen publiziert.

Herstellerspezifische

Infos an OSI-Systeme

Die Anfang des Jahres herausgegebene "Protocol-Specification" regelt, wie Entwickler das "Common Management Information Protocol" (CMIP) der OSI einsetzen müssen, um Daten zwischen verschiedenen Managementsystemen austauschen zu können. Die "Application Services Specification", legt Message-Formate fest. Damit können herstellerspezifische Managementsysteme Informationen über Netzauslastung, Alarmmeldungen oder Konfigurationsdaten an OSI-Systeme weiterleiten, die mit CMIP arbeiten.

Nach Ansicht von Ian Sugarbroad, Vizepräsident für Netztechnik bei Northern Telecom sowie Mittelsmann zwischen dem Forum und anderen mit Standards befaßten Organisationen, versetzt die Anwendung beider Spezifikationen die meisten Mitglieder des Forums schon jetzt in die Lage, experimentelle Applikationen zu schreiben.

IBM und DEC lassen sich hofieren

Die Arbeit des Forums wird von vielen Herstellern und Anwendern in ihrer Bedeutung offensichtlich hoch eingeschätzt, wie die Beitrittsstatistik belegt. Immerhin ist die Zahl der Mitglieder seit der Gründung von acht auf heute 70 Members gestiegen. Jüngste Teilnehmer sind die General Datacomm Industries, Tandem Computers und France Telecom. Von der DV-Prominz lassen sich zur Zeit IBM und DEC ganz im Stil großer Divas hofieren. Sie knüpfen ihren Beitritt noch an Bedingungen.

Eine Forderung der beiden Riesen wurde bereits erfüllt. Sie hatten von dem Gremium verlangt, seine Aktivitäten und Ergebnisse mit anderen Standardorganisationen abzustimmen, - insbesondere mit der "Standards Promotion and Application Group" (SPAG) sowie der "Cooperation for Open Systems" (COS). Ein Kooperationsvertrag mit beiden europäischen Organisationen wurde im Juni geschlossen. Mit dem Beitritt Big Blues wird daher in Kürze gerechnet, obwohl IBM gerne noch eine Satzungsänderung in Sachen "Recht am geistigen Eigentum" sehen würde. DEC, so glauben Insider, wird dem Forum dagegen vorerst noch die kalte Schulter zeigen.

ISO und Network Forum forschen Schulter an Schulter

Die Offenheit des "OSI/Network Management Forums" wird ferner durch die Zusammenarbeit mit der ISO dokumentiert. Gemeinsam entwickeln beide Institutionen zur Zeit drei weitere Message-Formate: Eines für Performance-Management, um Antwortzeiten messen zu können; eines für Accounting-Management zur Prüfung der Netzauslastung, sowie ein Format für Security-Management, das den unbefugten Zugriff auf Managementsysteme verhindern soll. Darüber hinaus suchen das Forum und die ISO nach einem einheitlichen Weg, Managementinfomationen in einen verkürzten Objektcode zu packen. Aufgabe des Systems ist, den Code umzuwandeln und die Information dem User zu signalisieren.

Eine komplette Code-Liste wird von ISO-Experten für 1992 erwartet, die Message-Liste soll bis 1993 fertiggestellt werden. Vorläufer der Objektcodes auf der Grundlage der OSI-Entwürfe will das Forum Ende des Jahres veröffentlichen.

Angesichts der Dynamik, mit der die Standardisierung vorangetrieben wird, geraten die Hersteller jetzt unter Zugzwang. Von daher könnte sich der "Beitrittsboom" der letzten Wochen in das "OSI/Network Management Forum" erklären, denn kaum ein Hersteller kann es sich jetzt noch leisten, Passivität bei der OSI-Entwicklung nachsagen zu lassen. Abgesehen davon haben die ISO und das Forum (auch andere Organisationen) mit ihren Intitiativen endgültig zum OSI-Aufbruch bei Managementsystemen geblasen. Hersteller werden sich deshalb von nun an kaum mehr ein plausibles Alibi für unnötige Verzögerungen einfallen lassen können.

Außerdem wäre es für Unternehmen im Zuge der allgemeinen OSI-Aufbruchsstimmung sinnlos, Standards in spe zu ignorieren und nicht auf den OSI-Zug aufzuspringen.

Bis der Zug aber volle Fahrt aufgenommen hat, werden Netzmanagementsysteme wie Netview von IBM oder der Accumaster von AT&T Hochkonjunktur haben. Sie gehören zu jenen Systemen, denen OSI ein rotes Tuch ist, weil es einen Strich durch die Rechnung bestehender Marktanteile machen könnte. Sie zählen aber auch zu jenen Systemen, die mit OSI-Kompatibilität eine Brücke zum offenen Netzmanagement schlagen könnten. IBM hat immerhin für das nächste Jahr CMIP angekündigt, ob es kommt bleibt abzuwarten.