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09.08.1991 - 

Zuerst "nacktes" Überleben der Unternehmen sichern

Ostdeutschland: "Wessis" als DV-Spezialisten kaum gebraucht

Viele DV-Spezialisten, die sich aktiv am Wiederaufbau in

Ostdeutschland beteiligen möchten und hier eine besondere Herausforderung sehen, stellen sich die Frage, ob und - wenn ja

- wo ihr Know-how gefragt ist. Wolfgang Lichius* untersucht den ostdeutschen DV-Arbeitsmarkt.

Außer Zweifel steht, daß die Unternehmen in den neuen Bundesländern in Sachen DV hinter dem Standard der alten Bundesrepublik herhinken. Das gilt sowohl für die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Hardware und für den Komfort der Softwarepakete als auch für den Grad der DV-Integration bei der Abwicklung der kaufmännischen und technischen Betriebsabläufe.

Ideale Voraussetzungen also für Systemanalytiker, Programmierer oder Anwendungsberater? Die angesichts des bisher Gesagten zu erwartende positive Antwort auf diese Frage bedarf einer deutlichen Differenzierung. Bei der Sanierung der Unternehmen in der "Ex-DDR" müssen nämlich Prioritäten dergestalt gesetzt werden, daß an erster Stelle alle die Maßnahmen in Angriff genommen werden, die zunächst nur das "nackte Überleben" sichern.

Hierzu zählen in erster Linie Schritte, die ohne größeren Investitionsaufwand kurzfristig spürbare Kostenreduzierungen nach sich ziehen. Dieser Kategorie lassen sich - wohlbemerkt bei kurzfristiger Betrachtungsweise - zusätzliche und optimierte DV-Anwendungen nicht zurechnen .

Sie erhalten erst größere Bedeutung, wenn in einer späteren Phase die Unternehmen mittel- und langfristig ihren Erfolg sichern. Das bedeutet, daß zur Zeit und wohl auch noch in den nächsten ein bis zwei Jahren in den neuen Bundesländern eine Nachfrage nach DV-Fachkräften aus dem Westen kaum gegeben ist. Allerdings dürfte sich dies ändern, und zwar in einer späteren Phase der nachhaltigen Konsolidierung der Ost-Unternehmen.

Eine völlig andere Frage ist, wie die "Angebotsseite" aussieht, also inwieweit DV-Fachleute aus den westlichen Bundesländern Interesse haben, einen Arbeitsplatz im Ostteil der Bundesrepublik anzunehmen.

Sind nämlich die bisherigen Ausführungen zur Frage, ob DV-Spezialisten aus dem Westen im Osten unseres Landes benötigt werden, nicht rein akademischer Natur vor dem Hintergrund des so häufig als "überhitzt" definierten DV-Arbeitsmarktes im Westen? Hier sprechen die Erfahrungen des Autors eine recht deutliche Sprache.

Aus vielen Personalrekrutierungs-Projekten weiß er, daß es in den alten Bundesländern die so häufig beschriebene Mangelsituation an qualifizierten DV-Fachkräften in immer geringer werdendem Ausmaß gibt. DV-Spezialisten nahezu aller Couleur sind in ständig größer werdendem Umfang am Arbeitsmarkt verfügbar.

Dies ist eine Konsequenz aus der stetig steigenden Zahl von Informatik-Lehrangeboten an Hochschulen, Fachhochschulen und sonstigen Bildungsinstitutionen sowie aus der damit einhergehenden noch immer stark wachsenden Anzahl an Absolventen .

Eingedenk dieser Entwicklung und der sich mittelfristig stetig verbessernden Lebensqualität, dürfte sich die Bereitschaft der DV-Spezialisten, einen Arbeitsplatz im Osten unseres Landes anzunehmen, vergrößern und damit die Verfügbarkeit gut ausgebildeter DV-Fachkräfte für Ost-Unternehmen im Bedarfsfall sichergestellt sein.

In diesem Zusammenhang drängt sich natürlich auch die Frage auf, ob und inwieweit der Personenkreis, der bisher in den "Ex-DDR" Unternehmen die DV-Arbeit leistete, den neuen Anforderungen gerecht werden und zur Befriedigung des oben beschriebenen Bedarfs beitragen kann.

Erste Erkenntnisse hierzu resultieren aus den Erfahrungen von und mit aus dem Osten in den Westen übergesiedelten DV-Fachleuten. Cum grano salis läßt sich sagen, daß die Informatik-Ausbildung in der ehemaligen DDR offensichtlich eine sehr solide Basis darstellt, auf der sich augenscheinlich das zur Erreichung des Weststandards notwendige Zusatzwissen gut und relativ schnell aneignen läßt.

Dahingegen tun sich diejenigen schwerer, die nicht über eine qualifizierte Ausbildung verfügen, sondern sich ihr DV-Wissen überwiegend in der Praxis erworben haben. Ohne über ein adäquates theoretisches Grundwissen zu verfügen ist für sie der bisherige DV-Anwendungs- und Implementierungsstandard in den neuen Bundesländern mit dem persönlichen Qualifikationsstatus gleichzusetzen .

Um eine Chance auf dem DV-Arbeitsmarkt zu haben, erscheint für diese Gruppe eine Weiterbildung unabdingbar notwendig, während der erstgenannte Personenkreis sich bei der Suche nach einem adäquaten Arbeitsplatz erheblich leichter tun dürfte.