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01.09.1995

Ostdeutscher Rundfunk visiert das papierlose Studio an

POTSDAM (ms) - Rund 600 Mitarbeiter sorgen beim ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) fuer einen stoerungsfreien Sendebetrieb: Von Potsdam-Babelsberg aus werden taeglich ein TV-Programm und drei Hoerfunksender ueber den Aether geschickt. Gemanagt wird das Ganze mit Hilfe von Informationstechnik. Kuenftig sollen auch die regionalen Studios der Brandenburger Sendeanstalt digitalisiert werden.

Mit der Aufloesung des staatlichen Rundfunks der DDR am 31.Dezember 1991 und der nicht realisierbaren Idee eines Dreilaenderverbundes, der die Senderegionen Berlin, Brandenburg und Mecklenburg- Vorpommern verbinden sollte, entschieden sich die Brandenburger Landesvaeter fuer die Gruendung einer eigenen Rundfunkbasis.

Auf dem Gelaende der nach dem Zweiten Weltkrieg gegruendeten Deutschen Film AG (Defa) in Potsdam-Babelsberg fand man die passenden Gebaeude. Mehr als zehn Millionen Mark - die Anschubfinanzierung von acht Millionen Mark kam von den Konten des aufgeloesten Deutschen Fernsehfunks - wurden in die neue Sendezentrale investiert.

Der ehemalige technische Direktor des DFF und heutige Chefingenieur des ORB, Ralf Lenk, erinnert sich an den Wendepunkt im Herbst 1991: "Mit einer Handvoll Leute und ohne feste Arbeitsvertraege mussten wir in zehn Wochen den Ostdeutschen Rundfunk zum Laufen bringen."

Heute gehoere der ORB zu den "am modernsten ausgestatteten Sendern in Deutschland". Wenn man auch die "kleinste und aermste" oeffentlich-rechtliche Anstalt innerhalb der ARD sei und mit geringen Mitteln auskommen muesse: "Von Beginn an schreiben wir schwarze Zahlen." Und das ohne Partner und finanzielle Hilfe, wie sie beispielsweise Radio Bremen oder der Saarlaendische Rundfunk als Finanzausgleich von den reichen Sendern bekaemen.

Fuer das Plus in den Buechern der Potsdamer sorgen vor allem die rund 2,6 Millionen "puenktlich zahlenden Kunden", heisst es. Sie brachten den groessten Anteil der im letzten Jahr bei der 600koepfigen Sendeanstalt verbuchten Einnahmen von 260 Millionen Mark.

Wenn das limitierte Budget des Teams auch keine grossen Spruenge zulaesst, um die Programme aller Sender zu planen, Nachrichten zu verteilen und Werbeschaltungen zu disponieren, nutzen die Babelsberger moderne IT-Systeme. Kern des Netzes unter Novell (Ethernet und FDDI-Backbone) sind zwei Sparc-Server von Sun (unter Unix) mit insgesamt 378 MB Hauptspeicher und 50 GB externer Kapazitaet. Angeschlossen sind rund 200 PC-Arbeitsplaetze.

Fuer die Sendeplanung, Archivierung sowie den Eingang von Jingles etc. nutzen die Mitarbeiter die Software "D'accord" von der Hamburger Management Data GmbH. Eine Besonderheit sei das Modulpaket "Digitales Hoerfunkstudio". Alle ankommenden Informationen werden nur noch in digitaler Form auf den Servern abgelegt. Herkoemmliche Technik wie Bandmaschinen, Bearbeitungstische sowie Mischpulte gehoert der Vergangenheit an.

Auch in den regionalen Studios Cottbus, Frankfurt an der Oder, Prenzlau und Perleberg "werden wir unseren Hoerfunk digitalisieren", erklaert Gerry Wolf, stellvertretener DV-Leiter in Babelsberg. Getestet wird die neue Technik derzeit auf der in Cottbus veranstalteten Bundesgartenschau (Buga '95). Von einem glaesernen Studio aus wird taeglich eine Stunde lang von der Messe live gesendet. Dabei kaemen alle Musikeinlagen "direkt aus dem Computer", so Studioleiter Wolfgang Manke. Die beiden Bandmaschinen brauche man nur zur Digitalisierung des Rohmaterials in Form von Nachrichten, Interviews und einzuspielenden Werbebloecken. Nach der Bearbeitung der Beitraege auf einer Workstation "kommen die fertigen Teile auf den Server und sind je nach Bedarf abrufbar". Anders als bei den meisten anderen Sendern - fuer eine Musiksendung mit Moderation sowie Werbung sind dort laut Manke drei bis vier Leute noetig - bewaeltige ein einziger Mitarbeiter diese Aufgaben.

Die Vision des Brandenburger Senders ist ein "komplett papierloses Studio:" Die fuer das Betreiben einer Sendeanstalt relevanten Informationen wie die Organisation der Programme und verwaltungstechnische Ablaeufe sollen dann "ueber ein gemeinsames Medium kombiniert und per IT komfortabel gesteuert werden".

Das Pilotprojekt Cottbus zeige bereits die Vorzuege dieser computergestuetzten Arbeit: Es fehlten nicht nur die frueher herumliegenden Bandschnipsel und Kaesten voller Tonbaender, heisst es, sondern "es ist eine hochprofessionelle Arbeitsatmosphaere geworden".